Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 5 (1920-1921)
- Issue
- Heft 8-9
- Article
- Das Komitee der jüdischen Delegationen in Paris
- Date
- 1920-01-01
- Page
- 441 (sequence 3)
- Language
- German
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Das Komitee der jüdischen Delegationen in Paris 441 sie zu verstehen wären. Hingegen erinnere ich mich stets mit Unbehagen an jene unerquickliche Auseinandersetzung mit einem der besten Repräsentanten des jüdischen Volkes, in deren Verlauf die Frage an mich gerichtet wurde, ob wir über hinreichende Mittel zwecks Bildung eines Friedenskomitees in Paris verfügten und aus der, wenn auch nicht eine oppositionelle Haltung gegen unsere prinzipiellen Wünsche, so doch eine negative Stellung zu unseren Kampfbestrebungen unzweideutig hervorging. Nun war aber die Entwicklung der Dinge zu weit fortgeschritten und die Schaffensfreude der Delegierten, deren Zahl mit jedem Tage zunahm, zu groß, als daß der Unwille, wenn auch einer der maßgebendsten Persönlichkeiten, in der Lage hätte sein können, sie einzudämmen. Zum Glück war auch bereits die Delegation des „American Jewish Congress" — Marshall ausgenommen — mit ihrem Vorsitzenden Richter Julian W. Mack, allgemein »Judge Mack" genannt, in Paris eingetroffen. Als wir nun eines Tages auf Einladung Sokolows in dessen Büroräumen uns einfanden, schlug er uns „Judge Mack" zum Präsidenten des „Komitees" vor, und somit begann das Komitee zu existieren. Die ersten Sitzungstage verbrauchte man, um sich einen passenden Namen zu wählen. Alle wußten und fühlten jedoch, daß dies bloß ein Mittel sei, um die Tagesordnung auszufüllen, bis die Delegierten, deren Ankunft noch erwa'rtet wurde, darunter auch Ussischkin, an Ort und Stelle sein würden, um dann die Konstituierung Vornehmen zu können. Nach ganz kurzer Zeit war das Komitee vollzählig. Von der Londoner Zionistenkonferenz kamen mit Ussischkin auch Rosoff und Mozkin, welch letztere von dort aus als Vertreter der zionistischen allweltlichen Organisation ins „Nationalrat-Komitee" delegiert wurden, das sich offiziell „Comite des Delegations Juives aupres de la Conference de la Paix" benannte. Bei der Konstituierung wurden außer dem Präsidium und Generalsekretär Mozkin vier Kommissionen gewählt, u. zw.: die politische Kommission/ Präs. Sokolow, die Memorandum- oder Programmkommission/Mozkin, die Presse- und Propagandakommission/Dr. Reich, endlich die Entschädigungs- und Wiederaufbaukommission/Marshall. Mit der Autorität dieses letzteren wurde bei der Konstituierung — trotz seines Ausbleibens — gerechnet. Dies insofern mit Recht, als daß er gleich nach seiner Ankunft der Gesamtarbeit des Komitees den Stempel seiner Persönlichkeit aufdrückte. Die Frage, die er in erster Reihe auf warf und mit der sich etwa zwei Wochen lang das Komitee beschäftigte, war die Gewinnung der nichtnationalen oder gar antinationalen jüdischen Institutionen, vorzugsweise der „Alliance Israelite Universelle" und des „Joint Committee" für eine gemeinsame Aktion zugunsten der jüdischen Rechte. Die Kunst seiner großen Beredsamkeit und seinen gewaltigen Einfluß warf er in die Wagschale, um eine Einigung zu erzielen. Mack sekundierte ihm kräftig und alle amerikanischen Delegierten stimmten ergeben zu. Die dagegen auftraten, waren die Delegierten des Ostens,