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Der Jude · 1920-01-01 · Heft 5-6 · p. 322

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
5 (1920-1921)
Issue
Heft 5-6
Article
Die jüdische Frau in Palästina
Date
1920-01-01
Page
322 (sequence 6)
Language
German
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322 Helene Hanna Cohn: unserem Frauentyp sein Antlitz geben, während die Instinktsicheren, die Gefühls- und Geistesstarken, die sich ihres Weges wohl bewußt sind und ihn unbeirrt vorwärtsschreiten, zu den seltenen Ausnahmen gehören. Das aber ist das Symptom einer Erschlaffung unserer Volksinstinkte,, einer so tödlichen Erschlaffung unserer Kraft, daß es uns zu augenblicklicher Behandlung einer so schweren Krankheit ruft Daß es sich hier nicht um Erscheinungen handelt, die den Verhältnissen des Golus entspringen und bei einer Anspannung unserer Volkskräfte in Palästina sofort verschwinden werden, lehrt ein Blick auf unseren jüdischen. Jischub: alle die hier gezeichneten Frauentypen finden sich in dem kleinen Kreise unserer Siedler bereits wieder. Da ist die träge, unfrohe Hausfrau; wir finden sie in allen Kolonien, und ihre Unzulänglichkeit verrät sich im schnellen Verfallen der Kolonistenhäuser, in den unwohnlichen Stuben, in dem öden Sandplatze vor den Häusern an Stelle der sauberen Haus- und Ziergärtchen, welche die deutschen Kolonien verschönen. Aber noch schlimmer verrät sich ihre Lässigkeit in dem körperlich ungepflegten und seelisch undisziplinierten Zustande ihrer Kinder. Daß diese schon im Aufgabenkreis ihrer engsten Häuslichkeit Versagenden sich der für ein Kolonialland unabweisbaren Notwendigkeit verschließen, ihr Wirken auch auf gewisse der Frau zufallende Zweige landwirtschaftlicher Produktion zu erstrecken, hat die Kolonisierung des Landes in höherem Maße gehemmt, als man sich meistens klarmacht. Daneben finden wir die Hyperintellektuelle; wir finden sie in verschiedenen Rollen: als Akademikerin, als Arbeiterin, als Leiterin" irgendeiner Organisation oder eines Institutes oder auch als — studierende Arbeiterfrau. Charakteristisch für sie, gleichviel in welchem Beruf sie uns begegnet, ist, daß sie ihren Beruf fast niemals aus innerer Nötigung zu eben dieser Arbeit und infolgedessen mit besonderer Eignung für sie ausübt, sondern daß sie ihren eigentlichen Lebensinhalt im Haschen nach irgendwelchen Ideenphantomen findet. Infolgedessen fehlt es ihr am gesunden Blick für die Erfordernisse des Tages und für ihre nächstliegenden Pflichten. Zu diesem Typ gehört eine Reihe palästinensischer Frauen, die zwar in irgendeiner Weise im öffentlichen Leben stehen, irgendetwas außerhalb ihres Broterwerbs oder ihrer Familienpflichten Liegendes leisten, bei denen diese öffentliche Tätigkeit aber doch seelenlos bleibt, weil sie nicht aus Mitgefühl mit dem Hilfsbedürftigen, nicht aus Menschenliebe entstanden ist, sondern in praktischer Anwendung irgendeiner Ideologie oder gar aus Betriebsamkeit und Ehrgeiz. Zu dieser Klasse von Frauen gehören auch die, welche einen Beruf — vorzugsweise den landwirtschaftlichen — nur deshalb ergriffen, weil er der schwierigste und ihren bisherigen Beschäftigungen extremste ist, und bei denen dann,, wenn es heißt, in stiller unauffälliger Arbeit ihre Versprechungen zu erfüllen, die Lust nur allzubald versiegt. Auch diejenigen sind darunter, die sich durch ihren eigenen Vorsprung im Hebräischen berechtigt glauben, auf jedea

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