Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 1 (1916-1917)
- Issue
- Heft 5 (August 1916)
- Article
- Ein Maximalprogramm der jüdischen Kolonisation in Palästina
- Date
- 1916-08-01
- Page
- 306 (sequence 6)
- Language
- German
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306 Davis Trietsch: flügelzucht usw. Hektarerträge liefern, die bei rationeller Wirtschaft und unter entsprechender Anleitung (an der es bei so großzügigen Unternehmungen am allerwenigsten wird fehlen müssen) kaum tiefer als ioooMark per Hektar zu sinken brauchen, während die Höchstbeträge bis auf ein Vielfaches dieser Ziffer steigen. Damit ist sowohl für Ackerbau und Viehwirtschaft, wie auch für Gemüse- und Baumkulturen die hohe Rentabilität intensiver Wirtschaftsformen auf kleinsten Flächen erwiesen, womit wieder durch die Ausschaltung allzu großer Gegensätze im Ausmaß des Landbesitzes ein weiterer wichtiger Schritt gerade für unsere Kolonisation gegeben wäre. Es fragt sich nun, wie groß eine neue Kolonisationsbewegung Ballodschen Stiles sein müßte, um nicht durch zu starke Verkleinerung der Vorteile dieser summarischen Arbeitsweise verlustig zu gehen, während es andererseits klar ist, daß man nicht von vornherein und ohne Übergang mit dem von Ballod als in kürzerer Zeit möglich bezeichneten Ausmaß beginnen kann. Hierbei ist zunächst einmal klar, daß unter ähnlichen Voraussetzungen, wie Prof. Ballod sie aufstellt, der Landkauf sich vorerst in sehr viel kleineren Grenzen wird bewegen können. Auch die künstliche Bewässerung ist nicht davon abhängig, daß sie sich gleich über das ganze Land erstrecken müßte. Zwar werden gewisse zentrale Einrichtungen im allgemeinen ökonomischer arbeiten, wenn sie sich auf ein größeres Objekt erstrecken, aber dafür hat man bei einem anfänglich kleineren Ausmaß die Möglichkeit der Wahl besser geeigneter Gebiete, so daß man in den vorteilhafteren Landstrecken billiger wird arbeiten können, als in der Gesamtfläche, bei der auch viele minder günstige Lagen zu berücksichtigen sind. Ich kann mir vorstellen (oder darf wohl sagen, daß ich ganz bestimmte Vorstellungen darüber habe), daß Landkauf und Bewässerung einschließlich der ebenfalls von Ballod herangezogenen Elektrizitätswerke, Bauten und Inventarbeschaffung in bestimmten Landesteilen weit hinter den von Ballod berechneten Durchschnittskosten zurückbleiben werden. Bei einer guten Betrachtung der einzelnen Landesteile Palästinas und ihrer besonderen Verhältnisse für die Zwecke jüdischer Kolonisation glaube ich sagen zu dürfen — ohne mich dabei von Prof. Ballods eigenen Gedanken hierüber wesentlich zu entfernen —, daß man ohne weiteres das Ballodsche Maximalprogramm für Zwecke des Anfangs auf ein Zehntel und selbst auf ein Hundertstel seines Ausmaßes wird reduzieren dürfen, ohne an den Grundlagen des Planes zu rühren. Von allen Einzelposten, aus denen sich das Dreieinhalb-Milliarden-Budget zusammensetzt, kann ich nur in der Verwaltung und etwa in der Beschaffung der Maschinen einheitlichen Typs solche erkennen, bei denen der viel kleinere Maßstab wesentlichere Erhöhungen der Kosten zur Folge haben dürfte. In der Leitung des Unternehmens kann man auf die allerbesten Kräfte nicht verzichten, gleichviel, ob es sich um die Ansiedlung von sechs Millionen, oder von sechshunderttausend oder auch „nur" von sechzigtausend handeln sollte. Aber das betrifft doch nur die oberste Leitung. In den Kosten für die Einzelfachleute, die bei einem solchen Werke zu Hunderten angestellt — und vielleicht erst ausgebildet werden müßten — ändert sich dabei wenig, und wenn es sich wieder um eine verhältnismäßig kleine Zahl bestbezahlter Kräfte handelt, so reicht die mögliche Differenz an keine Ziffer heran, die den Gesamtbetrag auch bei kleinerem Umfang