Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 5 (1920-1921)
- Issue
- Heft 7
- Article
- Jüdische Volkswirtschaft im Westen
- Date
- 1920-01-01
- Page
- 428 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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428 Umschau: Jiddische Literatur in Amerika zug auf die „jüdischen* * Erwerbszweige» Deren Folge: die Verteilung der Juden auf die politischen Parteien. 4. Die Wanderungen. 5. Die innerjüdische Wirtschaftspolitik der Gemeinden und Organisationen als Symptome jüdischen Wirtschaftsgeistes, 6. Die reformatorischen und revolutionären . Bestrebungen im Judentum zur Veränderung seiner ökonomischen und politischen Lage; deren Realitätsgehalt. Nur einige der aufgestellten Erscheinungen, (1, 2, 5, 6) bedürfen einer Registrierung an diesem Orte» Für die übrigen liegen Vorarbeiten vor, deren Anwendung sich aus der Vereinigung aller Symptome zu einem Situationsbild unschwer ergibt. Efwin Kohn JIDDISCHE LITERATUR IN AMERIKA Einleitende Übersicht Die Wesensart der jiddischen Literatur in Amerika während der letzten Jahre wird der künftige Historiker als die literarische Bewegung bezeichnen. Wir selbst treiben mitten im Strom, wir bewegen uns mit, darum bemerken wir es nicht so deutlich. Von ferne aber, von draußen, wird es klar bemerklich sein, daß vor allem sich hier der reine physische BegriS „Bewegung** bietet. Denn, wenn man von ferne einen Blick auf das Feld werfen wird, auf dem sich in den letzten Jahren die jiddische Literatur in Amerika ausgebreitet hat, wird man vor allem das ungeordnete Sich-ausbreiten sehen, wird man vor allem aufmerksam werden auf die Menge der literarischen Produktionen und Autoren, Nicht so sehr der hohe Wert einzelner Werke, und nicht so sehr die eigenartige Persönlichkeit einzelner Schriftsteller wird auffallend sein, als vielmehr das allgemeine, massenhafte Wachsen der literariscnen Produktion. Besonders deutlich wird dies sein beim Vergleich des heutigen Zustands der jiddischen Literatur in Amerika mit ihrem Zustand einige Jahre vor Ausbruch des Weitkrieges. Es gab damals noch keine Einrichtungen, Werke, jüdischer Schriftsteller herauszugeben. Die Presse war fast die einzige Vermittlerin zwischen dem Autor und dem Leser. Große Bücherverlage gab es fast keine. Der einzige größere Verlag war die „Hebrew Publishing Company'*, und er bat sich mehr mit talmudisch erklärender als mit moderner Literatur befaßt. Jetzt haben wir acht bis zehn Verlage, die '- inehr oder weniger großzügigem Maßstab beiten: „Literarischer Verlag", Meiseis Verlag* „Vorwärts*-Verlag; „Jiddisch*1; „Neuzeit"; „Amerika1'; ,,Kropotkin-Literaturgeseüschaft"; „Marx-Literatur-Geselischaft"; „ Jankowitsch- Verlag"; „Literatur." Außerdem sind noch Parteiverlage (von der Poale-Zion, von der jüd.-soz. Föderation), Verlage, die die Schriften bestimmter Autoren (Scholens-Alechem, Jehoasch, Schitlowsky) und überdies eine Anzahl anderer vorhanden. Gäbe es nicht etwas zu publizieren und gäbe es keine Käufer für die Publikationen, so wäre selbstverständlich eine so große Zahl von Verlagsunternehmungen, mit so großer Ausbreitung unmöglich» XJnd alle diese Verlage geben sich fast gar nicht mit Neuausgaben alter Werke ab. Sendern entweder publizieren sie ganz neue Schriften (hauptsächlich Übersetzungen) oder Schriften, die vorher noch nicht in Buchform erschienen waren. Die Übersetzungsüteratur ist in den letzten Jahren besonders umfangreich geworden, und sie wächst noch immer. Es sind jiddisch erschienen die sämtlichen oder ausgewählten Werke von Shakespeare, Heine, Edgar Allen Poe, Balzac, Anatole France, Zola, Maupassant, Dostöjewsky, Tolstoj, Turgenjew, Tschechow, Kuprin, London, Altenberg, Wassermann, Schnitzler, Nietzsche, Marx, Engels, Lassalie, Bakunin, Kropotkin, Brandes und noch viele andere. Die Qualität dieser Übersetzungen (besonders der belletristischen) ist auch jetzt noch weit entfernt vom Ideal, und auch jetzt ist noch kein Hundertstel dessen übersetzt, was von der Weltliteratur jiddisch erscheinen müßte; aber im Vergleich mit den früheren „Verkürzungen", wertlosen Kompilationen und Zufallsübersetzungen ist die jetzige ernsthafte jiddische Übersetzungsliteratur ein großer Schritt vorwärts, sowohl in inhaltlicher. wie in formaler Beziehung. Und sie ist erwachsen in der kurzen Spanne der letzten Jahre! Nach den Übersetzungen kommen die gesammelten Schriften jiddischer Autoren. Während der letzten sieben, acht Jahre sind die Schriften von fast allen jiddisch-amerikanischen Schriftstellern gesammelt worden und auch von einigen „russischen" (Eliokum Zunser, Scholem Alechem, Perez, Asch, Reisin, Hirschbein, Menaehern). Es wurden fast alle Erzählungen, Skizzen und Lieder, die in den amerikanisch-jiddischen Zeitungen und Journalen erschienen waren, gesammelt und publiziert. Ich glaube nicht, daß es noch einen jiddischen Schriftsteller in .Amerika gibt, der nicht eine Sammlung seiner Skizzen oder Lieder herausgegeben hätte, oder im Begriffe ist, es zu tun. Selbst die Feuilletons haben sich aus der Zeitungssintflut in die Arche der Buchliteratur gerettet Es erschienen in Buchform: B, Kowner, Mojsche Nadir, dessen