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Der Jude · 1916-08-01 · Heft 5 (August 1916) · p. 328

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Journal
Der Jude
Volume
1 (1916-1917)
Issue
Heft 5 (August 1916)
Article
Jüdische Volkslieder
Date
1916-08-01
Page
328 (sequence 3)
Language
German
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328 Arno Nadel: — Peninah, Peninah, Hannah ist schon im ersten Monat! — Jedoch noch nicht im dritten Monat! •— Peninah, Peninah, Hannah ist schon im dritten Monat! ■— Jedoch noch nicht im fünften Monat! — Peninah, Peninah, Hannah ist schon im fünften Monat! — Jedoch noch nicht im siebenten Monat! — Peninah, Peninah, Hannah ist schon im siebenten Monat! —• Jedoch noch nicht im neunten Monat! — Peninah, Peninah, Hannah ist schon im neunten Monat! — Doch hör ich noch immer kein Wehgeschrei! Glück auf, Glück auf einem jeden besonders: Hannah hat angefangen zu haben Kinder! —■ Peninah, Peninah, Hannah hat getan ein Kind haben, —• Und du hast schon getan zwei begraben! ■— Peninah, Peninah, Hannah hat schon getan zwei Kinder haben, — Und du hast schon getan vier Kinder begraben! — Peninah, Peninah, Hannah hat schon getan drei Kinder haben, — Und du hast schon getan sechs Kinder begraben! — Peninah, Peninah, Hannah hat schon getan vier Kinder haben. — Und du hast schon getan acht Kinder begraben! . .. — Hannah, Hannah, laß mir schon wachsen zwischen deinen .. . Pryluzki No. 65. — Hier ist eine vollkommene, großzügige Ballade. Kurz und sprunghaft, ohne Übergänge zwischen Rede und Widerrede, und sprunghaft-dramatisch im ganzen Aufbau. Alles ist höchst anschaulich gestaltet, im Räumlichen wie im Zeitlichen, — nur das Wichtigste ist gegeben, und Bild um Bild. Peninah geht mit ihren zehn Söhnen spazieren, während Hannah armselig zu Hause sitzt. In die Fenster ruft ihr die böse Peninah, ruft ihr die fröhliche festtägliche Luft hinein: Hannah, Hannah, wozu taugt dir deine Welt, bist du doch geglichen einem dürren Feld. Da geht Hannah in den Tempel und weint und „brummt", dann eilt sie wieder nach Hause und weint von neuem, bis ihr Mann, der sie trotz ihrer Unfruchtbarkeit anbetet, ihr tröstend zuspricht. Nun geht sie eines Tages wieder in den Tempel und weint im stillen und betet, man hört sie nicht, man sieht nur, wie ihre Lippen sich bewegen, —- da tritt der greise Hohepriester auf sie zu und fährt sie hart an: Was will hier die Betrunkene? — Ach nicht betrunken bin ich von Met und Wein, Von Leiden nur und großer Pein — schluchzt sie zur Entschuldigung. Was soll noch der Sänger von der Wirkung dieser Antwort erzählen? — Er beginnt vielmehr im Triumph mit der zweiten Strophe: Peninah, Peninah, Hannah ist schon im ersten Monat! — Nur zu, antwortet ihm Peninah, du weißt nicht, was das bedeutet, ein Kind haben, ein Kind austragen. Gott will sie nur um so sicherer treffen. — Hei, Peninah, ruft man ihr zu: Hannah ist schon im neunten Monat! Doch Peninah, die ihre Einzigkeit zu verlieren fürchtet, betet zu ihrem Vater im Himmel, er möchte das Ungeheuerliche noch in letzter Stunde vereiteln: ich höre noch nicht

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