Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 1 (1916-1917)
- Issue
- Heft 5 (August 1916)
- Article
- Ein Maximalprogramm der jüdischen Kolonisation in Palästina
- Date
- 1916-08-01
- Page
- 307 (sequence 7)
- Language
- German
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Ein Maximalprogramm der jüdischen Kolonisation in Palästina 307 tangieren kann. Die mehr oder minder gute Ausnützung eines Gehälteretats etwa von zwischen 100000 und 500000 Mark spielt in einem Gesamtbudget weder von dreieinhalb Milliarden noch auch selbst von 35 Millionen eine irgendwie ausschlaggebende Rolle. Dabei aber ist es für die Weiterentwicklung der Sache von der allergrößten Wichtigkeit, von Anfang an die besten vorhandenen Kräfte zur Verfügung gehabt zu haben. Was die maschinellen Anlagen betrifft, so kann es sich in der Frage der Ersparnis (wie oben erwähnt) in der Hauptsache nur um diejenigen Maschinen usw. handeln, die gleichmäßig in großer Zahl zur Verwendung kommen. Dieser Posten bleibt in der Ballodschen Aufstellung aber weit innerhalb des von ihm angegebenen Gesamtpostens von 120 Millionen Mark*) oder eines ungefähren Dreißigstel seiner Gesamtsumme. Sollte dieser Teil eines Dreißigstels, um den es sich hier handelt, bei kleinerem Ausmaß des Gesamtunternehmens sich verdoppeln oder verdreifacheni so haben wir wiederum keine solche Fehlerquelle, durch die möglicherweise das ganze Gebäude in Frage gestellt werden könnte. Andererseits wird bei dem größten in Frage kommenden Einzelposten, nämlich dem des Hausbaues über die bei der Aufführung von 10000 Einzelhäusern (ein Hundertstel des Ballodschen Programms) hinausgehende mögliche Ökonomie kaum noch Wesentliches zu erreichen sein, während bei jeder innerhalb des Ballodschen Gedankens der Großwirtschaft bleibenden Verkleinerung seines Planes die bereits angedeuteten Vorteile bestehen bleiben, daß die ersten Teile des Gesamtwerkes durch Auswahl der vorteilhafteren Landgebiete in vielfacher Beziehung billiger werden arbeiten können, als innerhalb des Gesamtplanes mit seinem großen Durchschnitt mehr oder minder günstigerer Gebiete und Verhältnisse. Es kommt noch hinzu — und auch das braucht nicht verschwiegen zu werden —, daß ja nicht nur das Land Verschiedenheiten aufweist, sondern auch das Einwanderungselement. Von allem anderen abgesehen, brauchen wir nur daran zu denken, daß es Leute gibt, deren Geistesrichtung und Veranlagung die „neue Arbeit" mehr liegt als die in den ausgefahrenen Gleisen, und daß andere wieder nur in einer fertigen Umgebung zur Freude an der Arbeit oder auch nur zu einer annehmbaren Leistung gelangen. Es ist dies ein Unterschied, den einer der besten Kenner amerikanischer Kolonisationsverhältnisse mit dem westlichen" und „östlichen" Temperament bezeichnet hat. Dabei ist in seinem Fall das westliche Temperament dasjenige des Tatendrangs und der Unternehmungslust, während das östliche die ausgefahrenen Gleise vorzieht. In unserem Falle ist die Himmelsrichtung eine umgekehrte. Aber wir dürfen hoffen, daß uns ein östliches Temperament — das Volkselement mit dem Drang der Betätigung zur Schaffung neuer Lebensverhältnisse und Möglichkeiten für die gesamte Judenheit — nicht fehlen wird, und es ist ein großer und unerwarteter Gewinn für uns, daß Prof. Ballod mit seiner weltwirtschaftlichen Betrachtungsweise unserer bisher in den eigenen Reihen so zaghaft behandelten Frage dem Optimismus, von dem allein wir etwas zu erwarten haben, e*n neues Höchstziel gewiesen hat, von dem wir uns nicht wieder abwenden lassen wollen. Berlin Davis Trietsch *) Für Elektrizitätswerke, Leitungen und elektrische Pflüge usw.