Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 5 (1920-1921)
- Issue
- Heft 8-9
- Article
- Ein pädagogisches Forschungs-Institut in Palästina
- Date
- 1920-01-01
- Page
- 466 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Siegfried Bernfeld: ist und täglich wichtiger in ihm wird: um das heutige Erziehungswesen und seine Lehrer, um die Entwicklung des heute Bestehenden zu dem schon heute als unerläßlich nötig eingesehenen. Man ist in Palästina selbst mit dem vorhandenen Schulwesen, mit dem Durchschnitt der in ihm tätigen Lehrer unzufrieden. Man hat das Empfinden» als wäre nun die erste Periode der pädagogischen Entwicklung abgeschlossen, ein Zeitraum von 15, wenn man will 30 Jahren, in dem geleistet wurde, was vor allem nötig war: die Hebraisierung, und als stünde man nunmehr vor einem neuen Abschnitt, dessen Inhalt noch nicht eindeutig und einstimmig bezeichnet werden kann, in dem es sich aber doch irgendwie um die Erziehung zur Arbeit und zur sozialen, zur gemeinschaftsbildenden Gesinnung handeln wird. Daß dafür das Bestehende unzulänglich ist, hat man sich deutlich klar gemacht, wie das Neue aussehen, und wie es aus dem Jetzigen herbeigeführt werden soll, darüber denkt, ahnt, vermutet man noch. Diese neue Unterrichtsverwaltung steht vor schwierigen Aufgaben, von diesen Reformwünschen der Arbeiterschaft und Chaluziuth völlig abgesehen. Das Schul- und Erziehungswesen soll erweitert werden. Es fehlt an Lehrbüchern und an Lehrmitteln; es mangelt so gut wie alles und kann aus Europa nicht ohne weiteres beschafft werden, weil nicht allein die Sprache, sondern noch ungezählte andere Faktoren gewisse eigenartige Nuancen, manchmal sogar völlig eigenartige Schöpfungen, erzwingen. Die Produktivierung der Jugend des alten Jischuw ist eine unumgängliche Notwendigkeit Die Psychologie der Juden, der Zustand der Einwanderer, die ökonomischen und kulturellen Notwendigkeiten des Landes verlangen Unterrichts- und Erziehungsarbeit an den Erwachsenen. Dies alles gehört zweifellos nicht zu den sekundären Problemen des Aufbaus, sondern in die erste Reihe ihrer und wird in Erez Israel seiist lebendig und besorgniserregend so empfunden und erkannt Aus solchen und allen anderen konkreten Problemen werden selbstverständliche Lösungen erwachsen. Manches dieser Art setzt sich bereits an; manches wird bereits deutlich genug gesehen und findet versuchsweise Befriedigung. Vor allem nach drei Richtungen sind solche Ansätze zu Einrichtungen schon jetzt zu bemerken, oder in Kürze zu erwarten: x. Erhöhung der pädagogischen, menschlichen und technischen Anforderungen an alle im Erziehungswesen tätigen Menschen. 2. Klare und ausreichende Ordnung in der Verwaltung. 3. Studien über die nötigen Einrichtungen, über die Resultate der getroffenen Maßnahmen, Versuche auf unbekannten oder eigenartigen Gebieten, Vergleiche mit dem Ausland. Welche konkrete Einrichtung immer in einem bestimmten Augenblick ausgebaut, verändert, oder neu geschaffen werden soll, immer ist es zugleich Ie Ausbildung der nötigen Lehrer, die Einrichtung des Verwaltungsapparates ad die Anpassung der bisherigen Erfahrungen im Lande und anderwärts an s gegebene Problem, die zu jeder Zeit und an jedem Ort aufs neue beht und erprobt werden müssen. Dabei leidet die Entwicklung des Er-