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Der Jude · 1920-01-01 · Heft 7 · p. 382

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
5 (1920-1921)
Issue
Heft 7
Article
Der heutige deutsche Antisemitismus
Date
1920-01-01
Page
382 (sequence 10)
Language
German
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382 Arnold Zweig: rechnen uns zu den Juden, zu einer irgendwie verbundenen Gemeinschaft. Nenne man das Verbindende wie man wolle: Religion, Rasse, Blut, Abstammung, Tradition, Geist, Volk, Schicksal, Nation — irgendein nur uns Verbindendes besteht noch für den entfremdetesten von uns, noch für seine getauften und gemischten Kinder, ja Enkel. Wenn dies unheimliche Zwitterlicht, diese gestaltlose Gestalthaftigkeit, diese unpackbare Doppelexistenz nicht Verdacht, Unruhe, Abstoßungsaffekt zu wecken geeignet ist, so verstehe ich nichts vom Kräftespiel der Seele. Aus dieser Zwitterhaftigkeit, diesem lautbewußten Nein und dumpfverkörperten Ja gebiert sich sofort ein Weiteres. Ganz offensichtlich hat sich in den Händen einzelner Juden, einiger markanter und sehr vieler verschwindender, eine beträchtliche wirtschaftliche Macht angesammelt, deren wirkende Möglichkeit in der Zeit bis zum Kriege und erst recht nach ihm immerhin weit genug gereicht hätte. Zugleich lebte und lebt der allergrößte Teil der Juden jenseits der deutschen Ostgrenze in einem Zustand namens Hölle. Nirgendwo in Europa gab es und gibt es Elend wie innerhalb der Ostjudenheit, markauszehrendes Elend, seelenverwüstendes, wie es kein noch so beraubter Europäer kennt: denn bewegungslos zusammengeballt geht dort Tag für Tag jüdisches Leben seinen Untergang. Die Ursachen dieses Elends waren und sind zuletzt politischer Natur; die Wirkungen jener wirtschaftlichen Macht, politisch gewendet, konnten und können noch politisch wirken. Und niemals, hört es, niemals hat sich diese Macht auf ihre Macht besonnen. Niemals hat sich der von Juden kontrollierte Teil des Kapitals gegen ,diese politischen, so leicht zu bewegenden Druckpressen zusammengeschlossen; nicht der leiseste Versuch ist gemacht worden. Warum? Aus Mangel an Gemeingefühl, aus unsäglich feiger Angst vor der eigenen Fähigkeit, aus grenzenloser nationaler Schwäche. Nun wohl: diese Feigheit hat den Druck auf die Unglücklichsten vermehrt. Sie, sie allein hat den Differenzaffekt über alles Maß ermutigt. Da er nirgend eine reale Gegenwirkung erfuhr, erging er sich in freiester Willkür; Energie, Mut, Gegendruck hätte ihn zwar laut schreien, aber sehr eilig zurückweichen lassen. Die Wertlosigkeit seiner Objekte forderte ihn zur Frechheit * heraus — und fordert ihn noch heraus. Und noch mehr: die Gegenwirkung, die er öffentlich nicht fand, erfand er sich für eine unterirdische Wirksamkeit der Juden, erlog er ganz bewußt für seine Zwecke. Genau dessen, was er, wäre es wirklich da, gefürchtet hätte, bediente und bedient er sich als Popanz und Lockmittel für zu werbende Unwissenheit, indem er die Gemeinbürgschaft zitiert, die Juden einst, in weniger feigen Geschlechtern, für einander wirklich leisteten und von der er weiß, daß sie, auf die totale westliche für die totale östliche Judenheit angewandt, einfach eine historisch gewordene Phrase ist. Ach, er v/eiß genau, daß sich heute keine Hand des Juden rührt, wenn jenseits der Weichsel Hunderttausende von Juden ermordet werden. Er weiß, daß die deutschen Juden als Masse, eine oder zwei Gruppen ausgenommen, die z\x

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