Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 5 (1920-1921)
- Issue
- Heft 5-6
- Article
- Jüdische Schule
- Date
- 1920-01-01
- Page
- 347 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Bemerkungen: Jüdische Schule 347 plikationen „vor uns mies werden". Deshalb bemühen sie sich, dort, wo wir aufgeklärt haben, neu zu verwirren. Ihre Hauptwaffe ist: Verwirrung (abgesehen von Denunziation natürlich). Nun also bin ich schon bei den Assimilanten. (Pardon, bei Zollschan! — Also doch bei den Assimilanten!!) — Auf allen Etappen des eben geschilderten Weges sind wir ihnen begegnet. Meist waren sie unsichtbar. Wirkten still und schleichend als „persönliche Beziehung", als private Fachleute, von denen die Regierungsmänner Informationen gegen uns erhielten (Verwirrung), als „Redaktionskollegen**, in den Kouloirs der Nationalversammlung wie auch am häuslichen Herd. — Wir merkten nur immer, wenn die Sache nicht vorwärts kam, daß da wieder einmal Herr Dr. Lederer oder Herr Dr. Fuchs (so schöne deutsche Namen haben diese Judäo-Tschechen) die Hand im Spiele hatte. Endlich, nach vielen Verzögerungen, hatten wir die „Schulenquete** erreicht. Drei Vertreter des Jüdischen Nationalrates konnten am 19. August 1920 im Schulministerium mit Regierungsfachleuten zusammen über die Gestaltung unserer Schule beraten. — Aber „wer kommt denn da1*? Drei Vertreter der Judäo-Tschechen. Ihrer Namen sei gedacht: Dr. Reiner, Dr. Scharf und Schönbaum. Sie kamen nur und ausdrücklich zu dem Zweck, um die kulturellen Anspiüche des jüdischen Volkes zunichte zu machen. — Man muß wissen: diese Judäo- Tschechen haben eine Zeitlang ihren Lebensberuf darin gesehen, jüdische Schulen zu zerstören. Sie zogen von Gemeinde zu Gemeinde. In vielen kleinen Orten Böhmens gab es damals, vor 10 Jahren noch, jüdische Schulen. So ausgezeichnete, daß die Zahl der christlichen Schüler oft die Zahl der Juden schlug. Also keine Isolierung, kein „neues Ghetto*' in diesen Schulen. Mit welchem Argument ging man also gegen sie los? Es wurde zu viel deutsch in ihnen Unterrichtet, in Orten mit völlig tschechischer Bevölkerung. Da hätten also die Judäo-Tschechen jüdische Schulen mit tschechischer Hauptsprache aus ihnen machen können, nicht wahr? Ach nein, sie verengten Auflösung. Dem Erdboden gleichgemacht wurde jüdische- Schule, jüdisches Bewußtsein. Jahrelang war das, im Namen der Kultur, der Verbrüderung, der Menschheit, ein fröhliches Jagen. Keine einzige Schule von den vielen in Böhmen blieb erhalten. — Ich kann die Wut der Herren verstehen. Nun setzen wir ihnen gerade in Prag eine jüdische Schule vor die Nase; nachdem der Albdruck endlich vorbei schien, fängt er von frischem an? Zu viel, zu viell Als unser Dr. Ludwig Singer die heutige Renaissance des Judentums mit der Situation der Tschechen vor hundert Jahren verglich (eine auch in tschechischen Kreisen oft rühmlich verwendete Analogie), sprang Dr. Reiner auf: „Beleidigen Sie nicht das tschechische Volk!*' — Die tschechischen, realiter tschechischen Ministerialsekretäre saßen still und lächelten fein. Mir stieg Schamesröte in die Wangen . . . Heute lächle auch ich: ja, ja, diese tschechischen Assimilanten, eine „Rass* für sich" (sagt der Wiener), es regt sie halt so auf, es beleidigt sie, wenn man die jüdische Renaissance mit ihrem, ihrem, ihrem tschechischen Volk vergleicht. Aber sonst gibt es keinen Tschechen, den das aufregt. Manche dagegen, die es sogar freut . . . Nur diese Assimilanten, sie können nicht anders, sie bersten vor Tschechentum geradezu, — eine „Rass* für sich**, man kann es nicht anders ausdrücken. Nun, auch diese Enquete ging vorbei. Es war immerhin ein aufregender Vormittag gewesen. Nachdem (auch diesmal) einer der Feinde auf den „berühmten Zionisten Zollschan** hingewiesen und dessen „geistreiches** Buch aus seiner Aktentasche produziert hatte, nahm die Debatte einen ruhigeren Verlauf. Zwei Gegner verließen das Schlachtfeld. Einer sachlichen Beratung stand nichts mehr im Wege. Und ein paar Tage später folgte die Entscheidung: Die bestehenden jüdischen Schulen bleiben vorläufig bestehen bis zur definitiven gesetzlichen Regelung. In Prag und Brünn dürfen neue jüdische Privatschulen errichtet werden. Nach unseren Lehrplänen, die seit langem eingereicht sind. Gewisse formale Erleichterungen, ohne die wir nicht beginnen könnten, werden zugestanden. Einige Zeitungen toben, deutscherseits