Mannheim
Compact Memory

Der Jude · 1920-01-01 · Heft 7 · p. 408

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
5 (1920-1921)
Issue
Heft 7
Article
Der Verstoßene
Date
1920-01-01
Page
408 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
98% known words query
IRI
…/3101111-3101163-3101170-3105697--4287-3105758
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

408 S. J. Agnon: 7. Aus ihm soll ein Verstoßener verstoßen werden. Da warf sich die Gemeinde seiner Chassidim vor ihm hin und sie schrieen: Gewalt! Und sie baten ihn, Rache zu nehmen an seinen Feinden und sie zu bestrafen, wie es ihnen gebühre, weil der Name des Himmels durch sie entweiht und die Wonne des Sabbath gestört wurde. Da wurde ihm sein heiliges Herz erweckt, und er sprach: Uriel, Uriel, ist es dir wirklich leid um die Ehre seines Namens, "er sei gepriesen, oder fürchtest du etwa für deine eigene Ehre, und womit wirst du die Wahrheit entscheiden können? Aber dennoch gewann die Natur in ihm die Oberhand, und er fluchte dem Vorsteher, und ein heilloser Fluch entriß sich seinem Munde: Aus ihm soll ein Verstoßener verstoßen werden! Und wer nur an jener Stelle war, der wiegte den Kopf und sprach: Awigdor hat wie eine Schlange in den eigenen Schwanz gebissen. Wehe und aber wehe über ihn! So hat er gewollt und so wird ihm geschehen! 8. Das Hohelied. Rabbi Uriel zog aus der Stadt, mit ihm zog die Gemeinde der Chassidim. Sie schleppten sich auf dem Weg zum Dorf hin. Die Wege waren verdorben, und die Pfützen gingen den Menschen bis über den Gürtel. Regen goß von oben, Erde senkte sich unten, und sie schritten und sanken, sanken und schritten und sprachen das Lied der Lieder. Rabbi Uriel sagte in heiliger Demut: Schaut mich nicht an, daß ich schwärzlich bin, daß die Sonne mich verbrannt hat; meiner Mutter Söhne zürnten auf mich. Und nach ihm sagte die Gemeinde der Chassidim in der Süßigkeit des Anhangens: Siehe, mein Freund, du bist schön und lieblich. Rabbi Uriel sagte in heiliger Verzückung: Erquickt mich mit Traubenkuchen, labt mich mit Äpfeln; denn ich bin krank vor Liebe. 6 Und nach ihm sagte die Gemeinde der Chassidim in heiliger Erweckung: Des Freundes Stimme, sieh, er kommt, hüpft über die Berge, springt über die Hügel! Rabbi Uriel sagte in heiliger Erstarkung: Steh auf, meine Freundin, meine Schöne, geh hinaus! Denn siehe, vorbei ist der Winter, der Regen ist weg und dahin. Die Blumen erscheinen im Lande, die Zeit des Gesanges ist kommen, und die Turteltaube läßt sich hören in unserm Lande. Und nach ihm sagte die Gemeinde der Chassidim in heiliger Begierde: Mein Freund ist mein und ich bin sein. Rabbi Uriel sagte in heiliger Demut: Mich fanden die Hüter, die in der Stadt umgehen; sie schlugen mich, verwundeten mich; meinen Schleier nahmen die Hüter der Mauern. (

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.