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Der Jude · 1916-08-01 · Heft 5 (August 1916) · p. 350

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Journal
Der Jude
Volume
1 (1916-1917)
Issue
Heft 5 (August 1916)
Article
Ein neues Besiedlungsschema für Palästina
Date
1916-08-01
Page
350 (sequence 5)
Language
German
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350 Daten und Materialien der landwirtschaftlichen Kolonisierung — um die Verbreitung von kleinen und höchstens von mittleren landwirtschaftlichen Betrieben. Wenn sich Ballod auf die Ersparnis an Menschenkräften als auf einen Vorteil, der durch die Einführung von etwa tausend Großbetrieben zu 750 ha in den Ebenen Palästinas erlangt werden wird, beruft, so würde ein solcher Vorteil im Widerspruch mit einer zweckmäßigen Verteilung der Einwohnerschaft auf die für die Bewohnung am besten passenden Gegenden stehen. Anstatt in den Ebenen bloß ,,dienstpflichtige** junge Leute anzusiedeln und alle Familien im Gebirge wohnen zu lassen, wo, abgesehen von anderen Unzukömmlichkeiten z. B., wie er selbst sagt, die Trinkwasserfrage Schwierigkeiten bereiten wird, dürfte ein sehr bedeutender Teil von Familien in der Zukunft es vorziehen, in den Ebenen zu wohnen und sie gartenmäßig zu bearbeiten. Es ist wohl möglich, daß gewisse Teile der Ebenen zeitweise auf dem Wege der Großkultur und eventuell in Verbindung mit genossenschaftlicher Bewirtschaftungs weise werden kultiviert werden müssen. Daß aber die Form der Latifundienbetriebe, bei der einen oder anderen Organisation, der Beschaffenheit des Landes, sowie den sozialwirtschaftlichen Interessen seiner ländlichen Bevölkerung auf die Länge entsprechen wird, ist nicht anzunehmen. Ballod berechnet, auf Grund deutscher Angaben für landwirtschaftliche Großbetriebe, die für 700000 ha notwendige Menge an Arbeitskräften mit der Zahl von 84000 Jünglingen und Mädchen. Die deutschen Verhältnisse mit ihren intensivsten Großbetrieben stellen aber eine extensivere Form der Bewirtschaftung vor, als palästinensische Kleinbetriebe, die sich auf Milchwirtschaft, Pflanzungen, Gemüsebau und Geflügel- und Bienenzucht verlegen werden. Da wird auf derselben Fläche eine viel größere Zahl von Familien mit ihren Männern, Frauen und Kindern für ihre Kräfte Anwendung finden. Weder technische noch ökonomische und soziale Motive dürften zu einem solchen Wirtschaftsplane, nach welchem alle Ebenen der Großkultur und das Gebirgsland der Bewohnung und Gartenbepflanzung zugewiesen werden sollen, Veranlassung geben. In letzter Beziehung nimmt Ballod an, daß in den gebirgigen und hügeligen Gegenden Palästinas etwa die Hälfte der Bodenfläche, d. i. ungefähr eine Million Hektar für Gartenkulturen geeignet sind und daß dort je ein Hektar pro Familie zur Anlegung von Haus und Garten gebraucht werden kann. Niemand v/eiß, ob nicht vielleicht von den 20000 qkm Gebirgsländereien bloß ein geringer Bruchteil für Gartenkulturen sich eignet. Man wird vielleicht sicherer gehen, wenn man, anstatt mit einer Million Hektaren, mit bloß 15—20°/0 des Gebirgslandes, also mit 300—400000 ha rechnet. Man darf ja nicht vergessen, daß die K 0 s t e n der Anlage von Pflanzungen im Gebirge stets sehr hohe sein werden, auch wenn zum Sprengen der Felsen nach modernen Methoden Dynamit in ergiebiger Weise gebraucht werden wird. Hinsichtlich der Anlagekosten von Pflanzungen hat Ballod eine unmöglich niedere Ziffer angenommen. Selbst in den Ebenen kann man, gemäß der Erfahrung, mit weniger als 150 Fr. pro Dunam, d. i. mit etwa 1300Mark pro Hektar, keine Fruchtbaumpflanzungen (von Mandelbäumen usw.), wenn man die Auslagen bis zur Ertragsperiode ins Auge faßt, anlegen. Im Gebirge sind die Kosten unvergleichlich höher, vielleicht um das Drei- und Vierfache, schon allein wegen der Notwendigkeit des Terrassenbaues. In noch geringerem Maße treffen Ballods Angaben in bezug auf die Frage der Gebäude zu. Er will, indem er sich auf Herrn D. Trietsch beruft, ,,primitive Lehm- oder Steinhäuser" für 1 bis 1,2 Millionen Familien mit einem Aufwände von bloß je 1000 Mark pro Haus herstellen lassen. Nun weiß man, daß bis jetzt in Palästina nicht einmal für die bedürfnislosen Jemeniten es gelungen ist, einen so billigen Typus von Wohnungen auszuarbeiten. Wenn auch für ein zeitweiliges Unterkommen das Klima das Errichten von Zelten zuläßt, so kann andererseits die projektierte endgültige Ansiedlung von Hunderttausenden von Familien nicht mit der Herstellung von primitiven Hütten, die „für 20 Jahre reichen' S in Einklang gebracht werden. Und warum für die gesamte Bevölkerung die Errichtung von Wohnhäusern, für welche Ballod 1200 Millionen (1,2 Millionen x 1000 Mark) veranschlagt, in Aussicht stellen? Man würde schon Außerordentliches erreicht haben, wenn man dazu kommen würde, bloß für den Teil der Bevölkerung, der Landwirtschaft treiben wird, die für Baulichkeiten nötigen Gelder auf dem Wege etwaiger nationaler Anleihen aufbringen zu können. In bezug auf die übrige Bevölkerung würde man sich dann gewiß keine Sorgen wegen der Mittel für den Ausbau ihrer städtischen Häuser, die übrigens unvergleichlich mehr als tausend Mark pro Wohnhaus kosten werden, zu machen brauchen. Das Problem der Ansiedlung und die Frage des dafür in Betracht kommenden Kapitalbedarfes beruht bei Ballod überhaupt auf recht schwachen Unterlagen. Der

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