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Der Jude · 1920-01-01 · Heft 7 · p. 426

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Journal
Der Jude
Volume
5 (1920-1921)
Issue
Heft 7
Article
Jüdische Volkswirtschaft im Westen
Date
1920-01-01
Page
426 (sequence 2)
Language
German
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426 Umschau: Jüdische Volkswirtschaft im Westen das Judentum in der christlichen Gesellschaft selbst, sich gehalten und sogar seine höchste Ausbildung erhalten hat." „Der Gott der Juden hat sich verweltlicht, er ist zum Weltgott geworden. — Sobald es der Gesellschaft gelingt, das empirische Wesen des Judentums, den Schacher und seine Voraussetzungen aufzuheben, ist der Jude unmöglich geworden. — Die gesellschaftliche Emanzipation des Juden ist die Emanzipation der Gesellschaft vom Judentum." In der Tat, ebenso einfach wie scharfsinnig. Der Sabbat hjude besagt nichts, man darf nur den Werktagsjuden gelten lassen. Dessen Religion ist der nackte Egoismus. Emanzipation des Judentums Abschaffung des Egoismus, Schachers, kurz des Privateigentums Emanzipation der Gesellschaft vom Privateigenfum. Das Judentum hat also gar keine spezifische Frage, seine Frage ist die der Gesellschaft, der Menschheit. Hier muß man fragen: Was hat Marx vom Judentum gekannt, was als jüdisch anerkannt? Konnte er wirklich „nicht nur im Pentateuch und im Talmud, in der jetzigen Gesellschaft das Wesen des heutigen Juden, nicht als ein abstraktes, sondern als ein höchst empirisches Wesen, nicht nur als Beschränktheit des Juden, als die jüdische Beschränktheit der Gesellschaft" finden? Apologetik für Pentateuch und Talmud zu "treiben, erschiene lächerlich. Hier haben nicht die Tatsachen den Menschen überzeugt, sondern der Mensch die Tatsachen erzeugt. Hier ist die persönliche Einstellung zur Vätergeneration und ihrem geistigen Inhalt, die Beobachtung des Umkreises, der jüdisch war, der Wille, mit alldem zu brechen und die Rechtfertigung dieses Bruches mit einem dialektischen Salto mortale zum Wesen des Judentums, ja zum verabscheuungswürdigen Wesen der Menschheit, das sie überwinden muß, geworden. Die Stoßkraft dieser psychischen Energie, das Blickfeld dieses Auges, das sein Ziel bereits vorerfaßt hat, verändern zu wollen, wäre vergeblich. Wir können Marx als objektiven Beurteiler des Judentums verurteilen, indem wir ihm Unkenntnis und Mißdeutung zuschreiben; der Typus Marx und sein Urteil über das Judentum ist unantastbar wahr, ist Realität, am tausendfach blutenden Körper des jüdischen Volkes erfahrene Realität. So gewiß es ist, daß die Lösung der Judenfrage nicht allein in der Aufhebung des Privateigentums erblickt werden kann, so klar es ist, daß die Verwirklichung des Sozialismus das Judentum ebensowenig wie andere Blutsgemeinschaften nivelliert, so richtig bleibt doch der ökonomische Gehalt der Judenfrage von Marx erkannt und gewürdigt. Abstrahieren wir vom religionsphilosophischen Gehalt, so bleibt die ökonomische Wirklichkeit, deren unübertrefflicher Darsteller er auch hier ist. Klären wir zuerst im Sinne Marxens den Unterschied zwischen dem homo oeconomicus und dem polites, zwischen bourgeois und citoyen. So wird uns offenbar, daß zwischen beiden ein qualitativer Unterschied besteht, der in der gegenwärtigen Gesellschaftsordnung in einen Unterschied der zeitlichen Entwicklung verwandelt ist. Die politischen Errungenschaften hinken den ökonomischen Tatsachen nach. Die politische Emanzipation verbannt die Hörigkeit aus dem öffentlichen in das private Recht, der Geist des ancien regime wird der Geist der bürgerlichen Gesellschaft. Die droits de l'homme sind nicht die droits du citoyen. Der Mensch schlechthin, das ist der bürgerliche Mensch. Seine Freiheit ist „das Recht, alles zu tun und zu treiben, was keinem anderen schadet. Die Grenze, in welcher sich jeder dem anderen unschädlich bewegen kann, ist durch das Gesetz bestimmt, wie die Grenze zweier Felder durch den Zaunpfahl bestimmt ist. Es handelt sich um die Freiheit des Menschen als isolierter, auf sich zurückgezogener Monade. Warum ist der Jude nach Bauer unfähig, die Menschenrechte zu empfangen? ,Solange er Jude ist, muß über das menschliche Wesen, welches ihn als Menschen mit Menschen verbinden sollte, das beschränkte Wesen, das ihn zum Juden macht, den Sieg davon tragen und ihn von dem Nichtjuden absondern.' Aber das Menschenrecht der Freiheit basiert nicht auf der Verbindung des Menschen mit dem Menschen, sondern vielmehr auf der Absonderung des Menschen von dem Menschen. Es ist das Recht dieser Absonderung, das Recht des beschränkten, auf sich beschränkten Inviduums." Dieses Recht braucht der Jude nicht. Er hat es; er verwirklicht es mit allen seinen Handlungen in der bürgerlichen Gesellschaft. Der citoyen ist die Fassade des homme. L'homme hat seine reinste Vertretung im Judentum gefunden. Diese Argumentation wäre richtig, wenn es keinen sozialen Antagonismus gebe. Marx stellt in völliger Verkennung der tatsächlichen Situation die Lage der Juden so dar, als seien die Rechte des citoyen für das Gedeihen des homme völlig gleichgültig, als bestünde eine jüdische Herrschaft, ein jüdischer Einfluß auf das politische Geschehen in der Welt zu Recht und sei ein Charakteristikum des Judentums, nicht eine numerisch gänzlich belanglose Spitzenerscheinung. Er behauptet das nicht geradezu, aber er führt nur die positive ökonomische Seite des Judentums vor und erwähnt mit keinem Worte die Kehrseite, das Schicksal der jüdischen Masse. Wir dürfen das seiner auf das Westjudentum abgestellten

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