Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 5 (1920-1921)
- Issue
- Heft 8-9
- Article
- Das Komitee der jüdischen Delegationen in Paris
- Date
- 1920-01-01
- Page
- 448 (sequence 10)
- Language
- German
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448 Theodor Herzl über Uganda jüdischer Delegationen" — als Nachfolger des „Comite des Delegations juives aupres de la Conference de la Paix" es verhindern, daß die mehr als einjährigen Leistungen jüdischer Politik im Endresultate nur als vorübergehendes Aufflackern des jüdischen Volksbewußtseins sich darstellen, ohne den Willen des Volkes in dauernde reale Formen zu kleiden. Es muß jemand da sein, der gewillt und mächtig genug wäre, um das, was errungen oder erzwungen wurde, mit unbeugsamer Energie und ungelähmter Tatkraft in Wirklichkeit umzusetzen. Diese Mission soll dem „Waad haarazot" anheimfallen, der aus Vertretern des Judentums des Weltalls zusammengesetzt sein wird. Eine neue „Alliance Israelite Universelle" soll es werden, aber im modernen demokratischen Sinn und in national-jüdischer Prägung. Es wird sich zeigen, ob wir fähig sind, das Werk, das wir in Mühe und Not inauguriert haben, zu erhalten und zu vollenden, ob wir der hohen und schwierigen Aufgabe gewachsen sind, mit eigenen Mitteln das auzubauen, was uns — wohl dank unseren Anstrengungen, aber unleugbar auch dank der Gunst der Verhältnisse — von Fremden verliehen wurde. THEODOR HERZL ÜBER UGANDA Der hier zum ersten Mal veröffentlichte Brief Theodor Herzls an Sir Francis Montefiore beleuchtet eine der interessantesten Phasen der zionistischen Bewegung. Er sollte nebst einer kurzen Mitteilung des Aktionskomitees im Dezember 1903 in der „Welt" veröffentlicht werden. Besondere Ereignisse aber, die sich unmittelbar vor der geplanten Veröffentlichung abspielten, veranlaßten Herzl, den Brief zurückzuziehen. Die NichtVeröffentlichung war von folgenschwerer Bedeutung, denn es kam dann nicht zu der im Brief als erwartet angedeuteten Zurückziehung des Ostafrika-Projektes seitens der englischen Regierung, und alle Konsequenzen, die sich in späterer Folge daraus ergeben haben, wie die Absendung einer Kommission nach Uganda, die Beschlüsse des 7. Kongresses und die Entstehung der territorialistischen Organisation, traten ein. Der Brief wirft aber auch ein helles Licht auf die Stellung Herzls zur Ugandafrage überhaupt, und für alle diejenigen, die es noch nicht wissen, geht klar daraus hervor, daß Herzl niemals ein Anhänger des Uganda-Planes gewesen ist. Darüber wird erst die spätere auf genaue Quellen fußende Geschichtsschreibung der jüdischen Bewegung Aufschluß geben. Den Mitgliedern des Großen Aktionskomitees der zionistischen Organisation von 1903 ist es aber wohlbekannt, daß Herzl in der Sitzung des A.C. vor dem 6. Kongreß, worin er vom Uganda-Plan Mitteilung machte, persönlich der Ansicht war, daß man diesen Plan überhaupt nicht vor den Kongreß bringen solle, wogegen sich aber die Mehrheit der A, C.-Mitglieder aussprach.