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Der Jude · 1920-01-01 · Heft 5-6 · p. 321

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Journal
Der Jude
Volume
5 (1920-1921)
Issue
Heft 5-6
Article
Die jüdische Frau in Palästina
Date
1920-01-01
Page
321 (sequence 5)
Language
German
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Die jüdische Frau in Palästina 321 den Rahmen des Religionsgesetzes. Mit dem, was sie für neue, den männlichen gleiche Frauenpflichten hielt, nämlich gleich großen Anstrengungen im Wirtschaftskampfe, glaubte sie auch das gleiche Recht aut Geltung und. Genuß eingetauscht zu haben — sei es der grobe Genuß des Amüsements oder der verfeinerte einer sorgfältigen Pflege ihrer ästhetischen und intellektuellen Liebhabereien. Verkennend, daß die Lehre von der sorglichen individuellen Ausbildung nur da zu Recht besteht, wo wirklich ausgesprochene und pflegenswerte Individualität vorhanden ist, begann sie, sich selbst liebevoll zu studieren und ihr Ich — mit allen seinen Schwächen und Unzulänglichkeiten — zu * bejahen und zu hätscheln. Von Anfang an belastet mit der Erbschaft stumpf gewordener Impulse und Willenskräfte, gelangte sie zu einer ungeheuren Überschätzung des Intellekts. Alles beiseite werfend, was frühere Frauengeschlechter als vornehmste und selbstverständlichste Frauenpflicht empfunden hatten, gelangte sie zu einer Hypertrophie des Intellekts, die sich in ideologischer Verstiegenheit äußert oder in zügelloser Bejahung aller Instinktregungen sich überschlägt. Als letzte und furchtbarste Verkörperung dieses auf einer Gefühlswüste erwachsenen Hyperintellekts steht heute vor uns das Bild der jungen Jüdinnen im bolschewistischen Rußland, die als Vorsitzende von Tribunalen täglich ohne ein Zittern der Hand ihre Unterschrift unter eine Reihe von Todesurteilen setzen. Zwischen diesen beiden äußersten Extremen bewegt sich die Schar der Jüdinnen, deren Willen noch nicht verkümmert, deren Intellekt lebendig ist, deren Geistes- und Seelenkraft aber nicht ausreicht, um in dem Wust von Unklarheit, der sie umgibt, ihre Pflichten klar zu erkennen und sich mit Leib und Seele ihnen zu widmen. Es sind das die schillernden jungen Jüdinnen, deren innere Unausgeglichenheit sie zu einem irritierenden Wechsel der Grundsätze und Neigungen führt und die wie steuerlose Schiffe auf dem Meer des Lebens schwanken. Es sind das die von Zweifeln und Zwiespälten geplagten Mädchen, vor deren Flügellahmheit und innerer Schwere jüdische Männer in wachsendem Maße zu den einfacheren" und durch ihre ungebrochene seelische Kraft mehr zu Erlöserinnen des Mannes geeigneten Frauen anderer Volker fliehen. Das sind die Mädchen, deren seelische Schwungkraft erschlafft, sobald ihnen das Leben Pflichten auferlegt, die nur durch Arbeitsfreude und Opferkraft bewältigt werden können. Aus ihnen werden nach dem Flackerfeuer ihrer Mädchenjahre jene unfrohen Hausfrauen, deren Haushaltsführung und Kindererziehung darum unzulänglich bleibt, weil sie ohne Konzentration der Geistes- und Seelenkraft ausgeführt wird. Die geschilderten Frauentypen sind nicht etwa einzelne Entartungserscheinungen, die durch eine Masse gesunder, tatkräftiger, ihre Aufgaben gegenüber der Familie und der breiteren Gemeinschaft erfassender Frauen aufgewogen werden — Frauen, von jener reinen Jungfräulichkeit und kraftvollen Mütterlichkeit, wie das jüdische Volk von den Tagen der biblischen Mütter bis zu Jenen der Glückel von Hameln sie besaß. Es sind vielmehr die, welche Heft 5/6. 21

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