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Der Jude · 1920-01-01 · Heft 5-6 · p. 326

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
5 (1920-1921)
Issue
Heft 5-6
Article
Die jüdische Frau in Palästina
Date
1920-01-01
Page
326 (sequence 10)
Language
German
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IRI
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326 Helene Hanna Cohn: Die jüdische Frau in Palästina Und ebenso-kann nur aus dem engsten Kreise mit den intimsten Beziehungen von Mensch zu Mensch der Trieb zur Veredlung der äußeren Lebensformen erwachsen, die Regeneration unseres ästhetischen Gefühls. Die Erkenntnis aber, daß alle ästhetische und künstlerische Kultur des » * Volkes aus der Zelle der Familie herauswächst, stellt die höchsten Anforderungen an die Frau als eigentliche Beherrscherin des Hauses. Sie verlangt eine ernste Durchbildung aller Seiten der Persönlichkeit — nicht als Selbstzweck sondern zum Zweck der Vorbereitung für den Beruf der Gattin und Mutter. Sie verlangt Selbstzucht, Hingabe und Opfermut. Sie verlangt eine Unterordnung der kleinen Gelüste der Weibesnatur unter ihre großen Pflichten. Sie verlangt Schärfung des Verstandes und Vertiefung des Gefühls. Aber vor allem verlangt sie ein klares Bewußtsein der Verantwortlichkeit für die der Frau zur Pflege übergebenen Wesen, Bei dieser uralten und nun wieder zu Ehren gelangenden Auffassung von den Pflichten und Aufgaben der Frau werden wir verstehen, daß wir unseren Mädchen die denkbar sorgfältigste Ausbildung der Seele, aber auch des Geistes zu geben haben. Wir werden nicht wieder in den Fehler verfallen, die Arbeit, die sich vorwiegend auf das Haus erstreckt, als eine bloße Routine-Arbeit anzusehen und zu mißachten, sondern werden verstehen, daß diese Arbeit, die von höchster Bedeutung für einen ganzen Kreis von Menschen ist, eine Durchbildung nach allen Seiten hin, der ethischen, logischen und künstlerischen, erfordert. Wir werden auch nicht wieder glauben, daß Frauen von vornherein von irgendeinem Beruf oder Amt ausgeschlossen werden dürfen. Die Frau, die wissenschaftliche, künstlerische oder organisatorische Begabung hat, soll alle Möglichkeiten zur Entfaltung ihrer Gaben erhalten — nur sollen unsere Frauen verstehen, daß sie auch in der Ausübung eines wissenschaftlichen, künstlerischen oder organisatorischen Berufes als Frauen wirken und diese Gaben auch der Veredlung des Hauses dienstbar machen können. Bei einer solchen veredelten Auffassung von den Aufgaben der Frau und einer so vertieften Frauenbildung brauchen wir auch nicht zu fürchten, daß m Frauen, denen kein eigenes Haus und keine eigene Familie beschieden ist, uns wieder den untätigen und unbefriedigten Typ der unverheirateten Frau früherer Jahrhunderte zurückbringen werden. In unserer einfachen, agrarkolonialen Siedlung werden Frauen ohne eigene Häuslichkeit genügend Gelegenheit haben, sich der körperlichen und geistigen Pflege anderer Menschen — gleichviel ob in einzelnen und privaten oder in gemeinschaftlichen und institutsmäßigen Haushaltungen — oder der Boden- und Tierpflege und anderer produktiver Arbeit zu widmen. In jeder Tätigkeit, von der einfachsten technischen bis zur wissenschaftlichen oder künstlerischen werden sie die weiblichen, mütterlichen Seiten ihres Wesens betätigen können, und sobald sie nur die Bedeutung ihrer Funktion für den Aufbau der Gemeinschaft kennen gelernt haben, werden sie sich als wertvolle Mitglieder eines Kreises, in dem

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