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Der Jude · 1920-01-01 · Heft 7 · p. 410

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
5 (1920-1921)
Issue
Heft 7
Article
Der Verstoßene
Date
1920-01-01
Page
410 (sequence 7)
Language
German
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4io S. J. Agnon: begann zu tanzen. Der Braut entgegen fügte er vielerlei Heiligungen. Und wer nur an jenem Ort war, der wurde von Stufe zu Stufe versetzt bis zum Ende des ganzen Gebetes. Aber als sie die Hände zur Mahlzeit wuschen und ihre Augen auf die Schenke und das Alltägsbrot richteten, da dachten sie an ihre Hausgenossen und konnten ihre Seufzer nicht mehr zurückhalten. Ach Sara-Lea, Riwka- Debora, Debora-Susche! Wo sind eure Sabbathbrote, von denen jedes einzelne siebenmal größer ist als die Ofentür! Wo sind die gewürzten Fische, an denen wir am Tische des Rabbi uns am heiligen Sabbath zu vergnügen dachten! Sara-Lea, Riwka-Debora, Debora-Susche, sie mit ihren Broten und ihren Fischen sind in den Häusern geblieben wie lebende Witwen. Wer weiß, ob es ihnen und den Kindern auch nur vergönnt ist, in das Haus eines Juden zu treten, um Kiddusch zu hören! In dieser Stunde wurden alle in eine andere Welt eingekettet, und das Strahlen des Sabbath ward verhüllt, und hätte man nicht plötzlich vom Stall her das Schnauben der Pferde gehört, so hätte niemand merken können, ob hier noch ein Hauch von Leben sei. Als Rabbi Uriel das sah, faßte er den Bart mit der Rechten und bedeckte beide Augen mit der Linken und schalt sie mit weicher Stimme und zog seine Worte vielmals hin: Ich schäme mich euretwegen, Chassidim, ich schäme mich euretwegen vor dem Angesicht Gottes und vor dem Angesicht der Königin Sabbath. Doch plötzlich flammte sein Angesicht auf und begann zu leuchten, wie es seine Art war in der Stunde der Gnade, Worte der Thora zu sagen. Da senkte sich Schweigen über das Haus, bis man nichts mehr hörte als das Flüstern der Kerzen beim Brennen. ii. Ruhe und Freude. Rabbi Uriel pflegte nur wenig Thora zu sagen, und wenn man in ihn drang, antwortete er: Ist es denn etwas Großes, Thora zu sagen? Vielmehr das Hauptstück ist doch die Festigung des Herzens, damit es Weisheit zu erringen vermag, und wahre Vernunft wird nur durch gute Werke erworben. Aber bei wem die Vernunft die guten Werke überwiegt, der hat nicht die Kraft, seine Vernunft in sich zu halten, und darauf ist gesagt: Jeder, dessen Weisheit mehr ist als seine Werke — bei ihm hat die Weisheit keinen Bestand. Diesmal aber hielt Rabbi Uriel die Süßigkeit seiner heiligen Reden nicht zurück, und er ließ sich mit Absicht zu einer einfachen Sprache herab, damit auch der Einfache ihn richtig verstehen könne, und er knüpfte an den Wochenabschnitt „Und Jakob zog von Beerseba" ein Gleichnis von einem Königssohn, der in die Ferne in ein unbedeutendes Dorf verschickt wurde, und nach langer Zeit erreichte ihn ein Schreiben seines Vaters, des Königs, und er wollte sich daran erfreuen. Aber er fürchtete, daß die Dorfleute über

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