Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 5 (1920-1921)
- Issue
- Heft 5-6
- Article
- Völkerpsychologie
- Date
- 1920-01-01
- Page
- 361 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Umschau: Völkerpsychologie 3<5l wie alles Tief innerliche, nur schwer formulierbar ist. Es hat auch den Anschein (siehe 1. c. S. 8), als habe sich der Verfasser selbst ursprünglich diesen Zweck gesetzt, aber in der Folge vernachlässigt er doch über den Varianten die Dominante. Die Feststellung dieser würde indessen aber auch sicherlich die Tragweite der seelischen Unterschiede begrenzen. Im übrigen aber ist es ein Verdienst Sacks, auf die Varianten der jüdischen Psyche grundsätzlich sowie, in besonderer Anwendung, unter den jüdischen Revolutionären (wo jene leicht übersehen werden) aufmerksam gemacht 2U haben. In der jüdischen Revolutionsbewegung weist Sack mit Recht die Existenz zweier einander entgegengesetzter Typen nach, von denen der eine die intellektuelle Exstase, der andere kalten Rationalismus im Denken und Fühlen und Rücksichtslosigkeit im Handeln verkörpert Den ersteren Typus repräsentiert beispielweise Gustav Landauer, den zweiten LeoTrotzki. Und zwischen diesen zwei Polen bewegt sich eine Reihe verschiedener Spielarten des j ü dischen Revolutionärs. Dabei macht sich aber vielfach auch ein rassenpatholcgischer, historisch bedingter Faktor geltend. Dank nämlich seiner Vitalität und Zähigkeit hat zwar das Judenvolk sich durch alle Schläge seines historischen Schicksals bis in die Gegenwart hineingerettet, aber sein Leib und seine Seele haben daran doch Schaden genommen. Und zu den elementaren Schlägen kam zuletzt noch vielfach eine jähe Emanzipation aus dem jahrhundertelang gewohnten eigenen Milieu, die ihrerseits seelische Gleichgewichtsstörungen auslöste. Und so spielen 1,hysterische Einschläge, überwertige Ideen, eine gewisse motorische und psychische Unruhe und die zu Wahnkomplexen neigenden Zustände bei dem Hexensabath der entfesselten Affekte vieler modernen Propheten in Israel zweifellos die Rolle der auslösenden Ursachen für ihr Erscheinen auf der Revolutionsbühne der Welt," sagt nicht mit Unrecht der Arzt Sack. Aber er unterläßt es leider, dieses interessante Problem noch weiter durchzusp rechen, >und ebensowenig tut er das bei dem nächsten von ihm berührten Problem: dem Vorhandensein auch bei den Juden eines type digestif und eines type musculaire, an denen aber die jüdische Geistigkeit sich nicht zu brechen braucht, schon weil die Kinder der so beschaffenen Juden wiederum Repräsentanten der schärfsten Geistigkeit werden Können. Es wäre sehr wünschenswert, wenn «er Verfasser diese Andeutungen vielleicht in einer späteren Schrift weiter ausarbeiten würde. Das Problem der Krankhaftigkeit führt den Verfasser zum Schluß: „Es ist zu wünschen, daß größere Zurückhaltung, straffere Disziplin und schärferes Verantwortungsgefühl gegenüber der Gesamtheit in den Kreisen der jüdischen Jugend Platz greife. In diesem Sinne kann man die unter zur Zeit günstig scheinenden politischen Auspizien aufwachende zionistische Bewegung als eine zeitgemäße Aufgabe für einen Teil der Judenheit begrüßen." Müssen wir bei der Sackschen Schrift ihre absichtsvolle Gedrängtheit bedauern, so nötigt uns umgekehrt die Länge des Buches von ArthurTrebitsch „Geist und Judentum'* (Verlag Strache, Wien 1919, 282 Seiten) ein Bedauern ab, dafür können wir aber uns selber kürzer fassen. Trebitsch ist ein bewußter Assimilant, ein Assimüant, der auf sein gutes Recht, Assimilant zu sein, auf sein edles Herz und Überzeugung pocht, durch diese Rechthaberei und fortwährende philosophische Begründung seines Assimiiismus aber nur um so abstoßender wirkt. Der historische Grundgedanke Trebitschs besteht in einer Analogie mit dem Staatsrecht des römischen Reiches. Wie dort der peregrinus nach und nach zu einem Vollbürger erhoben wurde, so sei eine solche Tendenz auch für das moderne Europa natürlich und notwendig. Zweifellos besteht nun diese von Trebitsch richtig bemerkte Analogie formal zu Recht. Aber der tiefere historische und psychologische Unterschied ist doch der, daß jener Assimilierungsprozeß Hand in Hand mit der Erweiterung des ursprünglich nationalrömischen Italiens zu einem übernationalen Weltreich ging, während die Entwicklung des heutigen Europa (wie gerade der Weltkrieg gezeigt hat) mit äußerster Kraft zu nationaler Staatsexistenz tendiert. Wie wenig natürlich im echten subjektiven Sinne des Wortes der Assimilantismus ist, ersieht man an dem Verfasser selbst, wenn er beispielsweise die Kraft seiner Theorien nicht besser zu stützen glaubt, als indem er sich auf die Anwesenheit hoher, echt christlicher Gäste bei seinen Vorträgen beruft, die seine Ausführungen recht wohlwollend aufgenommen haben. Wo endet hier die Überzeugung und beginnt das Lakaientum? Von dem Assimilanten wenden wir uns dem überzeugten neutralen Juden Const antin Brunner zu. Innerhalb eines kurzen Zeitraumes erscheint sein Werk „Der Judenhaß und die Juden«1 (Berlin 1919, Oesterheld & Co., 534 Seiten) in zweiter Auflage. Die Polemik gegen die Auswüchse der „Rassenlehre" gibt Brunner eine Bestätigung seiner philosophischen Theorie von den „Geistigen" und vom „Volke". Und er hat recht: es gibt auch einen Pöbel der Wissenschaft, der wissenschaftliche Halbfabrikate, unkontrollierte und unkontrollierbare Behauptungen, verworrene Ideen produziert und