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Der Jude · 1920-01-01 · Heft 8-9 · p. 491

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Journal
Der Jude
Volume
5 (1920-1921)
Issue
Heft 8-9
Article
Aus dem religiösen Leben der Ostjuden
Date
1920-01-01
Page
491 (sequence 12)
Language
German
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Aus dem religiösen Leben der Ostjuden 491 Im Talmud werden verstreut an vielen Stellen allerlei natürliche Heilmittel, darunter auch Segullot, erwähnt und auch empfohlen. Mit der Entwicklung der mystisch-kabbalistischen Literatur fanden neben den vielen alten auch viele neue für die verschiedenen Umstände des Lebens als Schutz, Abwehr u. dgl. zu verwendende Segullot Verbreitung und Popularität. Insbesondere in den letzten Jahrhunderten erfuhr die Anzahl der auf kabbalistischem Boden gegründeten Segullot eine bedeutende Vermehrung, zu der übrigens auch der im vorigen Jahrhundert immer wachsende Chassidismus nicht wenig beigetragen hat. Diese Segullot jedoch tragen fast durchweg einen rein jüdisch-mystischen Charakter. Ihr Wesen besteht zum größten Teil in dem Hersagen gewisser Psalmen, denen eine besondere Kraft und geheimnisvolle Eigenschaft zukommt, in dem Lesen bestimmter unzusammenhängender Sätze aus der Bibel, die scheinbar nicht zusammengehören, jedoch durch einen geheimnisvoll mystischen Gedanken verbunden sind und, wenn nacheinander hergesagt, wegen der in ihnen vorkommenden verstreuten Buchstaben, die zusammengesetzt eine bestimmte Deutung geben bzw. wegen des Zahlenwertes solcher Buchstaben, die dem Zahlenwerte irgend eines anderen dem Zwecke entsprechenden Wortes gleichkommen, von besonderer Wirkung sein sollen, oder in dem inbrünstigen — wenn auch verständnislosen — Rezitieren bestimmter Partien aus dem Sohar u. dgl. Zu diesen Segullot gehören auch die sog. „Kmiot" (Amulette)*), die vom Zaddik als Schutz- bzw. Heil- und Abwehrmittel verabreicht werden usw. Viele dieser Segullot verdanken ihre Verbreitung und Beliebtheit im Volke der Empfehlung von Seiten bedeutender kabbalistischer Autoritäten, wie R. Jizchak Lurja, R. Jesaja Hurwitz („SchLuH"), und der seit dem Anwachsen des Chassidismus immer zahlreicher werdenden Zaddikim. Manche Verfasser sammelten verschiedenartige populäre „Refuot" und »Segullot", die sie dann in besonderen Werken zum allgemeinen Gebrauche der Öffentlichkeit übergaben. Die zumeist verbreiteten und populärsten unter diesen Arbeiten sind das „Sefer zechirah we-injane segullot" (dasselbe enthält auch eine Art kabbalistischer Mnemotechnik) von R. Zacharja Polangen und das „Mipalot Elohim" von R. Joel Baal-Schern (nicht zu verwechseln **it Israel Baal-Schern, dem Begründer des Chassidismus). Diese beiden Werke sind ganz besonders im Osten verbreitet und wurden immer wieder neu verlegt. Es gibt überdies noch manche Verfasser populärer Schriften verschiedenen Inhalts, die ihren Werken dadurch Verbreitung und Absatz zu sichern suchen, daß sie ihnen gleichzeitig auch allerlei „erprobte und bewährte« (baduk umnussäh) Refuot und Segullot, zur allgemeinen Nutzanwendung, als besonderen Anhang beischließen. *) Über die „Kmiot" siehe meinen Aufsatz: Der Jude, Jahrgang IV. Aus dem religiösen Leben der Ostjuden. V. Geburt. Seite 228.

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