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Der Jude · 1920-01-01 · Heft 8-9 · p. 471

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Journal
Der Jude
Volume
5 (1920-1921)
Issue
Heft 8-9
Article
Ein pädagogisches Forschungs-Institut in Palästina
Date
1920-01-01
Page
471 (sequence 7)
Language
German
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Ein pädagogisches Forschungs-Institut in Palästina 471 tungen gilt, aber ganz allgemein nicht beachtet wird, wo Schulen und systematische Erziehungseinrichtungen die Tatsache der außerordentlich tiefen anderen Wirkungen auf Körper, Seele und Geist der Kinder und der Jugend verdunkeln, daß nämlich stärker vielleicht noch als Schule und Unterricht, gewiß aber ihr ebenbürtig Haus und öffentliches Leben, Beruf und Gasse, Partei und Verein, Glauben, Willen, Meinen, Gebräuche, Sitten, Urteile und Wertungen des Volkes, kurz Wirtschaft und Kultur auf die heranwachsende Jugendgeneration bildend und verzerrend einwirken. Das Institut wird das Zweckdienliche vorkehren müssen, um auch diese Erziehungsfaktoren irgendwie zu erfassen, ihre wissenschaftliche Erkenntnis, ihre bewußte Gestaltung zu ermöglichen — soweit als Wissenschaft und alle soziale und organisatorische Bewußtheit eben vermögen. Vor allem eins ist hier für den Anfang schon, aber auch für alle weitere wissenschaftliche Bemühung um das Erziehungswesen nötig: die Verwaltung, die Lehrerschaft, Ärzte und Eltern bedürfen einer gewissen Kenntnis des Kindes, seiner körperlichen und seelischen Natur, seiner natürlichen Entwicklungsweise. Die Kinderpsychologie hat manche wichtige Erkenntnis bereits gewonnen, und arbeitet in allen Ländern unermüdlich sie zu erweitern und zu vertiefen. Wir jdürfen das ringende und sich entwickelnde jüdische Erziehungswesen nicht ohne diese wichtige Hilfe lassen, wenn auch gewiß weder das Leben, noch die Verwaltung, noch auch die Eltern ihre Pflicht erfüllt hätten, wenn sie theoretisch, und wäre es noch so gründlich, von diesen Kenntnissen durchdrungen wären. So wird das Institut eine Bibliothek der Jugendkunde einzurichten haben. Gewiß keine Institution, die etwa mit der Comenius-Bibliothek in Leipzig konkurrieren wollte, nicht einmal eine, die dem Umfang der üblichen Fachbibliotheken dieses Gebietes in Amerika entspräche, sondern eine bescheidene Sammlung von einigen Tausenden Büchern, sparsam und umsichtig ausgewählt, genügend groß, um an einer Stelle im Lande das Wissens- und Erfahrungsgut der heutigen Wissenschaft im Rahmen dieses Themas zu vereinigen, und um Anregung zu eigenem Beobachten, Erfahren und Sammeln auszustrahlen in alle jene, die Fähigkeit und Bedürfen in sich fühlen, ihre Kunst des Verkehrs mit Kindern, des Unterrichtes, des Bildens und Erziehens durch Empirie und Abstraktion zu fördern, zu bändigen. Denn die zwei Hauptforderungen, die an sie in der gegenwärtigen Lage gestellt werden müssen: könnte auch die größte Bibliothek des Instituts an sich nicht erfüllen: daß alle mit Jugend befaßten Menschen sachgemäß zu ihrer Aufgabe erzogen werden und daß nicht ein Schema von der Kindernatur und -Entwicklung das Denken der Lehrer verdunkle, sondern eine konkrete Kenntnis des Erez-Israel-Kindes sie belebe und fruchtbar werden lasse. Das kann nur auf eine Weise erreicht werden: daß der palästinensische Lehrer (das Wort im weitesten Sinne verstanden) das palästinensische Kind, so wie es eben ist, wie es in Schule und Haus, bei Spiel und Arbeit, in jedem Alter und in jeder Beziehung ist, kennen lerne. Es kommt darauf an, daß sol-

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