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Der Jude · 1920-01-01 · Heft 4 · p. 216

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
5 (1920-1921)
Issue
Heft 4
Article
Palästina und der Chassidismus
Date
1920-01-01
Page
216 (sequence 2)
Language
German
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2l6 S. A. Horbdezky: im heiligen Lande auszuhauchen, dessen Sünde wird vergeben und er wird unter den Flügeln der Schechinah geborgen*)." „Wenn einer das Glück hat nach Erez Israel zu kommen" — sagt ein Kabbaiist —, „so empfängt er eine Seele von neuer Schöpfung, die die alte Seele umkleidet, und während der ersten im heiligen Lande zugebrachten Nacht steigen beide Seelen empor, aber nur die neue Seele kehrt zurück, die also nicht strafwürdig ist, da sie doch nicht gesündigt hat**)." Das Verhältnis des mystischen Judentums zu Palästina.ist geistiger, tiefsinniger, als das Verhalten des Gesetzesjudentums. Letzterem war Palästina nur das Mittel für das große Ziel, den heiligen Tempel zu errichten und die Mizwoth nach allen Regeln zu erfüllen. Dem mystischen Judentum dagegen ist Palästina an und für sich etwas Göttliches, Erhabenes. Diese andächtige Beziehung zu Palästina finden wir bei allen jüdischen Mystikern von den Messianisten und Kabbalisten bis zum Chassidismus des Baalschem. IL Der Chassidismus, der Nachfolger der Kabbala, in dem das jüdische Mysterium sich von neuem offenbarte, hat seinerzeit zur Verstärkung der Liebe zum heiligen Lande beigetragen. „Zion — sagt der Maggid R. Ber aus Meseritsch - ist das Zentrum der Welt und die Lebensquelle der ganzen Welt, deshalb hat es in sich etwas von jedem Lande, und jedes Land kommt und empfängt hier Lebenskraft und nährt sich am Anteil, [den es in Zion hat***)". „Erez-Israel — sagt R. Mendel aus Witebsk, der Jünger des R. Ber — ist die Schechina selberf)". »Der Hauptteil des Gehirns und der Weisheit — sagt R. Nachman aus Brazlaw — ist in Erez-Israel". Die Zaddikim suchten immer im Volke die Sehnsucht nach Palästina wachzuhalten. So bemühte sich R. Schneur-Salman von Ladi „die alte Liebe zum heiligen Lande zu wecken, auf daß sie im tiefsten Innern lichterloh brenneff)". R* Nachman von Brazlaw sagte einmal: „Wer ein wahrhafter Jude sein will, soll nach Erez Israel gehen; wenn er noch so viel Hindernisse hat, soll er alles überwinden und hingehen". Hier, im unreinen Lande, ist alles unvollkommen. Selbst die Schechina ist hier unvollkommen. „Die Schechina ist im Exil." Nur dort, im heiligen Lande, wird alles zu voller Reinheit und Heiligkeit gelangen. Aber nicht nur im Wort ermahnten die Zaddikim ihre Anhänger, nach Palästina zu gehen, sondern sie zeigten durch eigene Tat, wie nahe ihnen Erez Israel war, und daß das heilige Land so sehr der Mittelpunkt ihres geistigen Lebens bedeutete, daß sie den Chassidismus nicht außerhalb Palästinas zu wahrer Vollkommenheit bringen konnten. Sie wünschten, Palästina zum „geistigen Zentrum" des Chassidismus zu machen, der von dort aus *) Sohar, Abschnitt Wajikra. **) Chessed Leabraham von Asulai, Abschnitt io12. ***) Or Thora Abschnitt Wajera. f) Peri Haarez, in den Briefen, ff) Tanja, Igereth hakodesch.

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