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Der Jude · 1920-01-01 · Heft 7 · p. 412

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
5 (1920-1921)
Issue
Heft 7
Article
Der Verstoßene
Date
1920-01-01
Page
412 (sequence 9)
Language
German
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412 S. J. Agnon: 13. Licht des Glaubens. Und obwohl sie sich zum Schlafen getrennt hatten, schliefen sie nicht ein im Schöße der Wonnen, sondern sie lagen offenen Auges, und mit köstlichen Reden machten sie Gewänder und Kronen für die Worte des Rabbi. Und wer nur aus den Gesprächen der Frommen und ihren Wundern zu erzählen wußte, wusch sich die Hände und erzählte. So ließen sie die ganze Nacht hindurch das Licht des Glaubens leuchten. Und ein Jüngling erzählte seinem Freunde, der ihm zur Seite lag, und sprach: Ich will dir etwas erzählen, und dann wirst du die Größe des Ranges unseres Rabbi verstehen und einsehen. Ich lebte bei meinem Schwiegervater in Jazlowice, und von Jazlowice ist nicht weit zum Wohnort unseres Rabbi. Da dachte ich: ich will hingehen und sein Antlitz sehen. Ich kam zu ihm an einem Sabbath. Wie bekannt, sitzt der heilige Rabbi in der Sabbathnacht bis zur dritten Nachtstunde oder noch länger an seinem Tisch, und man zündet sehr große Kerzen an, damit sie die ganze Nacht leuchten. Es geschah in der heiligen Sabbathnacht, da trat der Rabbi ein und sprach: Friede mit euch! und goß den Becher ein, nahm ihn in die Hand, setzte sich auf den Stuhl und begann mit wunderbarem Anhangen zu singen: Schöpfer, Krone, Schöpfer, Krone! nach einer sehr schönen Melodie. Was soll ich reden, was erzählen? Die Kerzen gaben kein Licht mehr und gingen aus, und der Rabbi, er soll leben, saß noch und sang seine Worte in starkem Brennen und in heiliger Freude: Schöpfer, Krone! Schöpfer, Krone! 14. Hemmungen. Bevor der Tag hell ward, standen der Hausherr und sein Weib auf, öffneten den Ofen und holten warmes Wasser zum Trinken heraus. Die Herzerfüllten standen auf, sprachen die Segenssprüche, tranken und rüsteten sich zum Morgengebet. Plötzlich aber wurden sie in ihrem Vorsatz verwirrt und in ihrer Andacht gestört, denn es fiel ihnen ein, daß sie im Dorfe waren und es keine Thorarolle gab, um den Wochenabschnitt zu lesen. Es war ihnen sehr hart, daß sie den Abschnitt aus einem Buche lesen sollten. Sie dachten an die Geschichte von dem Manne, der den Sabbath beobachtete; er zog mit einer Karawane aus, und als der Freitagsabend kam, waren sie in eine große und furchtbare Wüste gekommen. [Da machte er halt und wollte nicht weitergehen. Seine Gefährten sprachen zu ihm: Wenn du mit uns gehst — gut, und wenn nicht, so lassen wir dich hier. Aber er hörte nicht auf sie, denn er hütete den Sabbath und wollte ihn nicht entweihen. Da gingen sie ihres Weges und ließen ihn in der Wüste allein. Während er noch dastand und das Strahlen des Sabbath auf sich zog, öffnete sich der Palast und das Urlicht der sieben Tage glänzte auf und die Gemeinde der Heiligen des Höchsten stand und empfing den Sabbath in Heiligkeit und Reinheit, und am Sabbathmorgen stiegen die sieben Hirten auf und lasen Thora.

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