Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 5 (1920-1921)
- Issue
- Heft 5-6
- Article
- Briefe zur Vorgeschichte der "Chibath-Zion"
- Date
- 1920-01-01
- Page
- 330 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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33o Theodor Zlocisti: deutsame Antwortschreiben der Alliance, das in dem Aufsatz nur auszugsweise gegeben ist, wörtlich gebracht werden. — Kompert, der bekannte Ghettodichter, war Sekretär der Wiener jüdischen Gemeinde. Die Widerstände gegen die Begründung von Zweigniederlassungen der Alliance israelite universelle in Österreich ergaben sich aus gewissen örtlichen Bedenken, In der Folge hat die in Wien begründete Israelitische Allianz sich auch vorzugsweise der Verbesserung der Lage der Juden im eigenen Lande zugewendet. Die orientalischen Juden erregten nicht in gleichem Maße ihre fürsorgliche Aufmerksamkeit. Durch Heß und Natonek war es gelungen, die Alliance auf Palästina hinzudrängen. Die Schwierigkeiten des Landerwerbs waren nur im Einzelfall durch politische Beeinflussung zu beseitigen. Die Kapitulationen reichten in dem Belang nicht aus. Es lag nahe, daß die Alliance aus ihrer schulreformerischen Tätigkeit heraus die Kolonisation Palästinas durch eine Ackerbauschule einleitete. „Alle diejenigen, die sich mit diesem unglücklichen Lande befassen — heißt es in dem Bericht des Central- Comites über die ersten 25 Jahre 1860—1885 (Berlin 1885, pg. 49) — erklären einstimmig, daß das Heil für die Juden daselbst nur von dem Ackerbau kommen kann. Der Irrtum bestand oft darin, daß sie glaubten, es genüge den Juden, Ländereien zu schaffen, um das Übel zu heilen. Dies ist eine Illusion . . . Wenn mehrere Lehrjahre erforderlich sind, um einen Handwerker zu bilden, so gehört eine viel längere Erziehung dazu, um Landwirte zu bilden. Solche improvisiert man nicht von heute auf morgen, wie viele sich einzubilden scheinen." Dank der Energie Charles Netters, der seit 1868 den Plan der späteren Ackerbauschule Mikweh Jisrael verfolgte, ist diese erste landwirtschaftliche Bildungsstätte in Palästina geschaffen worden. Aber wir gehen nicht fehl, daß auch sein Eifer nicht vorangekommen wäre, wenn Heß nicht den Boden vorbereitet hätte. Und so ist es: Heß hat seinem Volke nicht nur den Weg gezeigt, ihm nicht nur die Theorie eines reinen menschheitliehen Nationalismus gegeben. Seine Unermüdlichkeit hat das Land aufgerissen für den ersten Grundstein. * * * I. Frankfurt a. O., den 26. Aug. 1862. Herrn Dr. Moses Heß, Wöhlgeboren zu Köln a. Rh. Hochgeehrter Herr Doktor! Aus Ihrem neuesten Werke „Rom und Jerusalem" ersah ich mit Vergnügen, daß Sie dem Wiederaufschwunge unseres Volkes ebenso kräftig als schön das Wort reden. Diese Arbeit eines hochgebildeten Philosophen und gewandten Schriftstellers ist um so schätzenswerter, als es noch nicht lange her ist, daß man uns vollen Ernstes die eigene Nationalität absprach. Sie