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Der Jude · 1920-01-01 · Heft 5-6 · p. 348

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
5 (1920-1921)
Issue
Heft 5-6
Article
Jüdische Schule
Date
1920-01-01
Page
348 (sequence 4)
Language
German
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348 Bemerkungen: Presse und Assimilation wie tschechischerseits. — Es sind aber (seit* sam) nur die von Juden „kontrollierten" Zeitungen. Schuleinschreibung, Elternversammlung, noch ein paar Geplänkel, erster Schultag ~ da stehen wir heute. Alles ist begonnen» noch nichts gesichert Langsam spricht sich die Sache herum. Im nächsten Jahr werden wir Zulauf haben- — Unterrichtssprache: in Prag tschechisch» in Brünn deutsch. Beiderorts starke Berücksichtigung der zweiten Sprache» Der Jude soll dem Chauvinismus des Sprachenkampfs entrissen werden. Ohne tiefgreifendes Verständnis des Präsidenten Masaryk wären wir mit unsern nationalkulturellen Forderungen kaum so weit gekommen. Da stehen wir heute. Siebzehn Schulkinder der ersten Klasse. Ein Nichts. Eine Winzigkeit Eine Sache ohne Bedeutung. — Und doch eine große Sache. Denn es ist eine vollständig konkrete Sache und es ist ein Anfang. Max Brod Presse und Assimilation*) Für den objektiven Beobachter ist die Identifizierung der GroOpresse mit dem jüdisch-assimilierten Element längst keine. leere antisemitische Phrase mehr; es wäre verfehlt» sich der Überzeugung zu verschließen» daß mit der kulturhistorisch überaus interessanten Entwicklung, Blütezeit und Verfallsperiode dieser Art der Publizistik ein Stück jüdischer Geschichte — eben die Assimilationsperiode — so sehr verknüpft ist, daß sie uns geradezu ein getreues» lehrreiches Abbild jener Epoche zu geben vermag. Dieselben Zeitströmungen» derselbe Kulturzustand, dessen Charakteristikum die mächtige» großzügige und unabhängige Presse war» bildeten den Nährboden für die Ideen der Assimilation; Preßfreiheit und Judenemanzipation, beide waren heiß umstrittene *) Diese Ausführungen, die von den Österreichischen, richtiger Wiener Verhältnissen ausgehen, dürfen in ihren wesentlichen Teiu wohl auch allgemeinere Geltung bean- _uchen. (Anm. d, Red*) Schlagworte, stürmisch begrüßte Erfo!r typische Kennzeichen des alten 48er-L?bc ralismus und seiner zweiten, modißyku verwirklichten Auflage aus den Anfangsjahren der konstitutionellen Ära. Die Mission der Presse in der zweiten Hälfte des XIX. Jahrhunderts gering zu achten, ihre Bedeutung als gestaltender Faktor verkennen zu wollen, wäre widersinnig: sie hat den Horizont erweitert — freilich oft etwas einseitig —, die Errungenschaften des Zeitalters den Zeitgenossen erst nahegebracht, sie hat zumindest den Städter aus dem Biedermeier» der er noch um 1850 war, in den Menschen des XX. Jahrhunderts umgebildet, indem sie ihn zwar oberflächlich und phrasenhaft,doch unablässigundschnell* stens über das Weltgeschehen informierte. Ideellen und materiellen Inhalt der Zeit hat sie zu verbinden und zu erfassen gewußt, jede neue geistige und technische Errungenschaft hat sie sich gleichermaßen zunutze gemacht und verwertet, Ihre Reporter waren in den Jahren der Entwicklung zur Moderne der unbestrittene Typus des Menschen» der die Möglichkeiten seiner Epoche bis zum Äußersten erschöpft Wo ein Berichterstatter hindrang, dorthin erstreckte sich gleichsam die zivilisiere Welt» deren Fühler und Späher er tatsächlich war, Romantik und letzten Fortschritt in einer sonst unerreichbaren Vollkommenheit verkörpernd — wie Stanley» den sein Weg durch das dunkelste Afrika zu einer Unsterblichkeit führte, deren Veranlassung ein Wink mächtiger Chefredakteure gewesen ist Ihr politischer Einfluß» so bedeutend er auch war» verblaßt fast vor diesen Leistungen» deren Segen und Wert bestritten werden kann, deren Gewicht und Bedeutung jede Geschichtsschreibung wird anerkennen müssen. Alles, was geschah, stellte sich bewußt oder unbewußt auf den Geschmack, das Wohlwollen und auf die Unterstützung der Presse ein» der gleichermaßen die geheimsten Absichten der Potentaten und Staatsmänner wie das Erscheinen des ersten .Maikäfers notifiziert werden mußten; berühmte Künstler versäumten nicht, den Herren in den Redaktionen aufzuwarten, und kein Stand, keine Partei hätte eine

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