Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 1 (1916-1917)
- Issue
- Heft 5 (August 1916)
- Article
- Ein Maximalprogramm der jüdischen Kolonisation in Palästina
- Date
- 1916-08-01
- Page
- 305 (sequence 5)
- Language
- German
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Ein Maximalprogramm der jüdischen Kolonisation in Palästina 305 oder dergleichen) einen Erwerb zu verschaffen. Für eine kleinere Anzahl wird sich ja auch der Modus ergeben, daß sie im Auftrage der Organisation dort in der Vorbereitungsarbeit, bei der Überwachung usw. sich betätigen können. Auf alle Fälle ist hier ein Weg gezeigt, wie auch Leute, die nur über geringere Mittel verfügen, oder die die Kosten ihrer Installierung nur in über eine längere Zeit verteilten Zahlungen aufbringen können, sich ihre künftige Existenz vorbereiten können, derart, daß sie bei der Übersiedlung bereits ertragsfähige Wirtschaften vorfinden, so daß sie ohne ein verlustreiches Übergangsstadium aus einer fertigen Existenz in die andere übergehen können. Bei dieser Art des Vorgehens ist auch die Möglichkeit gegeben, ein zahlreiches mittelloses Element bei den Vorarbeiten zu beschäftigen, und damit gleichzeitig auch für die spätere Zeit denjenigen Kolonisten, die sich selbst zu einer landwirtschaftlichen Arbeit auch so leichten Charakters, wie es die bei der Baumzucht usw. ist, nicht eignen oder bereit finden, ein Arbeiterelement zu sichern, das diese Arbeiten gern in Lohn übernehmen wird. Dabei ist von besonderer Wichtigkeit, daß diese Form der Kolonisation dem arbeitenden Element Aussichten bietet, wie kaum eine andere. Gerade im Falle der intensiven Wirtschaft in Palästina handelt es sich zumeist um die Inwertsetzung von Böden, die vorher ungenutzt geblieben waren, Durch rationelle Kultur können gerade diese (wie die Erfahrungen der bisherigen Kolonisation gezeigt haben) in besonders hohen Wert gebracht werden. Der ursprüngliche Bodenpreis tritt hierbei hinter dem Wert der Arbeit und der durch diese erfolgenden Wertsteigerung auch der umliegenden Böden weitaus zurück, so daß der kolonisierende Faktor imstande ist, den bei der Vorbereitung beschäftigten Arbeitern die Möglichkeit einer selbständigen Ansiedlung zu bieten, bei der sie auf ihren kleinen Parzellen genügend Zeit verfügbar behalten, um auch das weitere Arbeitsbedürfnis der Kolonie mehr oder weniger decken zu können. In Kalifornien und anderen Gebieten der Vereinigten Staaten hat diese Form der Kolonisation zu außerordentlich günstigen Resultaten geführt. In Palästina sind erst die Anfänge dieser Bewegung in die Erscheinung getreten. Immerhin aber stehen schon jetzt einige Dinge fest. Das für die Ansiedlung erforderliche Kapital ist bei keiner anderen Form von Kolonisation so niedrig angesetzt gewesen wie hierbei (die amerikanischen „Achusa'-Gesellschaften forderten von ihren Mitgliedern einen Beitrag von 1400 Dollar oder 5600 Mark, deren Einzahlung über eine Reihe von Jahren zu verteilen war), und die Leitung der Vorarbeiten und ihre Durchführung erfolgte ebenfalls in größerem Zuge als bei irgendwelchen früheren Fällen, obwohl das System der „Achusa" auch in Palästina nicht ohne Vorläufer gewesen war. Außerdem ist es von größter Wichtigkeit, daß man hierbei von der in unserem Falle so irrigen Idee der großen Flächen sich losgesagt hat, und daß die „Achusa "-Bewegung immer mehr die Tendenz zur Verkleinerung der Flächen und Intensivierung des Betriebes zeigt. Betrachten wir weiter die Erträge intensiver Landwirtschaft, so hat bereits für Ackerbau und Viehwirtschaft Prof. Ballod dargetan, wie im modernen Großbetrieb von einem Hektar ungefähr der Nahrungsmittelbedarf von acht Köpfen gedeckt werden kann. Nehmen wir die Erträge der von Ballod in Aussicht genommenen Einzelparzellen hinzu, die ja zum größten Teil der Überschuß- Wirtschaft dienen sollen, so liegt es hier so, daß Baumzucht, Gemüsebau und Ge-