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Der Jude · 1920-01-01 · Heft 7 · p. 409

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
5 (1920-1921)
Issue
Heft 7
Article
Der Verstoßene
Date
1920-01-01
Page
409 (sequence 6)
Language
German
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IRI
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Der Verstoßene 409 Und nach ihm sagte die Gemeinde der Chassidim in der Süßigkeit des Anhangens: Komm, mein Freund, hinaus aufs Feld, die Nacht in den Dörfern, früh auf zu den Weinbergen, daß wir sehen, ob der Weinstock sprosse, seine Blüte sich öffne, die Granaten blühen; da will ich dir meine Liebe geben. Und Rabbi Uriel sagte in wachsender Inbrunst: Viele Wasser mögen die Liebe nicht auslöschen. Und nach ihm sagte die Gemeinde der Chassidim in der Süßigkeit der Verzückung: Und Ströme sie nicht ertränken! Und so gingen sie, bis sie ins Dorf kamen, und der Tag ward heilig über ihnen. Dann gingen sie in die Schenke, dort zu ruhen. 9. Der Zaddik kam in meine Herberge. Der Wirt sah sie, da wurde sein Blut kalt vor Schrecken. Er dachte: Gewiß ist eine Zeit der Bedrängnis in der Stadt, und sie sind hierher geflohen. Er lief, brachte sie ins Haus und fragte: Was tun meine Freunde in meinem Hause? Sie erzählten ihm das ganze Geschehnis, wie man den Rabbi durch die Schuld des Vorstehers Awigdor aus der Stadt vertrieben hatte. Als der Wirt das hörte, erfüllte Freude sein einfältiges Herz. Dieser Awigdor, der ihn kein Minjan im Dorf machen läßt, jetzt hat Gott eine Sache geschickt, ihn zu kränken. Und sogleich wandte er sich mit strahlendem Gesicht zu ihnen und sprach: Tut alle Sorgen von euch ab, meine Herren, Fleisch und Fische haben wir, Gottlob, und auch der Trunk soll nicht fehlen, zu essen und zu trinken nach Gottes Gebot. Und er neigte sich vor dem Rabbi und bot ihm Frieden und schaute beschämten Gesichts auf sein Gewand und die Lederhose. Er sagte: Der Zaddik kam in meine Herberge und ich empfange ihn in groben Kleidern! Der Rabbi winkte mit der Hand, wie um zu sagen: Laß doch, es ist nichts dabei. Aber doch seufzte er aus tiefstem Herzen, die Kinder des Heiligen, gelobt sei er, am heiligen Sabbath so zu sehen. Und da der Rabbi seufzte, so seufzten seine Chassidim mit ihm: Gottes Sabbath ist heute, und sie sind voll Schmerz und fortgerissen und umhergeschleudert und entfernt von ihren Hausgenossen. Und so seufzten sie weiter, bis der Rabbi sie schalt. Da zwangen sie ihre Seufzer nieder und schwiegen. 10. Söhne, die verbannt sind. Die Hausfrau trat hinzu und richtete den Tisch her, und sie nahm viele Leib Alltagsbrot und legte sie neben ihre zwei Sabbathbrote, breitete eine Decke darüber und sprach den Segen über die Lichter. Da erwachte das Strahlen des Sabbath, und sie empfingen den Sabbath. Der Rabbi betete mit heiliger Inbrunst vor, und als er zu dem Lied kam: Komm, Geliebter, da trat er geradezu aus der Körperlichkeit heraus, er fügte beide Füße zusammen und

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