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Der Jude · 1920-01-01 · Heft 8-9 · p. 495

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
5 (1920-1921)
Issue
Heft 8-9
Article
Jüdische Friedhofskunst
Date
1920-01-01
Page
495 (sequence 3)
Language
German
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Jüdische Friedhofskunst 495 dischen Friedhof, der einst „Haus des Lebens"*) genannt, jetzt nur an den zersetzenden Einfluß der Spekulationswut unserer Tage mahnt, die alles Leben zugrunde richtet. Fort auch mit den schreienden Farben der Blumenbeete und -kränze, die den Frieden der Grabstätten stören; mögen die Gärtner immer greinen, es bleibt ihnen genügend Verdienst, wenn sie die Ruhestätten der Toten mit* schlichtem Grün decken. Der bunte Blumenschmuck auf dem jüdischen Friedhof ist zwar zum Teil als ein Fortschritt angesehen worden; daß seine Einführung ein bedauerlicher Fehlgriff war, ergibt sich aus dem Vergleich der modernen, blumen- und kranzgeschmückten Gräber mit den alten, auf denen Efeu und Gras wachsen. Aber pflanzt Bäume, — sie mächen den eigentlichen Reiz jenes dämmrigen, grünen Halbdunkels eines Judenfriedhofes im Frühling und Sommer aus und geben ihm jenes großartige und zugleich traurige Bild bei Sturm und Schnee im Herbst und Winter. Ganz vermögen auch sie nicht dem großen Totenacker die Öde zu nehmen, nur hügeliges Gelände kann sie mildern, das man früher, besonders in der Provinz Posen, bevorzugte. (Daher Judenberg als Name für baumbeschattete Sandhügel). Vor allem aber nicht so arg preußisch; Ordnung mag eine schöne Tugend sein, die Kunst bereichert sie sicherlich nicht. Es geht genau so gut, wenn die Wege nicht so hübsch gerade und rechtwinklig angelegt werden. Gewundene Wege gehen sich auch angenehmer, aber nur nicht wieder recht ordentlich hier einen Kringel und dort einen, daß es nur ja ein gleichmäßiges Muster gibt. Meist hat das Leben die Pfade schon vorgezeichnet, d..h. ausgetreten, auch ergeben sie sich aus der natürlichen Beschaffenheit des Geländes von selber. Muß es nun einmal eine schnurgerade Straße sein, so stellt etwas ans Ende, um einen Abschluß zu schaffen; sie scheint dann halb so lang. Dort ist übrigens der geeignete Platz für Erinnerungszeichen und Baumgruppen, für eine schöne Bank, einen Brunnen oder etwas Ähnliches. Vorschläge dieser Art lassen sich ohne besondere Vorkenntnis aus dersehr guten Literatur über Friedhofskunst ersehen, die sowohl durch die Heimatschutzvereine und die staatliche Denkmalspflege, als auch aus größeren Bibliotheken zu beziehen ist. Es sei hier auf die Flugschriften des Dürerbundes und Aufsätze in den verschiedensten Zeitschriften, besonders im .Kunstwart (19x4—1919) hingewiesen. Durch eifriges Befolgen all der guten Lehren, die sich in den trefflichen Arbeiten von deutschen Künstlern und Gelehrten über die Friedhofskunst finden, ließe sich vieles verbessern, was heute an den jüdischen Begräbnisplätzen vom ästhetischen Standpunkt leider noch beanstandet werden muß. Viel schwieriger ist es, sich über die Ausgestaltung der „jüdischen" Friedhöfe zu unterrichten, da bis jetzt noch eine eingehende Arbeit über die Entwicklung der jüdischen Grabkunst fehlt, ein Mangel, dem der Verfasser bald ab- *) So nennt der jüdische Volksmund den Friedhof.

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