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Der Jude · 1920-01-01 · Heft 7 · p. 427

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Journal
Der Jude
Volume
5 (1920-1921)
Issue
Heft 7
Article
Jüdische Volkswirtschaft im Westen
Date
1920-01-01
Page
427 (sequence 3)
Language
German
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Umschau: Jüdische Volkswirtschaft im Westen 427 Betrachtung und dem Jahre 1844, in dem die Schrift abgefaßt ist, zugute halten. Wir bedürfen aber heute einer Auseinandersetzung mit dem Judentum als ökonomischer Erscheinung, die den Zusammenhang zwischen Politik und Ökonomie im ganzen Judentum erkennen läßt und dartut, daß die Politik des Judentums zwar den ökonomischen Tatsachen nachhinkt, daß aber die Politik, die mit dem Judentum getrieben wird, diese ökonomische Situation erst künstlich schafft. So kann uns Marxens Schrift Ausgangspunkt für eine Auseinandersetzung mit dem Phänomen der jüdischen Wirtschaft werden. Wir dürfen es uns allerdings nicht so leicht machen wie er, indem wir dozieren: der Geist der jüdischen Volkswirtschaft ist der Geist der jüdischen Religion, ist der Egoismus. Das gilt formal so wenig wie inhaltlich. Selbst wenn es gelänge, irgendeinen -ismus als „Geist" der jüdischen Religion zu unterstellen, so würde seine Zerstörung kaum die Zerstörung der jüdischen Wirtschaft, die Assimilation der wirtschaftlichen Struktur bedingen. Die Juden haben mehr Festigkeit und Stoßkraft als die wirtschaftspolitischen Operationen, die an ihnen vorgenommen werden. Marx selbst müßte heute sehen, daß der Sozialismus vorläufig vielleicht manche Ausdrucksformen des Schachers, ihn selbst aber, seinen psychologischen Gehalt, nicht zu verändern vermocht hat. Aber was heißt „jüdische Wirtschaft"; und „jüdische Wirtschaft im Westen?" Es sollte treffender „Wirtschaft der Westjuden" heißen, der geographische Unterschied besagt weniger als der kulturelle. Haben wir das Speziflkum jüdischer Wirtschaft erfaßt, indem wir das Volksvermögen, die Bevölkerungsbewegung, die Berufsverteilung betrachten? Oder dürfen wir uns darauf einlassen, eine spezifische Form des Wirtschaftens als jüdisch zu bezeichnen, komme sie bei wem immer vor, wie es Marx („Nun erst konnte das Judentum zur allgemeinen Herrschaft gelangen und den entäußerten Menschen, die entäußerte Natur zu veräußerlichen, verkäuflichen, der Knechtschaft des egoistischen Bedürfnisses, dem Schacher anheim gefallenen Gegenständen machen") und nach ihm S o m b a r t (Puritanismus - Judaismus - Befähigung zum Unternehmer, Händler, Journalisten) getan hat? Ich meine doch, daß hier eine etwas willkürliche Ausweitung am Begriffe des Judentums vorgenommen wurde. Die Kausalität Geist des Judentums -— Kapitalismus ist theoretisch bestechend, praktisch unbeweisbar. Wer heute über den Geist des Judentums, will sagen über die trivialen Auswirkungen dieses Geistes etwas sagen will, ist nicht berechtigt, an dem sozialen Auftrieb vorbeizugehen, der sich vielfach in offenem Widerspruch mit dem Geldsackinteresse befindet. Vielleicht wird ein Überkluger nach Sombart in ihm nur ein Symptom des Vorsprunges, den der jüdische Intellekt vor dem der anderen Völker hat, sehen wollen, ein Symptom einer antizipierten Einstellung auf soziale Verhältnisse, in denen die horizontale Gliederung der Gesellschaft nicht mehr nach dem Census, sondern nach der erreichten Stufe in der Beamtenlaufbahn erfolgt. Wir lehnen diese wie andere teleologische Spekulationen über den „Geist" der jüdischen Volkswirtschaft ab, solange sich niemand der Mühe unterzogen hat, den ökonomischen Status des jüdischen Volkes und die Tendenz seiner Entwicklung, nicht als Produkt eines schier unmeßbar gewaltigen Eigenwillens, sondern als Produkt der Ökonomischen Reaktion auf politische Zustände zu erklären. Es bleibt auch dann noch genug Unerklärliches übrig, das man als Äußerung einer jüdischen Volkspsyche ansprechen und auf Urkräfte zurückführen muß. Aber die jüdische Wirtschaft statt a!s Ökonomisches als dämonisches Phänomen anzusehen, verträgt die eklatante Ohnmacht des Judentums der Gegenwart nicht mehr. Die Aufgabe — Ermittlung des ökonomischen Status des Judentums und seiner Entwicklungstendenz — wäre also gegeben. Die Methoden ihrer Lösung fehlen. Sozialpsychologische Statistik ist ein unerfüllbarer Wunsch. Davon abgesehen hat die statistische Methode Fehlerquellen, die ihre Brauchbarkeit! sehr einschränken. Insbesondere die Entstehung von Vermögen, die Wanderungen von Sippen und der soziale Aufstieg von Familien, Erscheinungen, die bald vereinigt, bald getrennt die ökonomische Entwicklung des Westjudentums ausmachen -raber durchaus nicht die ihm eigentümliche — eignen sich nicht zur Massenbeobachtung, sondern eher zur Biographie. Diese aber hat keine Ursache, sich mit den Erfolglosen zu beschäftigen und besagt daher für das Schicksal der Masse nichts. Es bedarf der Konstatierung vieler Symptome für die ökonomischen Zustände und Bewegungen im Judentume, ehe wir uns ein allgemeines Bild von der Lage des westlichen Judentums machen können; und einer Koinzidenz von vielen Symptomen in einer Gruppe, ehe wir über ihren Charakter etwas aussagen dürfen. Als Charakteristika können in der Gegenwart gelten: 1. Die Wirtschaftsfunktionen des Judentums in den einzelnen Wirtschaftszweigen und ihre regionalen Diiferenzen. 2. Die Vergleichung der Vor- und Nachkriegsverhältnisse. 3. Die Wirtschaftspolitik der Staaten in be-

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