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Der Jude · 1920-01-01 · Heft 5-6 · p. 334

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Journal
Der Jude
Volume
5 (1920-1921)
Issue
Heft 5-6
Article
Briefe zur Vorgeschichte der "Chibath-Zion"
Date
1920-01-01
Page
334 (sequence 8)
Language
German
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334 Theodor Zlocisti: hätte und Sie infolgedessen sich entschlossen hätten den Anfang der neuen Correspondenz zu machen. Der Inhalt Ihres Werthen überzeugte mich eines Anderen. Allgemeine Interessen waren es, die Sie zu dem für mich wirklich erfreuenden Schritte veranlaßt haben. Nun desto besser; dann habe ich ja erfahren, daß Sie Ihr edles Streben trotz vielfachen Anfeindungen und entgegenstehenden Hindernissen nicht aufgegeben haben; daß Sie vielmehr auf dem Punkte stehen, Ihre edlen nationaltheoretischen Prinzipien sich verwirklichen zu sehen; daß Sie endlich einen sehr würdigen und einflußreichen Freund gewonnen haben, der dieselbe Überzeugung hegt. Ich gratuliere Ihnen zu dieser Acquisition; denn Ein solcher Freund wiegt tausend eigennützige, feige Kulturjuden auf. Doch zur Sache. Sie wünschen mein maßgebendes Urteil über einige von Ihnen gestellte Fragen zu hören. Ich glaube in der That hierin von einigem Nutzen für Ihre Bestrebungen, wenn auch indirekt, sein zu können. In der Beantwortung Ihrer Fragen will ich die Reihenfolge, die die Fragen in Ihrem Werthen haben, innehalten. Ihre Mutmaßungen über den Charakter des Herrn Lorje theile ich vollkommen, so weit dies bei nicht persönlicher Bekanntschaft möglich ist. Die Mitteilungen des gedachten Herrn aus Warschau in Betreff des Geneigt- und Geeignet-Seins der polnischen Juden zur Kolonisierung kann ich mit dem folgenden Umstände bestätigen. Ich weiß mich aus meiner Kindheit zu erinnern, mit welcher Begeisterung ein Kolonisierungsaufruf von Seiten der österreichischen Regierung an die jüdische Gemeinde in Krakau von den dortigen Juden aufgenommen wurde. Und handelte es sich damals um Urbarmachung ungarischer Wüsten! Mehr als 400 Familien haben sich hierzu gemeldet. Wenn nun nachher aus dem Projekte nichts geworden ist, so waren es nicht die Juden, die Schuld daran hatten. Ich bin daher fest überzeugt, daß ein derartiger, von einem jüdischen Co mite ausgehendur Aufruf von den dortigen Juden als ein Anfang der Erlösung betrachtet werden wird und Tausende demselben folgen werden. Natürlich wird vieles von der Beschaffenheit des Filialcomites abhängen. Daß die Krakauer von Hause aus Bauern seien, will ich hiermit nicht gesagt haben. Das weiß ich, daß unter einer guten energischen Leitung mit den polnischen Juden sich viel machen läßt. Auch Amsterdam, das ein immenses, aber fleißiges, ja sehr fleißiges Proletariat besitzt, kann in dieser Beziehung eine reiche und sehr nützliche Fundgrube bilden. Zwar sind die holländischen Juden im allgemeinen germanisch nüchtern; sie werden daher nicht in derselben Weise wie die polnischen Juden, für die Idee begeistert sein: das thut aber weniger zur Sache. Denn sobald sie sehen, daß sie Nutzen davon haben, verharren sie desto hartnäckiger bei ihrem Vorhaben, ein Umstand, der hier sehr schwer in die Wagschale fällt. Und dann kommt noch hinzu, daß die reichen Juden hier selbst auch Opfer bringen werden, wenn sich ihnen die Aussicht darbietet, das Ihnen in den Tod

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