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Der Jude · 1920-01-01 · Heft 8-9 · p. 447

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Journal
Der Jude
Volume
5 (1920-1921)
Issue
Heft 8-9
Article
Das Komitee der jüdischen Delegationen in Paris
Date
1920-01-01
Page
447 (sequence 9)
Language
German
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IRI
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Das Komitee der jüdischen Delegationen in Paris 447 „im Einvernehmen mit der rumänischen Regierung", welches „Einvernehmen" allerdings in den Punkt i des Friedenstraktates auch erst im letzten Momente — nach vielem Herumfeilschen mit den „grandes puissances alliees et assoctees" — an Stelle des früheren Passus, der an die Verletzung des Berliner Vertrages erinnerte, hineingesetzt wurde. Der Vertrag mit der Tschecho-Slowakei enthält — außer den allgemeinen Gleichberechtigungsvorschriften — keine der Minoritätenschutzbedingungen in bezug auf die Juden, obwohl das bekannte Antwortschreiben Clemenceaus an Paderewski wegen dessen ursprünglicher Verweigerung der Unterfertigung des Minoritätenschutztraktates dieselben Verpflichtungen seitens der tschechoslowakischen Republik angekündigt hatte. Zum guten Teil ist hieran zweifellos die Nachlässigkeit des Komitees selbst mitschuldig, da in ihm bis in die letzte Zeit Vertreter aus der Tschechoslowakei fehlten und der Frage deshalb tatsächlich wenig Aufmerksamkeit geschenkt wurde. Es gelang uns, diesen Fehler teilweise durch einen Briefwechsel mit dem Vertreter des tschechoslowakischen Staates an der Friedenskonferenz Dr. Benesch gutzumachen, der im Namen seiner Regierung schriftlich der jüdischen Bevölkerung unter Adresse des „Comite* des Delegation^ juives" die im polnischen Minoritätenschutzvertrage enthaltenen Freiheiten zusicherte. War die oben geschilderte Arbeit als Grundlage des zukünftigen jüdischen Lebens in der Diaspora gedacht, so durfte das Komitee der harten Notwendigkeit sich nicht entziehen, auch traurige „Gegenwartsarbeit" zu leisten. In einem fort mußte das Komitee bei den Faktoren der Friedenskonferenz intervenieren, um dem verruchten Hexentanz des Judenmordens einen Damm entgegenzustellen. Es gelang uns, die Aufmerksamkeit eines Teiles der französischen Presse auf das „moderne" Ausrottungssystem zu lenken, das den Juden gegenüber im Osten wütet. Es gelang uns auch, die „Ligue des droits de Phomme" zur Veranstaltung eines „Protestmeetings" zu bewegen. Der „Appel a Phumanite", der das Mordsystem mit wuchtigen Worten brandmarkt und die Unterschriften hervorragender Persönlichkeiten der französischen Kulturwelt mit Anatole France an der Spitze trägt, ist ebenfalls ein Werk der Bemühungen unseres Comites, insbesondere dessen Generalsekretariats. Das Komitee intervenierte auch im Momente, da das Gespenst der Pogrome in Wien aufzusteigen schien. Nicht minder verdienstreich ist das energische und rechtzeitige Eingreifen des Komitees gegen den „moralischen Pogrom", der von Wien aus drohte und der in dem Versuche lag, Tausende gequälter Ostjuden, die im Kriege nach Wien verschlagen worden waren und sich dort unter den schlimmsten Entbehrungen eine kümmerliche Existenz geschaffen hatten, zu neuen Wanderungen zu zwingen. So wurde gleichzeitig und nebeneinander seitens des Komitees Politik des Momentes und Politik für die Zukunft geführt. Außerdem aber wurde noch ein höchst bedeutsamer Beschluß gefaßt, der die Anbahnung einer Politik „sub specie aeternitatis" voraussieht. Danach soll der „Waad haarazot" — „Rat

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