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Der Jude · 1920-01-01 · Heft 7 · p. 416

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Journal
Der Jude
Volume
5 (1920-1921)
Issue
Heft 7
Article
Die Araber in Palästina
Date
1920-01-01
Page
416 (sequence 3)
Language
German
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416 Bemerkungen: Die Araber in Palästina änderung, da bisweilen Beduinenstämme sich ansiedelten und zu Fellachen wurden, bisweilen auch Fellachen infolge der Bedrückung durch die Regierungsbeamten und besonders durch die Steuereintreiber ihre Dörfer und Felder verließen und sich zum Scheine oder dauernd in Beduinen verwandelten. Jetzt, wo die Kraft der westlichen Kultur unter dem Schutz eines europäischen Heeres steht, wo das jüdische nationale Heim unter dem Schutz des britischen Mandats aufgebaut werden wird, ist zu erwarten, daß die Grenzen sich nur noch nach einer Richtung hin verändern: die Zelte der Hirten und Räuber werden sich in Dörfer verwandeln, bis die plündernden wilden Beduinen allmählich sich vermindern und ihre Zahl und ihre Machtmittel so klein werden, daß sie unbeträchtlich sind. Die Fellachen, diese Dorfbewohner und Bodenarbeiter, die ihrer alltäglichen primitiven Arbeit völlig ergeben sind und ihre uralten Traditionen von einer Generation zur andern fortpflanzen, sind von jeder Art von Bewegung unberührt. Nur die, die in der Nähe der jüdischen Kolonien wohnen und aus unserer landwirtschaftlichen Siedlung wieder Nutzen ziehen, sei es, daß sie Arbeit dort finden, sei es, daß ihnen die Kenntnis neuer landwirtschaftlicher Methoden durch sie vermittelt wird, haben mehr als einmal ihre Sympathien für die jüdische Siedlung in Palästina ausgesprochen. Vielleicht würden auch die von den Kolonien entfernten Dörfer zu ähnlichen Gesinnungen gebracht werden können, wenn nicht die Effendis und die extremen Nationalisten sie mit der Furcht vor der „zionistischen Gefahr" schreckten. Hier liegt ein weites Feld für kulturelle Arbeit, die den modernen Geist ohne Gewaltanwendung und militärische Machtmittel durchsetzen kann, denn die Fellachen bilden ein leicht zu bearbeitendes Menschenmaterial. Eine solche jüdische Arbeit würde zugleich auch eine ideale Tendenz haben, die Befreiung der Arbeitermassen aus den Krallen der Effendis und der reichen Scheichs, die sie bis heute mittels eines aus dem Mittelalter stammenden Feudalsystems ausbeuten. Aber diesen Kampf für ihre Befreiung würden wir nicht nur aus menschlichem Altruismus, sondern gleichzeitig auch aus nationalem Egoismus zu führen haben. Die Hebung der materiellen und geistigen Lage dieser primitiven Arbeitermassen wird für das Wohl des ganzen Landes und aller seiner Einwohner von der größten Bedeutung sein. Vielleicht kann die Ergiebigkeit des Landes stark gesteigert werden, wenn, erst der Boden nicht nach dem Geldbesitz, sondern nach dem Maß der Arbeitskraft verteilt wird. Vielleicht wird die sehr schwere Frage der jüdischen Arbeit gelöst, wenn erst zwischen den Bedürfnissen und Ausprüchen eines Fellachen und denen eines jüdischen Arbeiters kein Unterschied mehr bestehen wird. Hebräische Schulen in den Dörfern für die Kinder der Fellachen, die Schaffung gemeinsamer Krankenhäuser und Asyle werden die menschliche Entwicklung der Einwohner des Landes im gemeinsamen nationalen Interesse der beiden Wohnvölker, der Juden und Araber, in langsamer Kulturarbeit fördern. Die Wichtigkeit dieser Arbeit ergibt sich schon aus der Erwägung, daß die Landfellachen mehr als 70% der Bewohner Palästinas bilden und unser moralischer Einfluß auf sie für die Zukunft von der größten Bedeutung sein wird. Was endlich die städtischen Araber anbetrifft, so wäre es ein Irrtum anzunehmen, daß sie alle ohne Ausnahme die Unterordnung Palästinas unter eine arabische Regierung in Damaskus unterstützt haben. Auch die städtischen Araber zerfallen in verschiedene Gruppen, von denen jede ihre besondere Beziehung zur arabischen und jüdischen Bewegung hat. Die christlichen Araber, die unter dem Einfluß der verschiedenen Klöster stehen, und besonders diejenigen, die die Erziehung eines europäischen Landes genossen haben, stehen einer europäischen Herrschaft über Palästina sympathisch gegenüber. So haben die verschiedenen christlichen Gemeinden, die Maroniten, Orthodoxen usw., den Beschluß von San Remo; der das Mandat über das Land der christlichen englischen Regierung gibt, freundlich aufgenommen. Fast alle sind gegen eine arabische Regierung, die eine neue mohammedanische Herrschaft über das heilige Land darstellen würde. Nur wenige christliche Araber haben sich

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