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Der Jude · 1920-01-01 · Heft 7 · p. 415

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
5 (1920-1921)
Issue
Heft 7
Article
Die Araber in Palästina
Date
1920-01-01
Page
415 (sequence 2)
Language
German
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Bemerkungen: Die Araber in Palästina 4*5 wünschen, das von jeher seine Beziehungen zu diesen Gegenden besonders gepflegt hatte, erkannten selbstverständlich seine Herrschaft nicht an. Der mesopotamische Kongreß wählte den Bruder Faisals, Abdallah, wider den Willen des syrischen Kongresses zum König von Mesopotamien. Die Stämme des Hauran und seiner Umgebung gehorchten dem König Faisal nicht und lehnten jede Steuer- und Militärpflicht ab, so wie sie dem türkischen Sultan nicht gehorcht und ihre Pflichten ihm gegenüber nicht erfüllt hatten. Sogar die Einwohner von Damaskus selbst entzogen sich der Wehrpflicht und Steuerzahlung und zogen zum Teil die Auswanderung nach Amerika vor. So hatte diese Damaszener regier ung nur ioooo Pfund in ihrer Kasse und 10000 Soldaten unter ihren Fahnen. Und noch eine charakteristische Tatsache, die zeigt, wie sehr die Regierung in Damaskus in der Luft schwebte, und wie die Aufblähung der extrem-nationalen Bewegung zu einem Chaos von wahrhaft karikaturistischer Art führte: in der Nähe von Damaskus, im estlichen Syrien, das vorläufig unter arabischer Führung, oder richtiger unter gar keiner Führung stand^ wurde nicht nur ein Kenig gekrönt, und der Emir Faisal war nicht der einzige, der einen Thron besteigen durfte. Jeder große Scheich, jeder hervorragende Stammeshäuptling rief sich selbst zum König seines Landes aus, setzte sich eine Krone auf und sandte seinen Untertanen Befehle und Drohungen, wie es einem regierenden Sultan zukam. Solche Sultane und Könige wuchsen im Laufe der Zeit wie Pilze empor, so daß auf einer kleinen Fläche 5—6 Herrscher saßen. Konsequenzen dieser lächerlichen Lage waren sehr traurige Morden und Schlachten, Raub und Plünderungen nach Art der russischen Pogrome in den christlichen Dörfern und furchtbare Kämpfe in den jüdischen Kolonien im Norden Palästinas. Will man nun die Beziehungen der Araber in Palästina zu dieser national-panarabischen Bewegung einerseits und zum Zionismus anderseits erfassen, so muß man sie nach ihren einzelnen Gruppen gesondert betrachten, und zwar die wandernden Beduinenstämme, die Fellachen und endlich die Städter und Effendis. Die halbwilden Beduinenstämme, die als Hirten oder Räuber in den weiten Wüstenstrecken im Süden und Osten Palästinas nomadisieren, empören sich gegen das Joch des Despotismus, aber ebenso gegen das der modernen Kultur. Sie stehen in beständigen Kämpfen untereinander, und jeder Stamm raubt den besiegten Nachbar aus. Sie leben von Schwert und Raub, plündern die Dörfer der Fellachen, der friedlichen Bodenbebauer, und treiben es bis zum Blutvergießen, wenn jene sich ihren Gewalttätigkeiten widersetzen. Diesen Nomadenstämmen, die keinen ständigen Wohnsitz haben, fehlt jedes Nationalgefühl, und ihr unklares phantastisches religiöses Gefühl brauchen sie nur als Anstachelung bei Bruderkrieg und Mord. Selbstverständlich sind sie weit davon entfernt, sich den Weisungen irgend eines Zentrums zu unterwerfen, selbstwennesdas Zentrum der arabischen Nationalbewegung ist. Dank der gemeinsamen Religion können die Führer der Nationalbewegung sie im Interesse der Bewegung zu Überfällen und ungeordneten Aufständen aufwiegeln und manchmal sogar einen Stamm gegen den andern aufhetzen. Aber niemals wird es ihnen gelingen, sie zum Gehorsam gegen nationale Gesetze zu bringen, weil ihnen die militärische Kraft hierzu fehlt. Die Beziehung der Beduinenstämme zur jüdischen Siedlung in Palästina ist dieselbe wie zu der Siedlung der arabischen Landbevölkerung und zu jeder Art von Siedlung überhaupt: Raub und Plünderung. Die zahlreichen Überfälle auf die Fellachendörfer, die mohammedanischen wie die christlichen, und auf die jüdischen Kolonien, die auch unter der europäischen Militärherrschaft fortdauern, zeigen deutlich, daß es hier nur einen Weg gibt: die Durchsetzung des Geistes der Kultur mit militärischen Machtmitteln und dem Bajonett. Mit Machtmitteln, mit Gewaltanwendung und mit Geist wird es möglich sein, die Wüste zu besiedeln und den Süden und das Ostjordanland zu modernem Kulturgebiet zu machen, zum gemeinsamen Besten der neuen Siedler und der bisheriger Bewohner. Während der Türkenherrschaft waren die Grenzen zwischen Fellachendörfern und Beduinenzelten bekanntlich in beständiger Ver-

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