Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 5 (1920-1921)
- Issue
- Heft 8-9
- Article
- Ein pädagogisches Forschungs-Institut in Palästina
- Date
- 1920-01-01
- Page
- 477 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Ein pädagogisches Forschungs-Instiut in Palästina 477 ihres Bereiches, der eine keimhafte Vorwegnahme des künftig — so hoffen und wollen wir — allgemeinen Verhaltens der Menschen in Gemeinschaft ist, nur verborgen und fast ausgeschieden aus'dem öffentlichen pädagogischen Bewußtsein: indem es aus den Erfahrungen der beabsichtigten und von selbst wachsenden neuen Erziehungsformen und -Versuche im Lande durch unermüdetes Beobachten, Versuchen und kritisches Abwägen langsam das gesicherte System der neuen, der Erziehung zur Gemeinschaft schaffen wird. Dies etwa sind die Arbeitsgebiete des Instituts, die es freilich nicht am Tage seiner Gründung alle zugleich und gleich intensiv in Angriff nehmen wird, die sich vielmehr langsam und stetig, so wie ihm Menschen, Mittel, Erfahrungen und Ideen zuwachsen werden, auseinander und miteinander entwickeln werden. Es hieße diesem natürlichen Wachsen vorgreifen, wollten wir versuchen, hier ein in sich geschlossenes System der Aufgaben eines pädagogischen Forschungsinstituts zu geben, und lieber sei dies und jenes unerwähnt, das uns selbst oder dem Leser vor allem wichtig erscheinen mag — wenn nur der Eindruck vermieden werden kann, als wären die vorliegenden Seiten in irgendeiner Weise vorlaut und vorgreiflich, wo doch in Wahrheit nichts anderes gemeint ist, als daß sich in der ungefähren Richtung des Gesagten, von Umständen und Menschen bedingt, das ergeben möge, was irgendwie den Weg zum Idealbild der Erziehung bahnt. Wie nun müßte ein Institut solcher Art organisiert sein? Wer sollten seine Mitarbeiter, wie soll seine Einrichtung im inneren und nach außen sein? Dies ist nicht für alle Abteilungen zugleich zu beantworten, sondern vielmehr wird dies die organisatorische Aufgabe sein, die dem Institut gestellt ist, durch sparsame und überlegte Einrichtungen Sorge zu tragen, daß aller entbehrliche Aufwand gespart werde zur reichlichen Versehung des Unentbehrlichen* Das Archiv wird zur Einrichtung und zur Fortführung einen Beamten brauchen, der seinen Beständen sachgemäß jenes Maß von Sorgfalt, Kenntnis und Zeit widmen wird, durch das allein eine weitschichtige Häufung von Papier und Material mannigfaltiger Art zu einer benutzbaren und nützlichen, zu einer allein schon durch ihre Anlage erziehenden und belehrenden Einrichtung wird. Ihm wird, er heiße Assistent des Instituts, auch die Ordnung der Bibliothek, die organisatorische Korrespondenz, der Verkehr mit Gruppen und Einzelnen, Ausstellungen, Informationen und Auskünfte obliegen. Von aller mechanischen Arbeit, deren ein solches Unternehmen die reiche Fülle verlangt, von allem Schreiben, Bezeichnen, Stempeln, Schneiden und Kleben muß er grundsätzlich frei sein. Er muß den Überblick behalten, er muß Bücher und Material kennen, er muß Zeit haben, solche Kenntnis zu erwerben und weiterzuleiten. Sparsam ist es in diesem Fall, wenn dem Assistenten so viel Arbeitskräfte beigegeben werden, als nötig ist, als ihm vernünftigerweise nötig erscheinen mag. Um das Archiv so zu führen, wie die verschiedenen Aufgaben des Instituts verlangen, bedarf es der Autorisation durch die Verwaltung, muß es gleichzeitig das Archiv der palästinensischen oder wenigstens der jüdischen