Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 5 (1920-1921)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Palästina und der Chassidismus
- Date
- 1920-01-01
- Page
- 215 (sequence 1)
- Language
- German
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S. A. Horodezky: Palästina und der Chassidismus 215 S. A HORODEZKY/ PALÄSTINA UND DER CHASSIDISMUS Palästina war stets das Sinnen und Trachten des Judentums. Hierin gibt JL es keinen Unterschied zwischen dem rabbinischen Gesetzesjudentum und dem mystischen Kabbalajudentum, Der Unterschied besteht allein darin, daß für das rabbinische Judentum das Palästina der Zukunft („wenn der Tempel aufgebaut werden wird") die Hauptsache war, während das mystische Judentum bereits im gegenwärtigen Palästina, wie es ist, ein Land sieht, das „vom Heiligtum des Paradieses an sich hat, selbst in seiner Öde Gott geweiht ist und von ihm bedacht wird'**). Für das mystische Judentum ist das Band zwischen dem verwüsteten Palästina von heute und dem Palästina der großen Vergangenheit nie unterbrochen worden* Die jüdischen Mystiker verspürten vielmehr das Leben der Seelen in der Luft des Landes, sie schauten in ihm die Seelen seiner Propheten, der Großen und Heiligen in Israel zur Zeit seiner Bodenständigkeit. Sie fühlten hier dem Schauer der Propheten nach und vernahmen deren erschütternde Stimme. Die ganze jüdische Antike erschien ihnen in Erez Israel veranschaulicht. Für das mystische Judentum gibt es so weit keinen Unterschied zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft Palästinas. Ihm ist Erez Israel ein spiritueller Körper, ein emanierter Stoff. Seine Heiligkeit ist so groß und stark, daß sie durch keine Kraft zu schwächen ist. Wie „der irdische Tempel dem himmlischen Tempel entspricht" (Talmud), so gleicht das irdische Palästina dem himmlischen. Schon der frühe jüdische Mystiker behauptete: „Palästina wird sich über alle Länder ausdehnen. Denn alle Länder v/erden von Erez Israel genährt und haben ihren Bestand nur aus ihm. Hier ist „der Mittelpunkt der bewohnten Erde"; obwohl dies Land stofflich ist wie andere Länder auch und sich in dieser niedern Welt befindet, ist es doch überaus heilig, denn'älle Welt wird von seinen Säften gespeist**)/' Das mystische Judentum ermahnte den Juden stets, „das unreine Land" zu verlassen, um nach dem heiligen Lande zu gehen, dort zu leben und die verklärte Luft zu atmen. Allein in Erez Israel vermag der Jude sich der ununterbrochen latent fortwirkenden Vergangenheit des Judentums anzuschließen, die sich einst in aller Pracht wieder offenbaren wird. „Wohl dem — sagt der Sohar —, der das Glück erlebt, seinen Wohnsitz im heiligen Lande aufzuschlagen, denn wer dies erlebt, nimmt teil am himmlischen Tau, der auf die Erde fällt. Und wer bei Lebzeiten gewürdigt ist, sich mit diesem heiligen Boden zu verbinden, wird darnach gewürdigt werden, sich mit dem oberen heiligen Boden zu verbinden. Und wer das Glück hat, seine Seele *) „Sehne Luchoth Habrith" (Scheloh), S. 278a. **) Dortselbst, S. 105a. I.