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Der Jude · 1920-01-01 · Heft 5-6 · p. 367

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
5 (1920-1921)
Issue
Heft 5-6
Article
Über die jüngste Sohar-Anthologie
Date
1920-01-01
Page
367 (sequence 5)
Language
German
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Umschau: Bücherschau 367 bedeutet, wie sehr oft in den semitischen Sprachen, zu verdunkeln und mit jenem fürchterlich belasteten, in einem ganz spezifisch mystischen Sinne zwar von Juden nicht gebrauchten, aber leider doch verstandenen Terminus aus dem Neuen Testament zu übersetzen. Zudem hat der Übersetzer sich hier noch einen den mystagogischen Eindruck unheimlich verstärkenden Sprachschnitzer geleistet, indem er in dem im Original im Singular stehenden und dadurch gänzlich unmißverständlichen Satz das Verbum ohne Grund in den Plural übertragen hat, so daß natürlich nun zwischen jenen, die sterben und dem einen Menschensohn ein mystischer Abgrund entsteht, aus dem wieder einmal alles andere aufsteigt als der Duft des Sohar. Wörtlich, wie man es nur verlangen kann, heißt jener Satz: Alle Kinder der Welt sehen Adam zur Zeit, da sie „aus der Welt genommen werden, damit man ihnen ein Zeugnis zeigt, daß für seine eigenen Sünden der Mensch aus der Welt genommen wird, und nicht für jene Adams". Bis in alle Kleinigkeiten hat der Übersetzer diesen Satz falsch übersetzt, und der präpositionelle Galgen, an dem weder um... willen mit dem Genitiv, noch um mit dem Akkusativ, sondern mit Recht gerade der Zwitter, den es gar nicht gibt, um mit dem Genitiv aufgehängt ist, paßt gut zu der düstern Situation, in die die Ambitionen dieses Rhythmikers den Menschensohn gestürzt haben. In Wahrheit aber bestehen vor dem einfachen Textverstande an all diesen so leichten Stellen jene Dunkelheiten nicht, mit denen sie hier mystisch aufgeputzt w,erden. Es gibt eine echte und eine erlogene Sprache des Geheimnisses, und man hat viel gestritten, in welcher von beiden der Sohar spreche oder welche doch in ihm herrsche — das aber darf sicher für ihn gesagt werden, daß diese Sprache nicht seine ist. Was soll man zu den Sprachkenntnissen emes Sohar-Übersetzers sagen, dem unbekannt zu sein scheint, daß die mit dem Präfix 'etgebildeten Verbalformen in allen aramäischen Dialekten so gut wie ausschließlich passiven und nicht wie im Hebräischen reflexiven Sinn haben und der auf Grund dieser Unkenntnis zahllose falsche Übersetzungen solcher Formen oder Verdunkelungen und bengalische Beleuchtungen, von denen im Text keine Spur zu finden ist, veranstaltet. Für „entstehen" schreibt er „sich formen". Warum nur, wo dieses Wort weder seiner Etymologie noch seinem Sinne nach W> es bedeutet: Sein, nicht der Form, Idee, sondern der Materie nach annehmen, also as g^aue Gegenteil!) irgend etwas mit Form, sondern allein mit Dasein zu tun hat. Es klingt *ohl dunkler und man vermutet ein Mysterium, wenn auch keines da ist Er schreibt „sich festigen" gespreizt und zudem falsch für „vollendet werden", „sich verändern" für „unterschieden sein" und so durch das ganze Buch hindurch, wodurch fast jedesmal eine unänstehende und daher unanständige Dunkelheit erzielt wird. „Ein Baum, der sich entwurzelt" — dem glaubt man schon viel eher, daß er in mystischen Regionen gepflanzt ist, als jenem bescheidenen, sozusagen säkularisierten Baum des Sohartextes, der nur (von außen her) „entwurzelt worden ist". „Jener Menschensohn, der sich innen zerriß", auf Seite 20, ist doch gewiß ein ganz anderer bengalischer Kerl als jener einfache „Mensch, an dem ein Makel ist", von dem in meiner Soharausgabe die Rede ist. Überhaupt ist der schöne Passus von der Schöpfung der Dämonen in einer Weise verhunzt, die man nur durch öffentliche Ausstellung eines kritisch korrigierten Exemplares dieser Leistung völlig und schaurig sichtbar machen könnte. Eine Art Gipfelschnitzer ist hier, nachdem gleich der erste Satz falsch konstruiert und übersetzt ist, die Übersetzung von imntt9 als ob man hebräisch und aramäisch lustig durcheinander werfen dürfte, mit „sich vereinigen", welche Bedeutung es niemals im Aramäischen hatte*), wo es „ergriffen werden" und von da aus gerade im Sohar sehr oft „unter die Gewalt von etwas geraten" bedeutet, was etwas gänzlich anderes ist, als „sich vereinigen"! Die Möglichkeit, dieses fast auf jedem Blatt im Sohar vorkommende Wort falsch zu übersetzen, ist recht erstaunlich, um so mehr, als es jedem Juden, der jüdische Gebräuche kennt, vom Anfang des in der Schabuothnacht gelesenen Soharstücks aus Parschath Emor her bekannt ist. Ein ähnlicher Fehler in den einfachsten sprachlichen Dingen äst die Übersetzung des adverbiellen Lamed als Dativpartikel, wobei natürlich eine Menge dunklen Unsinns herauskommt, z. B. Seite 21 „da sie nicht nach dem Höchsten und Tiefsten vervollkommnet wurden" (hier erkennt, wie in manchen lichteren Stellen, der Übersetzer die Existenz eines Passivs an, man möchte nur wissen, nach welchen Kriterien der Unterscheidung), statt des einfachen „da sie oben und unten nicht vollendet sind", wo oben und unten regionale mystische Begriffe sind, die mit Superlativen hier wiederzugeben nicht nur kein Grund besteht, sondern auch aus inneren Gründen falsch ist. Die irreführende und falsche Übersetzung des doppelsinnigen bekidduscha dejoma *) Sich vereinigen heißt aramäisch imfiK, was mit nnan** etymologisch nicht das Geringste zu tun hat, da hier nur äußerlich zwei verschiedene D-Laute in einen zusammengefallen sind.

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