Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 5 (1920-1921)
- Issue
- Heft 5-6
- Article
- Die jüdische Frau in Palästina
- Date
- 1920-01-01
- Page
- 327 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Theodor Zlocisti: Briefe zur Vorgeschichte der „Chibath-Zion" jede produktive Arbeit, gleichviel welcher Art, gleichmäßig geschätzt wird, fühlen dürfen. Zusammenfassend sagen wir: mit vielem anderen, das einstmals unsere Kraft und Schönheit bildete, gingen uns die mütterlichen Frauen verloren, sie, die Mütter nicht nur im Fleisch, sondern im Geiste waren, Quellen der Staatskraft und Volkskultur. Nur wenn wir den Weg zu den Müttern zurückfinden, wird unsere Gemeinschaft leben. Der Weg zu ihnen führt durch eine Mädchenerziehung hindurch, die der jungen Generation die Augen für die sie umgebenden Wesen und Dinge öffnet, ihren Verstand schärft, ihr Gefühl vertieft und sie lehrt, dieses ganze veredelte Ich einzusetzen für die treue Erfüllung ihrer Pflicht, gleichviel ob es die Pflicht gegen einen größeren oder einen kleineren Kreis von Mitmenschen ist. Solange man sich nicht in Palästina Rechenschaft über die Aufgaben der Frau in der Gemeinschaft ablegt, und solange man zögert, ihr die zur Erfüllung dieser Aufgaben erforderliche Erziehung zu geben — so lange wird unsere erträumte neue Welt nicht erstehen können. BRIEFE ZUR VORGESCHICHTE DER „CHIBATH-ZION" (Äu$ ilem Nachlaß von J^doses Heß) J^ditgeteilt von Theodor Zlocisti Die Bewegung der Zionsfreunde hat von Deutschland her ihre ersten Impulse erhalten. Ende 1860 trafen sich in Thorn einige angesehene Juden und Rabbiner, um über die Kolonisation des heiligen Landes zu beraten. Hirsch Kalischer hatte die Männer zusammenberufen; der zarte chassidische Rabbi von Grätz, Elijahu Gutmacher, war unter ihnen, glücklich in dem Gedanken, daß die Sehnsucht seines Lebens sich zu erfüllen begann. Es ist nicht zu erkennen, in welchem Zusammenhang zunächst die in Frankfurt a. 0. 1861 begründete Palästinagesellschaft zu den Bemühungen Kalischers steht. Ihr Schöpfer war der mystische, hartnäckige und nervös-eifersüchtige ßr, Hajim Lorje. Sein Wirken ist in diesen Blättern (Bd. II, 670) von S. L. Zitron sorgsam gezeichnet worden. Er fand Widerstände an dem Indifferentismus, der schließlich das Erbe der leidenschaftlichen Reformkämpfe geworden; die palästinische Chalukkah fühlte sich bedroht: bei der geringen Zahl deutscher Juden, die an der alten Mauer das Ende ihrer Tage weihten, durfte die reichlichspendende Quelle für den „Kolel Hod,c nicht auf fremden Bezirk abgeleitet werden. Aber die grimme Feindin des neuen Vereins war