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Der Jude · 1916-08-01 · Heft 5 (August 1916) · p. 304

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Journal
Der Jude
Volume
1 (1916-1917)
Issue
Heft 5 (August 1916)
Article
Ein Maximalprogramm der jüdischen Kolonisation in Palästina
Date
1916-08-01
Page
304 (sequence 4)
Language
German
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304 Davis Trietsch: es, daß die Begründung der meisten Kolonien ohne Zusammenhang mit den städtischen Judengemeinden erfolgte, auf die sie sich hätten stützen können, und wenn man gehofft hatte, dadurch dem herkömmlichen Zug der Juden in. die Städte zu steuern, so war das Resultat doch oft genug, daß die Kolonisten eher den Zusammenhang mit den Kolonien lösten und ganz in die Städte abwanderten, zum Teil sogar Palästina überhaupt wieder verließen. Jüdische Kolonien in einem fremden Lande — und ein solches ist ja Palästina für diese Einwanderer in jedem praktischen Sinne — brauchen ein gewisses Mindestmaß, das nicht zu klein gefaßt werden sollte, wenn dem jüdischen Bedürfnis nach Zusammenleben und gut ausgebauten gemeindlichen Einrichtungen Genüge geleistet werden soll, ohne daß dadurch der Einzelne eine zu große finanzielle Belastung erfährt. Einer verhältnismäßig kleinen Zahl von Kolonisten konnte es von vornherein nicht möglich sein, in mehr oder weniger vereinzelter Wohnweise oder in kleinen Gruppen größere Landflächen zu bearbeiten. Eine Kolonistenwirtschaft unter Zuhilfenahme einer vielfach größeren Zahl arabischer Arbeitskräfte konnte ebenfalls zu keiner gesunden Ansiedlungstätigkeit führen, und die Beschäftigung jüdischer Arbeiter war in weitaus der größten Zeitspanne der bisherigen Tätigkeit in Palästina nicht nur deshalb unmöglich, weil kein jüdisches Arbeiterelement verfügbar war, sondern auch, weil es eine unmögliche Sache gewesen wäre, unter Kolonisten, die fast alle auf fremde Gelder angewiesen waren, einen Unterschied zwischen eigentlichen Kolonisten und Arbeitern zu machen. Als dann etwa im Jahre 1905 auch eine jüdische Arbeiterschaft ihren Einzug zu halten begann, fehlte es in den Kolonien nicht nur an einer so weit gegliederten Wirtschaft, daß der jüdische Arbeiter das ganze Jahr hindurch dort hätte Beschäftigung finden können, sondern es fehlte auch vor allem an irgendwie ausreichender Unterkunftsmöglichkeit, und so ist denn die Beschäftigung jüdischer Arbeiter in den Kolonien bisher ziemlich minimal geblieben. Es sind verschiedene Versuche gemacht worden, um diesen und anderen Übelständen zu steuern. Als der bedeutungsvollste wird wohl das System der „Achusa" bezeichnet werden dürfen, das den Schwierigkeiten der Übersiedlung, der Geldbeschaffung und der Vorbereitung ebenso zu begegnen sucht, wie den Schwierigkeiten der Arbeiterfrage. Die „Achusa" lehnt sich an die Erfahrungen der kalifornischen Kolonisation und anderer amerikanischer Vorbilder an, wo es sich, ähnlich wie bei uns, in der Hauptsache darum handelt, städtische Elemente zur Landwirtschaft und zwar fast ausschließlich zum Gartenbau überzuführen. Um jeder Plötzlichkeit des Vorgehens ihre Schäden zu nehmen, sieht dieses System den folgenden Weg vor: Die Interessenten werden in Gruppen zusammengefaßt, die im Laufe einer Reihe von Jahren Einzahlungen leisten, mittelst deren gleich zu Anfang Ländereien gekauft werden, die weiterhin im Laufe einer Anzahl von Jahren unter einer Art von Verwaltung durch Arbeiter bepflanzt und bis zum Ertrage gebracht werden. Bis zu diesem Zeitpunkt steht es den Mitgliedern der Organisation frei, zuhause zu bleiben, ihren Geschäften nachzugehen oder diese allmählich abzuwickeln, oder aber auch während des Vorbereitungsstadiums zn übersiedeln und in irgend einer Weise bereits am neuen Wohnsitz sich einzurichten, wobei sie entweder vom eigenen Gelde leben oder einen Weg finden werden, sich vor dem Ertrage der Baumpflanzungen (etwa durch Gemüsebau, Geflügelzucht

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