Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 5 (1920-1921)
- Issue
- Heft 7
- Article
- Der Verstoßene
- Date
- 1920-01-01
- Page
- 406 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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406 S. J. Agnon: Seine Auserwählten eilten und drängten bis an den Wagen, -boten dem Rabbi den Friedensgruß, spannten die Pferde aus dem Geschirr und traten selber an ihre Stelle, um den Wagen zu ziehen. Als der Rabbi das sah, stieg er vom Wagen herab und stellte sich unter die, die gekommen waren, ihn zu empfangen. Da.wurden sie traurig; warum tat er ihnen also? Sie waren doch gekommen, ihn zu empfangen, und nun steigt er vom Wagen herab! Da antwortete ihnen der Rabbi in seiner heiligen Demut und sprach: weil sie das Gebot der Aufnahme von Gästen mit so großer Inbrunst erfüllten, sei er vom Wagen gestiegen, um sich mit ihnen in diesem Werk zu vereinen. Sie hörten es und wußten nicht, was sie tun sollten. Da trat der Dienende auf und befahl, ihm einen Weg zu bereiten. Alle drängten sich in zwei Reihen, eine Reihe auf jeder Seite, und der Rabbi schritt in der Mitte, bis sie an den Ort kamen, den man für ihn bestimmt hatte. Und alle, die zugegen waren, boten ihm Frieden. Auch die Frauen erkühnten sich und hoben sich auf die Fußspitzen, vom Glänze seines Antlitzes zu genießen* 4. Das Licht der Liebe. . In der „goldenen Gasse", wo einst große Rabbiner gewohnt hatten, hatte man einen passenden Ort für den Rabbi gefunden. Ein Hausherr aus Israel, dem Kinder versagt waren, und der noch nicht über die Schwelle der Chassiduth getreten war, räumte ihm sein Haus ein, um sich vom Segen dieses Zaddik durchwürzen zu lassen. Und die Herrin des Hauses strich ihm zu Ehren den Fußboden aus. Aber den Ofen heizte sie nicht, um nicht den vielen Gästen zu heiß zu machen. Man brachte den Rabbi ins Haus und nahm ihm den Mantel ab. Aber obwohl das Haus sich mit Menschen füllte, konnte er es nicht aushalten vor Kälte. Man wollte ihn in eine andere kleine Wohnung geleiten, und alle, die gekommen waren, sich an dem Glanz seiner Heiligkeit zu sonnen, sollten ihres Weges gehen. Da konnten sie sich nicht von ihm trennen, und er nicht von ihnen. So blieb er inmitten seiner Gemeinde sitzen, und das Feuer der Liebe erwärmte seine Glieder. 5. Was Rabbi Awigdor tat. Rabbi Awigdor ging aus dem Zimmer seiner Tochter, sich mit den Sabbathgewändern zu schmücken. Während er noch so stand, hörte er die Stimmen der Chassidim, die in Freude ihren Rabbi daherbrachten. Da sprach er: Wie lange noch soll die Sünde in meinem Bereich dauern? Es ist Zeit, für Gott zu handeln! Rabbi Awigdor hüllte sich in die Sabbathkleider, bürstete den Kopf mit Wasser und kräuselte die Schläfenlocken mit Bier. Dann richtete er seinen Hut, ordnete seine Gewänder und beschaute sich im Spiegel. Und wozu das alles? Damit er dem Stadtherrn ansehnlich erscheine, und dieser ihm willfahre*