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Der Jude · 1916-08-01 · Heft 5 (August 1916) · p. 317

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Journal
Der Jude
Volume
1 (1916-1917)
Issue
Heft 5 (August 1916)
Article
Einige Worte über Hermann Cohen
Date
1916-08-01
Page
317 (sequence 2)
Language
German
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Einige Worte über Hermann Cohen 317 bloß mit Symbolen von solchen steht der menschliche Geist in Kontakt. Ebenso wie ein Mensch, der seinen Schatten betrachtet, nichts Wesentliches und Substantiellesvor sich hat, sondern bloß der Projektion seiner eigenen Gestalt gegenübersteht) ebenso hat es der Geist, wenn er sich vor den Gegenständen seines Erkennens befindet, nur mit den Projektionen seiner eigenen Struktur zu tun. Der menschliche Leib schneidet aus der wirklichen Welt Schatten, der menschliche Geist sogenannte Gegenstände des Erkennens heraus. So hat Cohen den gesunden Dualismus eines Kant sozusagen verbessert. Diese rein philosophische Angelegenheit ginge uns hier nicht weiter an, wenn, sie nicht in engem Zusammenhange mit den Cohenschen Betrachtungen über das Judentum stünde und für das Wesen des philosophischen Interpreten einer gewissen Schicht der westlichen Judenheit von symptomatischer Bedeutung wäre. Konnte eine entwurzelte Gruppe, wie die westliche Judenheit deutscher Prägung eine ist, sich einen geeigneteren philosophischen Repräsentanten wünschen? Ist es nicht der richtige Mann am richtigen Platz, der eigens dazu geschaffen scheint, die Entwurzelung zu sanktionieren und zu einem philosophischen Prinzip zu erheben? Konnte eine Gemeinschaft, die ihren Bestand auf der Vergangenheit entnommene Symbole gründet und an diesen ihr Genüge findet, sich eine passendere gedankliche Übertünchung, als die philosophischen Konstruktionen eines Cohen wählen, die nicht unmittelbar mit den Dingen, sondern bloß mit deren Symbolen zu tun haben wollen? Statt einer Welt von konkreten Gegenständen eine solche von lauter Beziehungs-. punkten — ist es nicht der Denkweise einer Vermittlerklasse genau angepaßt? So. ist die Philosophie eines Mannes beschaffen, dem es beschieden war, als geistiger Repräsentant des bedeutendsten Teiles der westlichen Judenheit zu dienen. Und dieser seiner geschichtlichen Aufgabe zeigte er sich vollkommen gewachsen. Denn man muß gestehen — den stillschweigenden Auftrag, den ihm diese westliche Judenheit deutscher Observanz gegeben hat, erfüllte er mit glänzendem Geschick. Er hat das Judentum nach dem Geschmacke eines Volksteiles zugeschnitten, dessen nationale Wurzeln zu verdorren beginnen. Wie er in seiner Erkenntnistheorie den konkreten Dingen die Seele genommen, um sie zu abstrakten Beziehungspunkten zu verdünnen, so hat er den in der Geschichte wirkenden lebendigen Geist des Judentums entseelt und entpersönlicht, um es zu anämischen Symbolen zu verflüchtigen. Wie er das menschliche Erkennen von dem Boden all des unmittelbar Gegebenen loszureißen suchte, von dem allein es seine ständige Nahrung zu ziehen vermag, so zeigte er sich bestrebt, auch das Judentum von allen den historischen Gegebenheiten möglichst abzuschneiden, in denen allein es sich auswirken kann und die mit ihm in einem unlöslichen Zusammenhange stehen. Was das Judentum in so prägnanter Weise kennzeichnet — die hohe, faßt ausschließliche Bedeutung, die der jüdischen Nation als der konkreten Trägerin von kulturellen Werten beigemessen wird, das wird aus seinem Programm vollständig ausgemerzt und durch einen abstrakten Ethizismus ersetzt, der für alle Welt in gleicher Weise paßt und keinen zu etwas verpflichtet. Den Lebensnerv der nationalen jüdischen Kultur bildet der uns aus der Bibel und teilweise aus dem Talmud und den Midraschim so gut bekannte jüdische Mythos, die ergreifende Geschichte jenes gewaltigen Ringens einer ganzen Nation um ihren G°tt, den sie gesucht und gefunden, gefunden und verloren, verloren und wiedergefunden — so daß sie darüber ihr politisches Leben fast gänzlich vernachlässigte, s sie praktischeren und derberen Völkern zum Opfer fallen mußte. Aus den erhabenen

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