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Der Jude · 1920-01-01 · Heft 5-6 · p. 346

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
5 (1920-1921)
Issue
Heft 5-6
Article
Jüdische Schule
Date
1920-01-01
Page
346 (sequence 2)
Language
German
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346 Bemerkungen: Jüdische Schule der ersten jüdischen Volksschulklasse. Ich habe geredet, und es waren endlich einmal . keine Theorien, keine Ermahnungen für die Zukunft und keine Erinnerungen aus der Vergangenheit, kein „Besiedlungsplan", kein „sozialer Auf bauentwurfkein „Programm" überhaupt — nein, das vor allem nicht, kein Programm, Gott sei Lob und Dank. Sondern da war Gegenwart, siebzehn jüdische Köpfe, die eben erwachen wollen, die heute noch, gerade in diesem Augenblick, einen entscheidenden Antrieb zum Judentum bekommen, also zu sich selbst. Jüdische Schule: das ist Selbstbewußtsein des jüdischen Kindes, aufrechter Gang, keine Schande mehr, Jude zu sein, kein Mauscheltum, Geradheit, Gesundgew achsenheit des Geistes, gutes Wissen und Harmonie. Kein Programm — ein neues Leben einer neuen Generation. Und dennoch Feinde? — Oh, nicht die Behörden, von denen ich vorhin sprach. Im Gegenteil, sie kamen uns entgegen, sie bewilligten unsere Forderungen, sobald wir sie ihnen nur recht klargemacht hatten. Höchstens das war die Kunst: dazu gelangen, daß man den entscheidenden Männern alles völlig klarmachen kann. — Unsere Feinde waren (und nun höre ich auf, übermütig zu sein, nun verliere ich alle gute Laune).....waren Juden. Die tschechischen AssimÜanten, die mit den Assimilanten in anderen Staaten gemein haben, daß ihnen an einer Renaissance des Judentums nichts liegt. Die sich aber von den AssimÜanten in andern Staaten (also etwa Assimilationsjuden in England oder Deutschland) daduich unterscheiden, daß sie die jüdische Renaissance mit Erbitterung, mit allen Mitteln bekämpfen und dabei vor — Denunziationen, selbst vor solchen, die Pogromstimmung machen, nicht zurückschrecken Eine ihrer Hauptpraktiken z. B. ist es, daß sie das Nationaljudentum als ... Deutschtum denunzieren. Ich überblicke alle Stadien unserer jüdischen; Schulforderung. Schon im Oktober 1918, gleich nach Errichtung des Jüdischen Nationalrates, war ich mit Prof. Engel bei Prof. Srdinko, dem Schulreferenten der werdenden tschechischen Nationalregierung. Damals sah diese Nationalregierung der zukünftigen Republik noch nicht viel anders aus als der Jüdische Nationalrat. Drei Zimmer, zwei Schreibmaschinenfräulein, unendlich viele Menschen, die kommen und gehen. Alle Ministerien arbeiten zusammen in einer Nußschale. Es war eine interessante Zeit, unvergeßlich. Zu der Nußschale gelangte man auf der Hintertreppe des städtischen Repräsentationshauses. Drei Stock hoch. Oder durch den riesenhaften Garderoberaum der Phi harmonischen Konzerte. Stockfinster und leer, diese Vormittagsstunden verschläft er sonst. Im Korridor oben ein Echo. Auch auf der Treppe schon: Pauken, Horner, aufjubelnde Violinpassagen. Ach, eine Probe des nächsten Konzertes. Neunte Mahler, genau erkenne ich's. Ich nahm es als gutes Omen ... Trotzdem fielen wir mit unserer Schulforderung durch. Vorläufig, da die Juden als Nation noch nicht anerkannt seien... Folgte der Kampf um die „Anerkennung", der ein andermal zu schildern wäre.. März 1920, Verfassung, Anerkennung, Sieg. Und nun neue Arbeit, nun geht es direkt um die Schule. Prinzipiell ist sie uns im Friedensvertrag und in der Verfassung gewährleistet. Aber da ist ein Haken und dort ist ein Haken. Auch haben wir glücklicherweise, falls die Arbeit an sich nicht schwer genug sein sollte, einen außerordentlich guten Gesinnungsgenossen, der uns Schwierigkeiten macht: Herrn Dr. Zollschan. Eines sei hier bekanntgegeben: ich habe keine Diskussion mit Assimilanten gehabt (ich meine: keine politisch relevante Diskussion, — ansonsten stelle ich mich ja nicht mit ihnen hin), in der diese nicht die Gelegenheit wahrgenommen hätten, auf den „ausgezeichneten und führenden Zionisten Zollschan** hinzuweisen und sein „geistvolles" (so sagen sie!) Buch aus der Tasche zu ziehen, in dem die nationalen Minderheitsrechte der Juden bestritten werden. — Das wirkt auf den betreffenden Regierungsmann, selbst wenn er sonst gut orientiert ist, regelmäßig verblüffend. Wie, noch eine Komplikation mehr in dieser ohnehin unausstehlich komplizierten Judenfrage? Ich glaube, das ist die Hauptabsicht der Assimilanten bei ihrer zur Übung gewordenen Zollschan-Vorführung: Der Regierung soll-über all den Korn-

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