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Der Jude · 1920-01-01 · Heft 8-9 · p. 468

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Journal
Der Jude
Volume
5 (1920-1921)
Issue
Heft 8-9
Article
Ein pädagogisches Forschungs-Institut in Palästina
Date
1920-01-01
Page
468 (sequence 4)
Language
German
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468 Siegfried Bernfeld: Vorbildlichkeit kann das Ergebnis jahrelanger Bemühungen, aber nicht ihre Absicht sein. Zunächst aber ist unser Erziehungswesen verhältnismäßig so ungefestigt, so dürftig und unvollkommen, daß es sehr not tut, Vorbilder zu suchen, anstatt geben zu wollen. Freilich denkt niemand weniger, als der Verfasser dieses Vorschlags, daran, ungeprüfte Nachahmung zu empfehlen, aber tatsächlich vollzieht sich der Prozeß der pädagogischen Entwicklung in Erez Israel heute so, daß vor jede neue Einrichtung das Suchen eines Vorbildes geht, bewußt oder unbewußt, in beiden Fällen aber gegenwärtig unzulänglich, unsystematisch, zufällig und unvollständig. An Stelle der fallweisen und zerstreuten Informationsbestrebungen des Einzelnen muß die regelmäßige, gesammelte Information der Gesamtheit, ausgedrückt im Institut, treten. Gerade das Land mit dem mannigfaltigsten Erziehungswesen hat den am besten ausgebauten Informationsdienst über die Einrichtungen und Bestrebungen in allen Ländern. Der Commissioner of Education in Washington überreicht alljährlich seiner vorgesetzten Behörde einen umfassenden, meist zweibändigen gedruckten Rapport, der auf diesem Gebiet wohl die imponierendste Leistung ist, die wir kennen. Es wäre töricht, vom Institut eine solche Leistung zu verlangen oder zu erhoffen. Aber so sehr sich unser Informationsdienst über das pädagogische Leben in Umfang und Art vom amerikanischen unterscheiden muß — einen zweckmäßigen und ausreichenden brauchen wir. Und wäre es auch bloß darum, weil die hebräische Sprache und die Entfernung des Landes von den pädagogischen Zentren einer Einrichtung bedarf, die Bewegungen und Erfahrungen zu uns hereinzieht, da sie von selbst so weite Kreise erst ziehen würden, wenn sie an ihren Mittelpunkten schon ein wenig veraltet wären. Welches ist demnach die Art und der Umfang dieser Information? Es ist dabei zweierlei zu unterscheiden: die pädagogischen Ideen, Bewegungen und die pädagogischen Einrichtungen, Erfahrungen. Eine wirkliche Information über die pädagogischen Ideen und Bewegungen Europas und Amerikas kann nur gewonnen werden durch Kontakt mit solchen Menschen, die selbst davon erfaßt sind. Da die nichtjüdischen Führer aber kaum zu uns kommen werden, müssen wir sie aufsuchen, es muß dafür gesorgt werden, heißt das, daß unsere Lehrer, die zu Studienzwecken ins Ausland reisen, oder später einmal vielleicht von der Gesamtheit geschickt werden, dorthin gehen, wo sie in pädagogischen und menschlichen Dingen wahrhaft etwas lernen können, und nicht an eine beliebige Universität, die aus irgendeinem Grund im Lande bekannt wurde. Es muß dafür gesorgt werden, daß die Kindergärtnerinnen, Pflegeschwestern, Kinderärzte^ Lehrer, die nach Erez Israel einwandern, in Europa oder Amerika am rechten Ort sich vorbereitet haben, und nicht dort, wohin sie irgend eine unmaßgebliche Zufälligkeit hingeführt oder belassen hat; dafür, daß alle, denen Palästina etwas Wesentliches bedeutet, dahin ausstrahlen lassen, was sie bei ihren Lehrmeistern, am Ort ihrer beruflichen Tätigkeit, im Lande ihrer Muttersprache an Bewegendem in sich aufgenommen haben. Solche Funk-

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