Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 5 (1920-1921)
- Issue
- Heft 5-6
- Article
- Der heutige deutsche Antisemitismus
- Date
- 1920-01-01
- Page
- 267 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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- IRI
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Der heutige deutsche Antisemitismus 267 Erde ist, in denen die physische Gewalt (die Waffe) das ultimum refugium aller Entscheidung und jede gefallene Entscheidung, wenn sie gegen ihn ausfällt, nur ein Interim bis auf die nächste Anwendung des gleichen Mittels ist, und so ad infinitum von Krieg zu Krieg; wenn man wie er über Maß und Art der Freiheit zu entscheiden sich vorbehält, die unter seiner Oberherrschaft , auf Erden ausgeteilt werden soll und außer der physischen Gewalt überhaupt keine sittlich bindende Macht, kein Recht, keinen gültigen Vertrag, keine der Gewalt überlegene Idee, überhaupt keinen geistigen Sinn und Entscheid des zwischenvölkischen Lebens anerkennt, weder religiöse Bindung der politischen Aktion an ein göttliches Gesetzf noch das Bestehen und Wirken gegenseitiger Hilfe und friedlicher Verbundenheit auch zwischen den Völkern nicht nur Europas, sondern der ganzen Erde — wenn man unter einem so wahrhaft trostlosen Aspekt nicht nur die Geschichte der menschlichen Rasse, sondern auch ihre Zukunft sieht, wobei doch selbst in der fürchterlichen Vergangenheit aller Kulturen eine Fülle von Tatsachen, Auswirkungen eines gegenteiligen Prinzips, entweder übersehen oder entwertet werden müssen; wenn man mit all diesen Voraussetzungen und Einstellungen zu leben verflucht ist: sollte man da nicht wenigstens des Maß von Selbstbewußtheit aufbringen, sich und der Welt diese Art von Geist zuzugeben? Sollte man nicht schlechthin erklären: Herr der Erde ist das Schwert und wir seine Diener? Ist die Wirtschaft eine Waffe, so nur unter der Kontrolle und im Bündnis mit ihm. Der Mensch an sich hat keinerlei Berechtigung zu leben, wenn nicht in ihrem und seinem Dienst und unter ihrem und seinem bedingungslosen Gebot Der Gott der Menschen ist der Staat und wir, die wir ihn interpretieren und darstellen. Innerhalb seiner verstatten wir allen Einzelnen, die sich zu seinen Grundlagen bekennen, die rücksichtslose Anwendung wirtschaftlicher Gewalt innerhalb der durch das geltende Recht gezogenen Grenzen, und lehnen es ab, die Ausbeutung der Arbeitskraft und der Bedürfnisse des Verbrauchers unter den Rechtsbegriff wirtschaftlichen Unrechts zu stellen. Nicht um der Menschen willen und um ihnen immer mehr Raum und Zeit zu menschlicher Höherbildung zu gewährleisten, sind Staat und Wirtschaft da, sondern beide sind Selbstzweck, Machtmittel des eigenen Wachstums und der Unterwerfung immer größerer Gebiete unter ihre Gewalt. Ein letztes sinngebendes Prinzip über beiden besteht nicht. Und weiter: in jedem dieser Sätze ist die Negation eines Satzes enthalten, der uns Deutschen auf irgendeine Art im Judentum verkörpert entgegentritt. Darum nennen wir alle Negationen dieser Sätze jüdischen Geist. Soweit der Jude sich unseren Sätzen und Zwecken nicht unterwirft, werden wir ihn bekämpfen, vertreiben und, muß es sein, töten. Darum sind wir Antisemiten. Dies ist heute die Konsequenz des Antisemitismus; man findet sie selten gezogen, obwohl sie ihm, ist er nur prinzipiell empfunden, auch dort zugrunde liegt, wo man sie leugnen möchte. Mit diesen Sätzen hat man nämlich, zum mindesten als klardenkender Mensch, die Grenzen und Sphären