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Der Jude · 1920-01-01 · Heft 7 · p. 411

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
5 (1920-1921)
Issue
Heft 7
Article
Der Verstoßene
Date
1920-01-01
Page
411 (sequence 8)
Language
German
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Der Verstoßene 411 ihn spotten würden und sprechen: Was ist heute für ein besonderer Tag, und was soll diese Freude? Was tat der Königssohn? Er rief die Dorfleute zusammen und kaufte ihnen Wein und andere Rauschgetränke. Da freuten sie sich am Wein und er an der Freude über seinen Vater. Man versteht den Vergleich: die heilige Seele schämt sich, sich den Sabbath über an den Wonnen ihres königlichen Vaters zu erfreuen, des Heiligen, gepriesen sei er, und an der höheren Sabbathseele, die ein Gruß vom Vater ist; sie schämt sich vor dem geringen Körper, der wie ein Dorf mann ist; darum hat die Thora befohlen, am Sabbath und am Feiertag den Körper zu erfreuen. Wenn der Körper dann in seiner Freude froh wird, kann auch die Seele froh werden in der Freude des Anhangens am König, dem Heiligen, gepriesen sei er. In wem Leben ist, der soll es sich zu Herzen nehmen und allen trüben Geist abtun, denn das Licht des Lebens wohnt nur in der Freude und der göttlichen Wonne, und ferne sei es euch, Trübsal vor Gott zu zeigen, denn heilig ist der Tag unserem Herrn. Und sogleich wurden alle erweckt, und Geist des Lebens kam in sie, und wer nur singen konnte, der fing zu singen an, und sie stimmten liebliche Gesänge an: Ruhe und Freude — Licht den Juden, Tag des Rastens, Tag der Wonnen! Der Hausherr nahm den Krug, goß dem Rabbi den Becher ein und gab jedem einen Becher voll Branntwein. Da tranken sie einander zu und wurden vom Segen des Zaddik durchwürzt. Und der Hausherr stand bei ihnen, schöpfte und schenkte ein, und sein Körper verfeinerte sich immer mehr von der Lieblichkeit der gottgefälligen Tat. Und die Herzerfüllten tranken und vergnügten sich am Branntwein und lobten ihn über die Maßen. 12. Geweihte Kerzen. Nachdem sie gegessen und getrunken und das Tischgebet gesprochen hatten, trennten sie sich zum Schlafen. Einige streckten sich auf den Tischen und den langen Bänken aus, andere auf den bunten Truhen, Wirt und Wirtin stiegen auf den Ofen, und das Haus sank in Schweigen. Die Schatten der Sabbathkerzen umhüllten die Reste des Sabbathbrots, die Knochen und die Brotbrocken, und bald hier, bald dort hoben sich Lichtzungen nach der Uhr hin. Der Rost glänzte von den Gewichten, und Stande auf Stunde ging vorüber. Der Rabbi stand noch bei den Sabbathlichtern, völlig ohne Bergung. Seine Hände steckten in den Ärmeln, sein Bart floß bis zu den Schaufäden hinab, und die Schaufäden schwangen von selbst, ohne daß sein Körper sich geregt hätte, ganz als ob sie Leben und Seele hätten. Die Lichter verloschen langsam und eine Rauchsäule wand sich empor, aber der Rabbi rückte nicht von der Stelle und trank durstig den dichten Rauch der Sabbathkerzen ein. Und:* einmal über das andere sprach er mit heiliger Inbrunst : Duft des Paradieses! Duft des Paradieses!

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