Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 5 (1920-1921)
- Issue
- Heft 8-9
- Article
- Ein pädagogisches Forschungs-Institut in Palästina
- Date
- 1920-01-01
- Page
- 469 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3101111-3101163-3101171-3105911--4375-3105980- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Ein pädagogisches Forschungs-Institut in Palästina 469 tion, mit der mancherlei vorbereitende, durchführende und kontrollierende Tätigkeit verbunden ist, kann nur eine Stelle ausüben, die sich damit systematisch und aufmerksam befaßt: das Institut. Es wird zu diesem Zweck eine gewisse Korrespondenz, organisatorischer und informatorischer Art, mit den pädagogisch Interessierten in der Diaspora führen; die ausländischen Zeitschriften und bezüglichen Neuerscheinungen studieren und schließlich im Lande und im Galuth jene Parolen oder Anregungen, Auskünfte und Hilfen geben, die möglich und nötig sind. Die Information über Einrichtungen und Erfahrungen ist meistens durch Bücher in genügendem Maß zu erwerben. Das Institut wird demnach für seine Bibliothek Werke und Zeitschriften, Berichte und Statistiken mit besonderer Sorgfalt anschaffen müssen, die einen allgemeinen Überblick über das Erziehungs- und Unterrichtswesen in allen bedeutenden Ländern, über die mannigfaltigen Zweige des Schul-, Lehrlings-, Fachbildungs-^ Fortbildungs-, Lehrerbildungs- und Volksbildungswesen geben; es wird so weit bibliographische Aufzeichnungen zur jeweiligen Verwertung bereitzuhalten haben, daß es nötigenfalls das Material zur Verfügung stellen oder nachweisen kann, das nötig wäre, um der Verwaltung, Lehrern, Schulleitungen, Parteien, einzelnen Unternehmern Einsicht in die Bedingungen, Möglichkeiten und Bewährung eines Projektes, das sie befassen möge, zu geben. Dabei wird es sich in keiner Weise um Vollständigkeit, sondern immer um die fruchtbare Auswahl für die konkreten Gegebenheiten, für die naheliegenden Möglichkeiten handeln. Bei diesem Teil der Institutsarbeiten kommt alles auf die Auswahl an; nur sie ist möglich, und nur sie ist fruchtbar. Gerade umgekehrt verhält es sich beim andern Teir der informatorischen Arbeit des Instituts, der sich auf das Land selbst bezieht. Hier ist nötig, daß im Plane des Unternehmens die Vollständigkeit vorgesehen sei, daß bei seiner Durchführung Schritt für Schritt, so wie es die Bedingungen erlauben und die Aufgaben verlangen, die Lückenlosigkeit angestrebt werde. Denn es muß eine. Stelle geben, wo ein genauer Überblick über Umfang, Art und Zustand aller Erziehungseinrichtungen, aller Erziehungsströmungen, aller Versuche und Erfahrungen im Lande sich herstellt, durch das Zusammenfügen der kleinen Steinchen der einzelnen Untersuchungen und persönlichen Erfahrungen zu einem bunten, aber streng umrissenen Gesamtbild. Eine geordnete Verwaltung kann einer solchen Stelle keinesfalls entbehren. Aber auch die Lehrer und alle anderen, die irgend ein reales oder ideelles Interesse am Ausbau, an der fördernden Entwicklung des Organismüs der Erziehungseinrichtungen nehmen, müssen wissen, daß solch ein Zentrum der Erfahrungen, solch ein Spiegel und Gedächtnis des Bestehenden vorhanden sei. Und schließlich die künftigen Generationen werden solch eine Beihilfe für ihr historisches Bemühen nicht gerne vermissen wollen. Es läge uns fern, irgend einen Aufwand heute vorzuschlagen oder auch nur zu dulden, der lediglich dem künftigen Historiker und seinen Nutznießern Dienste leistete. Wo aber nichts anderes nötig wäre Heft 8/9. 31