Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 1 (1916-1917)
- Issue
- Heft 5 (August 1916)
- Article
- Ein neues Besiedlungsschema für Palästina
- Date
- 1916-08-01
- Page
- 348 (sequence 3)
- Language
- German
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348 Daten und Materialien vollkommener Bewässerung versehen sein wird, und für das Ostjordanland ebensoviel an geeignetem Grund und Boden, aber mit einer Bewässerung, die „nur als Zuschußgabe für den Winterregen gedacht werden kann**. Die Möglichkeit einer auch auf dieses Ausmaß beschränkten Bewässerung im Ost jordangebiet ist zweifelhaft. Wo auf kleinen Strecken eine Irrigation sich dort wird ausführen lassen, wird dies gewiß in Zukunft geschehen, aber auch ohne daß die Zuschußgabe von Wasser sich auf bedeutende Strecken ausdehnen soll, wird das Haurangebiet Nahrungsmittel verschiedener Art in Quantitäten erzeugen können, die weit über alle gegenwärtigen Aussichten hinausgehen werden. Nachdem Ballod für Palästina an landwirtschaftlichen hochwertigen Ebenen und Tälern eine Fläche von mehr als 800000 ha feststellt, geht er zur Frage der möglichen landwirtschaftlichen Produktionshöhe über. Er kommt zu der Berechnung einer Gesamternte von Weizen in der Höhe von 1050000 Tonnen, die zur Ernährung von 6 Millionen Menschen mehr als ausreichend ist. Wir könnten uns, meine ich, auch schon mit der Hälfte dieses Ertrages als befriedigt erklären. Um zu diesem Ergebnis zu gelangen, nimmt Ballod an, daß, außer dem anbaufähigen Boden im Ost jordanlande, ein sehr großer Teil der bewässerbaren Strecke diesseits des Jordans, und zwar 150000 ha, mit Weizen bestellt sein wird, daß hier nach der Weizenernte noch eine zweite Ernte erzielt werden kann, und daß die Durchschnittserträge für Getreide, sowohl auf Böden mit vollständiger Bewässerung als auch im Hauran mit teilweiser Bewässerung bis zur Höhe von 30 Doppelzentner pro Hektar gebracht werden dürften. Nun würde für bewässerte Weizenkulturen sogar die Angabe von 40Doppelzentnern als Durchschnittsertrag pro Hektar als angemessen anzusehen sein, und auf unbewässerten Böden werden in vereinzelten Fällen, bei Anwendung rationeller Kulturmethoden, 30 Doppelzentner pro Hektar wohl geerntet werden, aber als Durchschnittsziffer ist diese letzte Zahl doch allzu hoch. Man würde, im Vergleich mit den jetzigen Ernten von 6— 7V2 Doppelzentnern pro Hektar, ja bereits einen außerordentlichen Fortschritt machen, wenn man sie auf 15 Doppelzentner auf unbewässerbaren Flächen im Durchschnitt bringen würde. In Zukunft werden in Palästina gewiß alle modernen technischen Hilfsmittel in Anwendung gebracht werden, wie Ballod es auch mit voller Zuversicht ausspricht, aber man wird wohl schon mit einem Ergebnis zufrieden sein, nach welchem die Weizenproduktion Palästinas im Laufe eines gewissen Zeitraumes auf 525000 Tonnen kommen wird (300000 ha X 1500 kg im Ost jordanlande und etwa 50000 ha X 1500 kg diesseits des Jordans, anstatt (200000 ha-f -150000 ha) x 3000 kg nach Ballod). Gehen wir nun zu anderen Produktionszweigen der Landwirtschaft über. Von äußerst hoher Wichtigkeit ist es, daß immer mehr die Rolle, die der Anbau der Luzerne für die wirtschaftliche Entwicklung Palästinas zu spielen berufen ist, anerkannt wird. Ballod räumt der Luzerne eine Kulturfläche von 200000 ha im Ostjordanlande ein. In anbetracht der großartigen Aussichten, die die Kultur von Luzerne für Palästina mit seinen dafür ausgezeichneten natürlichen Bedingungen bietet, ist weder die veranschlagte Fläche noch die von Ballod berechneten Erträge als zu stark anzusehen. Anstatt die Ernährung von 400000 Stück Rindvieh, mit einer jährlichen Produktion von 10 Tonnen pro Hektar Luzerneheu und einer Viehhaltung von zwei Viehköpfen pro Hektar, kann m. E. getrost für dieselbe Fläche eine Anzahl von 600000 Stück Rindvieh, mit Erträgen von 15 Tonnen pro Hektar Luzerneheu und mit drei Köpfen Großvieh pro Hektar gerechnet werden. Diesseits des Jordans dagegen wird wohl die Produktion von Futtermitteln eine beschränktere sein müssen, als nach Ballod, auch wenn die vortreffliche So j ab ohne, die er mit vollem Rechte warm empfiehlt, eine so großartige Ausdehnung erlangen wird, daß sie auf 200 000 ha kultiviert werden wird. Die Einführung der Sojabohne in die palästinensische Fruchtfolge ist an und für sich, von verschiedenen Gesichtspunkten aus, eine gebieterische Notwendigkeit, aber trotzdem wird der Anbau derselben auf 200000 ha in den westlichen Ebenen, wie es Ballod anrät, um auf diese Weise, zusammen mit anderen Futtermitteln, die Grundlage für eine sehr starke Fleischproduktion zu schaffen, kaum den klimatischen Bedingungen des Landes entsprechen. Die Erzeugung von beinahe 300000 Tonnen von tierischem Eiweiß mit Hilfe einer überspannten Kultur von Futtermitteln, bei den zu sehr gewagten Annahmen von zweimaligen Jahresernten und der Bewässerungsmöglichkeit der gesamten ebenen Strecken diesseits des Jordans, erscheint mir durch den Wunsch, zu einer der höchsten Normen (53 kg pro Kopf und Jahr) fleischlicher Nahrung zu gelangen, nicht genügend gerechtfertigt. In bezug auf die Fleischnahrung würde, bei den palästinensischen Verhältnissen, wo viel mehr pflanz-