Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 5 (1920-1921)
- Issue
- Heft 8-9
- Article
- Ein pädagogisches Forschungs-Institut in Palästina
- Date
- 1920-01-01
- Page
- 465 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Siegfried Bernfeld: Ein pädagogisches Forschungs-Institut in Palästina 465 SIEGFRIED BERNFELD / EIN PÄDA¬ GOGISCHES FORSCHUNGSINSTITUT IN PALÄSTINA ■ie immer man zum Plan einer Universität in Palästina stehen mag*), V V mit dem Beschluß der zionistischen Jahreskonferenz Juli 1920 darf man zufrieden sein: es soll zunächst im Lande eine Anzahl von kleinen Forschungsinstituten eingerichtet werden. Zunächst, damit aus ihnen eine Universität werde — oder zunächst, damit sie solchen wissenschaftlichen Geist im Volke erzeugen, der für immer eine europäische Universität unmöglich macht. Für dies oder jenes gilt es jedenfalls noch nicht einzutreten, sondern nur dafür, daß die beschlossenen Institute auch wirkliche werden, daß nur solche gegründet werden, die das Land im jetzigen Augenblick verträgt, und alle, die es braucht Vielleicht werden jetzt allerhand kluge oder törichte Vorschläge ausgeschrieen werden; vielleicht wird mancher, der für seine Liebhaberei kein Gehör in Europa oder Amerika findet, für sie wenigstens in Palästina eine Zufluchtsstätte zu suchen beginnen; aber bei allen diesen Gründungsfragen wird doch ein strenges Maß gegeben sein für Brauchbarkeit, Dringlichkeit* oder Möglichkeit eines konkreten Vorschlages in den nächsten Bedürfnissen des sich entwickelnden Landes, seiner wachsenden Bevölkerung. Bei unserer Armut ist gewiß, daß aus der Fülle der Projekte nur jene Verwirklichung finden werden, die keines langen Memorandums bedürfen, um ihre Wichtigkeit theoretisch zu beweisen. Alle Arbeit der nächsten Jahre wird so streng um einige wenige konkrete Probleme konzentriert sein — oder sie wird, unfruchtbar, von einer zulänglichen Generation, irgend wann später von Grund auf neu begonnen werden müssen —, daß die wenigen nötigen, und dauerhaft fruchtbaren Einrichtungen, wie von selbst, nicht als Projekte eines Einzelnen, sondern als folgerichtige Ergebnisse einer geleisteten Arbeit der Gesamtheit mehr sich bilden, als werden eingerichtet werden. Und es kommt bei allen Plänen nur darauf an, wie ein ganz selbstverständliches Ziel am besten und einfachsten, vorbedacht und überlegt erreicht werden könnte. Darum bedarf es keinerlei Nachweises, daß die Londoner Konferenz ein wichtiges Forschungsinstitut, vergessen habe, und warum es nötig, selbst unerläßlich sei, dem hebräischen, dem mikrobiologischen, dem chemischen usw. noch eines, das pädagogische Institut hinzuzufügen. Denn es geht gar nicht um das pädagogische Institut, um die Fragen, die mit Recht auftauchten, wenn der Plan einer Universität für eine europäische Stadt erörtert würde. Es geht überhaupt um keinen Vorschlag, der ein solches Institut zum ausschließlichen Inhalt hätte, sondern lediglich um das, was bereits im Lande *) In meinem Aufsatz „Universität und Volkskultur" („Die Arbeit", Berlin 1920) habe ich versucht, das Wesentlichste dieser Frage kurz anzudeuten.