Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 1 (1916-1917)
- Issue
- Heft 5 (August 1916)
- Article
- Ein neues Besiedlungsschema für Palästina
- Date
- 1916-08-01
- Page
- 347 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Daten und Materialien 347 der Erträge in höchstem Grade wertvoll wird, möge zur Ballodschen Bemerkung über das Klima Palästinas hinzugefügt werden. Er legt in seiner weiteren Beschreibung des Landes der Möglichkeit einer künstlichen Bewässerung sehr ausgedehnter Flächen eine große — vielleicht allzu große — Wichtigkeit bei. Er meint, daß in den Ebenen und Tälern des Westjordanlandes ein Areal von 400000 bis 435000 ha bewässerbar ist. Diese Zahl erscheint mir als zu hoch gegriffen. So z. B. fehlen die nötigen Vorstudien, um feststellen zu können, daß die Küstenebene in einer Ausdehnung von 250 000 ha mit Hilfe der vom Gebirge herabrieselnden Bäche und Flüsse bewässert werden kann. Andererseits wird die Möglichkeit der Bewässerung bedeutender Teile dieser Ebenen und Täler auf die heute geübte Weise, d.i. mit Hilfe, des erbohrten Wassers übersehen. Die Wassergewinnung mit Hilfe von Brunnen läßt sich in den Küstenebenen, wie die Erfahrung dort bereits gelehrt hat, viel häufiger und mit geringeren Kosten durchführen, als m3,n gewöhnlich annimmt. Das erbohrte Wasser, welches in verhältnismäßig geringer Tiefe sich da befindet, stammt aus demselben östlich gelegenen Gebirge, aus welchem Ballod es in die Ebene zu bringen vorschlägt. Indem das Gebirgswasser in den porösen Kalksteinboden eindringt und durch unterirdische Gänge in westlicher Richtung fortgeleitet wird, sammelt es sich im Untergrunde der Küstenebene zu bedeutenden Vorräten an, die zum Teile durch die bestehenden Brunnen bereits ausgenützt werden, zum Teile der Anwendung für Bewässerungszwecke noch harren. Zweifellos läßt sich diese Art der Bewässerung, die von Ballod unerwähnt geblieben ist, mit großem Vorteil auf einer Fläche von Tausenden von Hektaren anwenden, vielleicht auch auf Zehntausenden. Daß aber die ganze Küstenebene direkt durch künstliche Bewässerung aus dem Gebirge wird bewässert werden können, für diese Behauptung genügen die bisher gemachten Studien wohl kaum. Die von Ballod angegebene Fläche von 66000ha, die durch denFluß Audscha bewässert werden könnte, entspricht jedenfalls den bereits in dieser Beziehung angestellten Untersuchungen nicht, da das durch die Audscha bewässerbare Terrain bloß etwa 5000, höchstens 6000 ha ausmacht. Die Anlage von ^audämmen, um „keinen Tropfen Gebirgswasser ins Meer nutzlos fließen zu lassen**,?tfd sicherlich die bewässerbäre Fläche der Küstenebene, in Vergleich mit den heutigen sonstigen Annahmen, sehr bedeutend vergrößern. Trotzdem ist die Vermutung,- daß volle 250000 ha hier für die Bewässerung angepaßt werden können, eine Übertreibung. Aber auch schon etwa die Hälfte dieser Fläche oder auch nur sogar ein Viertel derselben, also bloß 60000 ha, wird, wenn sie mit Hilfe des erbohrten Wassers, der Audscha und der mit nicht unerschwinglich hohen Kosten herzustellenden Staudämme bewässert sein wird, eine der reichsten Gegenden der Welt, die die kostbarsten Früchte zu erzeugen imstande ist, darstellen. Die J es reeleb ene wird von Ballod in ihrer gesamten Ausdehnung von 30000 ha gleichfalls als bewässert gedacht. Man würde sich mit der Durchführung von Irrigationsarbeiten auf einem Areal von 10 000 ha vollauf begnügen können. Etwa ebensoviel müßte man für die übrigen Täler und für die ,,Küstenebene von Galiläa** (10000 ha anstatt 20000 ha) und für die Ebene am Hule-See (10000 ha anstatt 15000 ha) in Anrechnung bringen. Für das Jordantal dürfte die Annahme, daß da etwa eine Fläche von 60 000 ha für die Irrigation, und nicht 120000 ha, angepaßt werden kann, bereits die reichsten Perspektiven eröffnen. Auf diese Weise kämen wir zu der Ziffer von ungefähr 160000 ha — nicht aber zu 400 000 ha — die in Palästina für solche bewässerbaren hochwertigen Kulturen verwendet werden können, welche voll und ganz die palästinensische Sonne auszunützen imstande sind. Pflanzen, die unter anderen Breitegraden ebenso gut gedeihen können, werden in Palästina vor denjenigen zurückweichen müssen, welche hier ihren besten natürlichen und wirtschaftlichen Standort finden werden. Man wird nach wie vor in Palästina sicherlich Weizen anbauen, aber man wird für ihn nicht, wie Ballod voraussetzt, die besten bewässerbaren Grundstücke beibehalten können. Dies wird aber auch unnötig sein, da Palästina genug Weizenböden besitzt, die der Bewässerung unzugänglich bleiben, aber doch genügend Getreide produzieren werden, um eine recht starke Bevölkerung mit Brot versorgen zu können. Das Ostjordantal ist nämlich in dieser Beziehung und auch noch in einer anderen, vielleicht nicht minder wichtigen, verheißungsvoll. Ballod nimmt für den Hauran eine Fläche von 400 000 ha als anbaufähig an. Diese Ziffer ist als zu niedrig anzusehen. Er selbst sagt, daß man mit 400000 ha eher zu tief als zu hoch geht. Wenn wir von den 9000 —10000 qkm des Ostjordangebietes bloß zwei Drittel als anbaufähig ansehen, so werden wir kaum fehlgehen. Weniger als 500000 ha dürfen jedenfalls dort nicht gerechnet werden. Ballod rechnet diesseits des Jordans eine Fläche von etwa 400 000 ha heraus, die mit 24*