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Der Jude · 1920-01-01 · Heft 4 · p. 217

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
5 (1920-1921)
Issue
Heft 4
Article
Palästina und der Chassidismus
Date
1920-01-01
Page
217 (sequence 3)
Language
German
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IRI
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Palästina und der Chassidismus 217 seine Strahlen in die Zerstreuung senden sollte. Sie sahen im Chassidismus das letzte Glied in der langen Kette der jüdischen Mystik, von den Propheten und den Essenern durch die Agada, die Messianisten und die Kabbalisten hindurch. Der Chassidismus, wußten sie, kann nur dann zur vollen Entfaltung gelangen und das Judentum läuternd beeinflussen, wenn er die Atmosphäre Palästinas in sich aufnimmt. Zweimal war bereits Palästina geistiges Zentrum für die Diaspora. Das erste Mal etwa zweihundert Jahre vor der Zerstörung des zweiten Tempels, als die in verschiedenen Ländern zerstreuten Juden ihre gesamte geistige Nahrung aus Palästina empfingen, und das zweite Mal im fünfzehnten Jahrhundert nach der Verbannung aus Spanien, als Palästina zum Hauptzentrum der Kabbala wurde. Die Stadt Safed war der Sammelpunkt der größten Kabbalisten, darunter R. Josef Karo, R. Mosche Cordovero, R. Jizchak Lurja samt seinem Schüler R. Chajim Vital, R. Meir Ben Gabai, R. Israel Sarug, Radbas, R. Abraham Halevi, R. Mosche Alscheich, R. Eljahu de Vidas. Der Kabbaiist wurde hier zu einem Sondertypus ausgebildet, und die Kabbalah erreichte hier ihre höchste Stufe und wurde Alleinherrscherin im Geiste der Juden. Von hier aus verbreitete sie sich in den Ländern der Zerstreuung, indem sie auf dem Wege über Italien nach Polen kam. Die Schöpfer des Chassidismus wollten nun Palästina zum dritten Mal zum geistigen Zentrum machen. Schon der Baalschem selbst sehnte sich sein Leben lang danach, nach Erez Israel zu gehen. Es wurde ihm aber nicht beschieden, seinen Wunsch in Erfüllung zu bringen. „Er wurde vom Himmel verhindert", erzählt die chassidistische Legende. Man hätte nämlich im Himmel gewußt, daß, wenn der Baalschem seine Lehre des Chassidismus nach Erez- Israel brächte, alsbald die Erlösung kommen würde. Dazu aber wäre das Geschlecht noch nicht reif genug. Auch in der nächsten Umgebung des Meisters bestand die feste Absicht, nach Erez Israel zu gehen und dort ein Zentrum der Lehre zu bilden. Die Jünger konnten aber den Baalschem sowie die junge Bewegung nicht allein lassen, die noch so viele Hindernisse zu überwinden hatte. Nur einer, R. Gerschon aus Kuty, der Schwager und Schüler des Baalschem, machte sich in den dreißiger Jahren des 18. Jahrhunderts auf den Weg nach Palästina. Zu jener Zeit schwebte noch der Geist der Kabbala unter den Juden Palästinas, sowohl Aschkenasim als Sephardim, ja dieser Geist erwachte zu neuem Leben durch den Kabbalisten R. Chajim Ben-Eter, der als Verfasser des Bibelkommentars „Or Hachaim" unter den Chassidim bis auf den heutigen Tag heilig gehalten Wird. Dieser berühmte Kabbaiist, der in Jerusalem wohnte, schrieb über sich selber: „Der heilige Geist offenbarte sich und wandte sich an mich". R. Chajim beeinflußte die Juden in Palästina und im Orient in hohem Grade und der Baalschem soll die Größe seiner Seele gerühmt haben. So wurde in Palästina eine kabbalistische Atmosphäre geschaffen, und als R. Gerschon vier Jahre nach dem Tode R. Chajims nach Palästina kam, empfingen ihn die Palästinenser Juden

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