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Der Jude · 1920-01-01 · Heft 4 · p. 218

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
5 (1920-1921)
Issue
Heft 4
Article
Palästina und der Chassidismus
Date
1920-01-01
Page
218 (sequence 4)
Language
German
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2l8 S. A. Horodezky: mit offenen Armen. „Alle freuten sich gar sehr — berichtet er seinem Schwager — und riefen: Es lebe der König". Er erzählte ihnen von der Heiligkeit des Meisters, legte ihnen die Lehre des Chassidismus dar, und sie sahen in ihm und in seiner Lehre die Fortsetzung der Kabbala und,des jüdischen Mysteriums in anderer Form. R. Gerschon war der erste Bote des Chassidismus in Palästina und legte hier den Eckstein für das geistige Zentrum. Veranlaßt durch seine Briefe entschloß sich noch einer der Mitschöpfer des Chassidismus, R. Jakob-Josef von Polonne, nach Palästina zu gehen. Er, der Apostel der neuen Lehre, war durch seine darstellerische Begabung dazu berufen, Palästina für den Chassidismus zu gewinnen. Aber auch er wurde „vom Himmel verhindert". Er war für die Befestigung des Chassidismus in der Diaspora unentbehrlich. R. Jakob-Josef war es, der die chassidische Literatur schuf; er war es, der die grundlegenden theoretischen Werke über die neue Bewegung verfaßte und sie auch nach innen und nach außen verteidigte. Gerade er durfte den Chassidismus und die Chassidim nicht allein lassen. So scheiterten die Versuche der ersten Zaddikim, nach Erez Israel zu übersiedeln. Erst im Jahre 1777 konnte eine größere Anzahl Chassidim mit ihren Meistern an der Spitze hingehen. III. Im Monat Adar 1777 zogen die Schüler R. Bers von Meseritsch, R. Mendel von Witebsk, R. Israel von Polozk und R. Abraham Hakohen Kalisker samt mehr als 300 Personen, darunter auch Frauen und Kinder, nach Palästina. Nach vielen Mühseligkeiten und Reiseschwierigkeiten kamen sie am 5-ten Elul nach Safed — Safed war bei den Kabbalisten als die heiligste Stadt Palästinas angesehen. „Wer in Safed wohnt, hat anderen Städten gegenüber den Vorzug." Diese Stadt, die seinerzeit Mittelpunkt der Kabbala nach der Vertreibung aus Spanien war, wollten nun die Chassidim zum Zentrum des Chassidismus machen. R. Israel Polozker schildert in seinem Briefe die „Freude der Leute, die mit Inbrunst der Herzen nach dem heiligen Lande zu wallen wagten". In Begeisterung setzt er fort: „Das ist der erhoffte Tag, an dem wir frohlocken im Lande unserer Wünsche — dem Gelüste der Herzen, der Freude der Gedanken — dem Land aller Heiligkeiten." Über sich selbst schreibt er: „Meine Seele überströmt vor Wonne, mein Mund singt Loblieder, ein geringes Weilen hier erleuchtete meine Augen mehr als all mein Sein im Auslande. Große Seligkeit erlebte ich. Meine Seele sehnt sich nach den Vorhöfen Gottes." Wie vierzig Jahre vorher, bei der Ankunft des R. Gerschon, des ersten Boten des Chassidismus, so auch jetzt empfingen die Juden Palästinas die Zaddikim und ihren Anhang freudvoll. Selbst die Sephardim, die sonst den Aschkenasim fernstanden, sahen in den Angekommenen Fortsetzer der jüdischen Mystik und lauschten den chassidischen Vorträgen des R. Mendel. R. Mendel wurde die führende Persönlichkeit in Palästina. Er hatte das Gefühl, von nun ab werde die Lehre des Chassidismus sich von Palästina

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