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Der Jude · 1920-01-01 · Heft 5-6 · p. 259

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
5 (1920-1921)
Issue
Heft 5-6
Article
Eine Vorrede
Date
1920-01-01
Page
259 (sequence 3)
Language
German
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Eine Vorrede *59 Etwa zwei Jahre, nachdem diese Worte geschrieben und veröffentlicht worden waren, begann der Weltkrieg und führte die in seinem Gefolge eingetretenen Ereignisse herbei; es traten also unvorhersehbare Dinge ein, die der Wirklichkeit ein neues Gesicht gaben. Auch unser Leben wurde in die Weltgeschehnisse verstrickt, und auch unsere Wirklichkeit hat dadurch ein neues Gesicht bekommen. Vieles wäre zu sagen und ist auch bereits gesagt worden über die Eigenart dieses neuen Gesichts, im Positiven und Negativen, in der Diaspora und in Palästina. Aber wie schon gesagt, habe ich jetzt nicht die Kraft, diese Dinge von allen Seiten zu erfassen, und ich möchte meinerseits nur einige Worte über einen der Hauptzüge dieses neuen Antlitzes sagen, das unsere Wirklichkeit angenommen hat: über die Ausweitung des Horizonts unserer Arbeit in Palästina durch die bekannte Deklaration der britischen Regierung, die vor kurzem durch den obersten Rat der Friedenskonferenz bestätigt und so aus dem Versprechen einer Regierung zu einer internationalen Verpflichtung geworden ist. Diese Deklaration gab eine neue Grundlage für eine methodische Arbeit, zeichnete das Ziel für unsere Handlungen in der Gegenwart vor, für große Handlungen mit weiten Horizonten, die vorher nur Themen für Reden und Aufsätze über die Zukunft waren, ohne jede reale Basis in der Gegenwart. Aber gleichzeitig hiermit schuf die Deklaration neue Flügel für die Phantasie derer, die bereits vorher gewohnt waren, sich eine Welt in der Luft zu erbauen, ohne mit den Bedingungen der Wirklichkeit unten auf der Erde zu rechnen. Und dies ist, wie mir scheint, eine der Ursachen dafür, daß nach dieser Sammlung noch eine große Nachfrage besteht, obwohl vieles von ihrem Inhalt nicht mehr zu der heutigen Wirklichkeit stimmt. Nicht der Inhalt ist hier die Hauptsache, sondern die Methode, mittels derer ich mich bemüht habe, über die Fragen zu urteilen, die in den verschiedenen Zeiten auf der Tagesordnung standen, nämlich ein Urteil zu fällen nicht auf Grund jenes „wer weiß?", das im Nebel der Zukunft verhüllt bleibt, sondern auf Grund der Wirklichkeit, die in der Gegenwart schon besteht, oder von der gegenwärtige Lebensbedingungen bereits ankündigen, daß sie bald eintreten wird. Diese Methode muß auch jetzt noch eingeschärft werden. Das Wunder, das einmal eingetreten ist, daß nämlich Dinge, die vor kurzer Zeit noch weit von der Wirklichkeit entfernt waren, jetzt in einem bestimmten Maß ein Teil von ihr geworden sind, hat die Wirkung gehabt, daß die, die immer auf Wunder warteten, sich jetzt als Sieger betrachten. Sie fordern mit Nachdruck, ihre Methode auch in Zukunft fortzusetzen und alles auf Grund des schiefen Schlusses zu tun, daß, wenn einmal etwas unter ungewöhnlichen Bedingungen eingetreten ist, möglicherweise etwas Ähnliches sich auch in der Zukunft ereignet, so daß wir unsere Welt nach unseren Wünschen erbauen könnten, ohne mit der gegenwärtigen Wirklichkeit zu rechnen; wir sollen uns auf eine Wiederholung des Wunders in dem Zeitpunkt verlassen, in dem wir seiner bedürfen. Ein jüdisches Sprichwort sagt: Ein Fehler, der gut ausgegangen *st, bleibt deshalb doch ein Fehler. Auch die Arbeitsmethode, die sich von 17*

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