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Der Jude · 1920-01-01 · Heft 7 · p. 413

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
5 (1920-1921)
Issue
Heft 7
Article
Der Verstoßene
Date
1920-01-01
Page
413 (sequence 10)
Language
German
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Der Verstoßene Da dachten die Herzerfüllten: Unsere Weisen sagten doch: Wer sich zu reinigen kommt, dem steht man bei. Aber wo war der Beistand für sie? Wie war gewühlt worden gegen sie, wieviele Hemmungen waren, um ihnen die Sabbathwonnen zunichte zu machen. Da wurde ihre Seele trübe über ihnen, und sie waren nicht imstande, sich Gott zu nahen und im Gebete zu stehen. Sie standen, der eine hier, der andere dort, mit dem Gebetmantel in der Hand, und keiner sprach ein Wort, denn der Schmerz war sehr groß. 15. Thora vom Himmel. Am Ende des Dorfes wohnte ein alter Jude, der kinderlos war und keine Söhne hatte. Er ehrte Gott von seinem Besitz und ließ reine Thorarolle schreiben, und er gab sie zum Aufbewahren dem Gotteshaus in der Stadt. Als die Festtage tarnen, da sammelten sich die Dorfleute und sprachen zu ihm: Auf, gehe in die Stadt hinauf und hole die Thorarolle, damit wir ein Minjan machen, um an den furchtbaren Tagen im Dorf zu beten. Und er ging und holte die Thorarolle und brachte sie ins Dorf. Und sie freuten sich, daß sie an den furchtbaren Tagen nicht mehr von Hause fortzuwandern brauchten. Aber ihre Freude dauerte nicht lange, denn Rabbi Awigdor erlaubte es nicht, außerhalb der Stadt in Gemeinschaft Gebete abzuhalten, damit sich nicht die Spenden verminderten, die die Dorf leute. gaben, wenn sie zum Beten in die Stadt kamen, und das Minjan hatte keinen Bestand und die Thorarolle blieb im Dorf und lag lange Zeit im Hause des Mannes. Da kam sein Knecht und erzählte ihm alles, was der Mann Gottes am Abend vorher in der Schenke getan hatte, der aus der Stadt gekommen war. Und er sprach zu seinem Knecht: Gib mir meinen Mantel! Und er gab ihm den Mantel. Der Alte nahm den Mantel und hüllte die Thorarolle an seiner Brust ein und ging zur Schenke. Er fand dort Leute aus der Sfadt stehen mit ihren Gebetmänteln in der Hand, und er sprach: Ich hörte, daß der Rabbi hier ist. Da vermochte ich es nicht mehr, an meinem Ort zu bleiben und Gott gab mir den Rat ins Herz, die Thorarolle zu nehmen und zur Schenke zu gehen. Und als ich sah, daß draußen ein Unwetter ist, als ob die Planeten geruht und alle Tage der Woche nicht gedient hätten, da verfinsterten sich meine Augen und ich verzweifelte an der ganzen Sache. Aber Gott, gesegnet sei er in seiner Gnade, stärkte mein Herz und gab mir Zuversicht und ich überwältigte alle Hemmungen und ging ms Schankhaus, mich an das Gottesteil anzuheften. Er stellte sich zu ihnen und sie beteten mit sehr großer Freude. Nach dem Gebet warteten sie. nicht lange. Der Rabbi sprach den Segen über den Branntwein und der Hausherr brachte viel Honigplätzchen. Nachdem sie die Mahlzeit des Rabbi Chidka beendet hatten, wuschen sie die Hände zum Hauptmahl. Und sie saßen bei Mahl und Liedern und Lobgesängen bis 2um Sabbathabend.

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